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Nur ein Medienhype? Der Gruppengründer musste wieder und wieder seine Ziele erläutern 

Düsseldorf und die Facebook-Patrouille: Die im Dunkeln sieht man nicht | mit KOMMENTAR

Wer im Dunkeln steht und zu wem gehört, ist nur schwer auszumachen – an diesem Samstagabend. Tofigh Hamid gibt ein Fernsehinterview nach dem anderen. Der gebürtige Iraner hat nach den Kölner und Düsseldorfer Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht die Facebookgruppe „Düsseldorf passt auf“ gegründet und binnen weniger Tage mehr als 11.000 Gruppenmitglieder eingesammelt. „Wenn eine Frau in Gefahr ist, wollen wir dazwischen gehen“, verspricht Hamid. Und im nächsten Satz: „Eine Bürgerwehr sind wir aber nicht.“ Diesen Begriff würden nur die Medien verwenden.

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Tofigh Hamid musste zahlreichen TV-Teams seine Inititaive erklären

Wie ernsthaft Gruppen am Samstagabend durch die Altstadt gingen, ist kaum auszumachen. Es scheint mehr ein Medientermin zu sein. Kameras und Mikrofone richten sich auf Hamid. Vertreter von „Düsseldorf stellt sich quer“ schauen vorbei. Am Rande will jemand bekannte Hools gesehen haben. Die Polizei beobachtete die Aktivitäten aus der Ferne.

Gewaltlos und ohne Aggressionen

In Tofigh Hamids Ankündigungen sieht das Szenerio in den nächsten Wochen in Düsseldorf so aus: In Gruppen zu je fünf bis sechs Menschen wolle man durch die Stadt spazieren – so stellt es Hamid dar. Man sei gewaltlos und frei von Aggressionen, werde niemanden bestrafen oder festnehmen – und schon gar nicht die Polizei arbeitslos machen. „Unsere einzigen Waffen sind das Telefon, um im Notfall die Polizei zu rufen, und eine Kamera, um Beweise zu sichern.“

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"Und warum machen Sie dabei mit?" - Fragen an die Umstehenden

Es sei der Gruppe auch völlig egal, woher ein Täter stamme. Man vorverurteile niemanden und werde auch gegen deutsche Angreifer vorgehen, wenn es sein muss. „Wir können nur miteinander leben, wenn wir uns gegenseitig respektieren“, sagt Tofigh Hamid. Dass sich nun auch NPDler, Rechtsradikale und Hooligans neben Bürgern, Anwälten und Kaufleuten in seiner Gruppe sammeln, deutet Hamid entgegen allen kritischen Nachfragen von Journalisten als „positives Zeichen“: „Unsere Gruppe ist nicht politisch. Wenn die, die von den Medien in ein schlecht Licht gerückt werden, nun zu mir, einem mit Migrationshintergrund, kommen, kann das nichts schlechtes bedeuten.“ Im Übrigen könne jeder seine politische Meinung haben.
Nur wer sich mit vollem Namen auf Listen eintrage, dürfen bei den Altstadtrunden mitgehen. „Sollte dabei jemand gegen unsere Regeln verstoßen, können wir auch denjenigen der Polizei melden.“

KURZ-KOMMENTAR: Mehr Zivilcourage erforderlich

Was aus dieser Facebookgruppe wird – niemand weiß es. Denn unklar ist immer noch, wie viel und welche Substanz hinter der Oberfläche steckt. Die Posts auf der Seite und der Auftritt des Gründers am Samstag gehen jedenfalls sehr weit auseinander.
So ist doch völlig klar, dass der von Tofigh Hamid selbst abgelehnte Begriff „Bürgerwehr“ Rechtsradikale und Hools anlockt, wie ein Blick auf die Mitgliederliste zeigt. Diese Gewaltbereiten zur Begrüßung freundlich zu umarmen, ist zu wenig. Für ihre Hetzpropaganda darf nirgendwo ein Spielfeld sein.
Die Idee selbst traf nach den Übergriffen von Köln und Düsseldorf offenbar den Nerv vieler, wie der enorme Zulauf zeigt. Dabei ist diese Gruppe völlig überflüssig. Etwas mehr Zivilcourage, Hinsehen statt Wegsehen und ein viel entschiedeneres Vorgehen gegen den täglichen Sexismus von Männern, egal woher sie kommen – mehr braucht es nicht.

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