Kultur Ausstellungen

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Tom Katz floh im Alter von acht Jahren aus Düsseldorf. Zusammen mit Ehefrau Matty und Tochter Dorine öffnete er sein Familienalbum für die Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus

Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte wiederöffnet: „Es ist wichtig, dass die jungen Leute davon erfahren“

Tom Katz legt seine Hand in die seiner Frau Matty. Und schaut sie an. Da befinden sich beide vor ihrem Hochzeitsbild aus dem Jahr 1959. „Vier Tage später bin ich entstanden“, lacht Tochter Dorine, die sich anschließend das Interview mit ihrem Vater anhört. Der heute 85 Jahre alte Tom Katz, seine Frau und seine drei Kinder haben für Düsseldorf ihr Familienalbum geöffnet und ihre Lebensgeschichte erzählt. Sie sind nun Teil der von Grund auf renovierten und mit einer neuen Ausstellung versehenen Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus.

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Oberbürgermeister Thomas Geisel diskutiert mit dem Zeitzeugen Tom Katz (85)

„Ich bin bis in meinen kleinen Zeh hinein Holländer geworden“, sagt Tom Katz. Im Alter von acht Jahren hat er 1937 mit seinen Eltern Düsseldorf verlassen. Sie gingen in die Niederlande, nach Den Haag zunächst, wo die Oma mütterlicherseits wohnte. Im Mai 1940 folgten die Nazibarbaren. 1941 Registrierung als jüdische Familie. 1942 im August: Zwangsumzug nach Amsterdam. Mit der Hilfe von Calvinisten taucht die Familie unter; wechselt in den drei Jahren bis Kriegsende 18 Mal das Versteck. Und entkommt so dem Schlimmsten.

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Andrang zur Eröffnung der von Grund auf und in zwei Jahren renovierten Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus

Ist es nicht ein merkwürdiges Gefühl, dass die Familienbilder nun Teil einer Ausstellung in Deutschland sind? Da ist es Matty Katz, die Ehefrau, die energisch den Kopf schüttelt und auf Englisch sehr bestimmt sagt: „Es ist wichtig, dass die jungen Leute davon erfahren.“ Kurz zuvor, bei der Feierstunde im Rathaus, hat Tim Katz sich viele solche Maientage gewünscht, an denen aus Knospen etwas entspringt. Seine Verbeugung vor einem Gedicht des Düsseldorfers Heinrich Heine.

Tätern, Opfern und Mitläufern ins Gesicht sehen

In der wiedereröffneten Mahn- und Gedenkstätte kann man Tätern, Opfern und Mitläufern ins Gesicht sehen – und raten wer was getan hat. Auf eine schäbig gestrichene, aber massive Zellentür aus der damaligen Zeit klopfen, den Interviews von Zeitzeugen lauschen: All das ist jetzt wieder möglich an der Mühlenstraße, während draußen die Altstadtbesucher vorbeiziehen. Die Mahn- und Gedenkstätte will begriffen werden. Immer ist eine Schublade herauszuziehen, eine Klappe umzulegen – und es gibt neue Informationen. „Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus“ heißt die neue Dauerausstellung.
Kerstin Griese, SPD-Bundestagsabgeordnete und Parteivorsitzende des Kreises Mettmann ging besonders aufmerksam durch die neuen Räume. „Ich habe als studentische Hilfskraft an der ersten Ausstellung hier im Haus mitgearbeitet.“ Mehr als acht Jahre lang. Es war eine wichtige Arbeit für Griese. Sie zollt dem Historiker Bastian Fleermann und seinem Team Respekt: „Es ist gut, dass es jetzt etwas Neues hier gibt – und dass es so gut gelungen ist.“

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Das Rigo-Winterstein-Swingtett musizierte - heiter, aber mit Tiefgang

Das die Feierstunde zur Wiedereröffnung der Mahn- und Gedenkstätte nicht schwer, sondern leicht, aber nicht belanglos wurde, ist mit ein Verdienst des Rigo-Winterstein-Swingtett“, das musizierte. Oberbürgermeister Thomas Geisel sagte, dass „das Erinnern immer wichtiger wird – vor allem weil Rechtsradikale wieder durch die Straßen ziehen und gegen Muslime und andersgläubige hetzen.“
Professor Dr. Alfons Kenkmann , der Vorsitzende des wissenschaftlichen Fachbeirats, zeigte in seinem Festvortrag anhand von drei Biographien auf, wie das damals war: „Auslese und Aussondern. Eine Jugend zwischen den Extremen“. Bitter dabei, dass der Nazi-Mitläufer sich nahtlos in das Nachkriegsdeutschland einreihte und sein Leben lebte.

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Zur Feierstunde war der Plenarsaal des Rathauses voll besetzt

Der Vorsitzende des Förderkreises der Mahn- und Gedenkstätte, Rainer Pennekamp, kam mit einer schier endlosen Dankesliste. Doch da das Haus an der Mühlenstraße keinen Eintritt erhebt, sind Förderer und Sponsoren wichtig und müssen genannt werden.
Denn noch ist nicht alles so wie es sein soll. Neben den Texten in Deutsch gibt es momentan nur eine englische Übersetzung in der Mahn- und Gedenkstätte. Das ist kümmerlich. Für weitere Sprachen hat bisher das Geld nicht gereicht. 

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