Politik Stadtteile

D_Loeschschaum_20151015_ffw_lohbruegge

PFT, perflourierte Tenside, aus dem Löschschaum der Flughafenfeuerwehr verseucht in Düsseldorf Lohausen und Kaiserswerth das Grundwasser auf einer Fläche vonb rund 8,5 Quadratkilometern. PFT gelten als krenserregend. Foto: Freiwillige Feuerwehr Lohbrügge

PFT-Giftfahne im Düsseldorfer Norden: das Schweigen der Schaumschläger

Über dem Düsseldorfer Flughafen schweben Schadenersatzforderungen in dreistelliger Millionenhöhe. Diese Summe entspricht dem Zweieinhalbfachen des Flughafen-Gewinns aus dem Jahr 2014. Es geht um die stetig wachsende Verseuchung von Düsseldorf Lohausen und Düsseldorf Kaiserswerth mit hochgiftigen, mutmaßlich krebserzeugenden perflourierte Tensiden, PFT. Gegen die seit acht Jahren nichts getan wird.

D_Karte_20151015

Eine Übersicht der Stadt Düsseldorf aus dem Jahr 2012; Die schraffierten Flächen zeigen die PFT-verseuchten Gebiete. Die Punkte sind Messstellen - je röter sie werden, desto belasteter ist das Grundwasser. Karte: Stadt Düsseldorf

Seit 2007 ist bekannt: Der Löschschaum der Flughafen-Feuerwehr funktionierte nur deshalb, weil er das gesundheitsschädliche, nicht abbaubare PFT enthält. Bei Ernstfällen wie dem Triebwerksbrand eines landenden Fracht-Jumbo Jets im Jahr 2005 und zu Übungszwecken wurden Schaumteppiche mehr als großzügig von der Flughafenfeuerwehr verteilt.

8,5 Quadratkilometer betroffen

Die Schadstoffe aus dem Schaum sickerten ins Grundwasser und verseuchen mit wachsender Konzentration eine Fläche von 8,5 Quadratkilometern in Lohausen und Kaiserswerth. Pro Tag wandert die Giftfahne im Boden des Düsseldorfer Nordens um zwei Meter Richtung Rhein. Der Verzehr von Fisch aus umliegenden Teichen ist untersagt. Anliegende Bauern bekamen eine Entschädigung dafür, dass sie ihre Felder brach liegen lassen. Ein Grundstücksbesitzer klagt auf Schadenersatz (Streitwert: 4,5 Millionen Euro). Es gab Probebohrungen.

Die Kontrolleure Stadt und Land sind selbst Flughafen-Eigentümer

Eigentlich müssten die Stadt Düsseldorf und das Land NRW dem Flughafen Beine machen. Doch sie sind nicht nur Aufsicht, sondern auch Eigentümer des Flughafens. Eine verhängnisvolle Doppelrolle.
Die Stadtwerke Duisburg messen nach eigenen Angaben intensiv, was ihr Kaiserswerther Brunnen an Trinkwasser fördert. „Die PFT-Werte dort sind erhöht, können aber mit der normalen Technik zur Trinkwasseraufbereitung unter die Grenzwerte gedrückt werden“, sagte ein Unternehmenssprecher gegenüber report-D. Zudem werde das belastete Wasser aus Kaiserswerth ja mit dem der anderen Brunnen gemischt. Falls die Werte in Kaiserswerth aber weiter anstiegen, müsse der Brunnen still gelegt und in zusätzliche Aufbereitungstechnik investiert werden. Rechnungsanschrift für Regressforderungen: der Flughafen.

Schon früh wurden Millionen für das PFT-Risiko zurückgestellt

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, WAZ, meldete Anfang Oktober: Die PFT-Verseuchung im Grundwasser habe den Rhein erreicht, aus dem stromabwärts viele anliegende Städte Trinkwasser gewinnen. Tapfer dementierte das Presseamt der Stadt Düsseldorf sofort, namentlich gekennzeichnet durch die Leiterin Kerstin Jäckel-Engstfeld und einen Mitarbeiter. Man berief sich auf Messungen des Landesamtes für Umwelt, LANUV im Rhein. Entwarnung!

Die nächste Rhein-Messstelle ist weit entfernt

Eine LANUV-Sprecherin erklärte auf Nachfrage von report-D: Die dauerhafte Messstelle für die Qualität des Rheinwassers befinde sich in Kleve, rund 115 Stromkilometer nördlich von Düsseldorf. Nur dort werden permanent die Rheinwerte gemessen. Aufgrund der aktuellen PFT-Diskussion in Düsseldorf habe das LANUV-Forschungsschiff Max Prüss eine Rheinwasser-Probe in Höhe von Lohausen genommen – am 1. Oktober. Ob seither der Rhein durch PFT verschmutzt wurde, weiß niemand.
Es will im Bermudadreieck aus Flughafen, Stadt und Land auch niemand wissen. Denn das eigentlich Empörende ist: Allen ist die Verseuchung des Grundwassers bewusst. Seit 2010 macht der Flughafen finanzielle Rückstellungen wegen des Risikos PFT. Mit sechs Millionen Euro Rückstellungen hat es nach Recherchen der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung begonnen. Peanuts!

Nürnberg ging die PFT-Verseuchung am dortigen Flughafen schneller an

Die Stadt Düsseldorf und der Flughafen müssen sich vorhalten lassen, viel zu langsam zu reagieren. Darauf hat Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) bereits vor über einem Jahr hingewiesen. Den Verantwortlichen von Flughafen und Stadt war‘s offenbar egal. Am Flughafen Nürnberg gab es ebenfalls PFT-Verseuchungen, auch dort war die Flughafenfeuerwehr der Verursacher. Das Gift im Nürnberger Boden wurde drei Jahre später entdeckt als das in Düsseldorf. Dort wird bereits mit einem Millionenaufwand saniert. In Düsseldorf nicht.

D_loeschschaum_20151015_fw_altenbruch

Mit Löschschaum wurde lange Zeit sorglos und großzügig umgegangen. Foto: Freiwillige Feuerwehr Altenbruch.

Zurück zur Rubrik Stadtteile

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Stadtteile

D_Asyl_Further_AmWald_Koch_23062016

In Düsseldorf Hassels werden zwei neue Unterkünfte für Flüchtlinge errichtet. In Leichtbauhallen werden an der „Further Straße“ ab nächster Woche 192 Menschen und „Am Wald“ ab Anfang August 288 Menschen untergebracht. Die Flüchtlingsbeauftrage Miriam Koch informierte Nachbarn und interessierte Bürger am Donnerstagabend (23.6.) über die Vorhaben.

D_OBDialog_Rath_2_22062016

Oberbürgermeister Geisel hatte am Mittwochabend (22.6.) zum Dialog geladen und etwas mehr als hundert Rather waren in den Pfarrsaal St. Josef gekommen, um das vorzubringen, was ihnen am Herzen lag. Dabei ging es hauptsächlich um Verkehrsprobleme: Belegte Parkplätze durch einen Parkdienstleister vom Flughafen, wegfallende Abstellmöglichkeiten durch den Ausbau des ÖPNV, künftige Verkehrsbelastungen nach dem Bau des Möbelhauses an der Theodorstraße und zunehmender Lärm durch den RRX.

D_AWO_ipunkt_Tür_20062016

Wenn man Julia Wagner und Jürgen Mai nach ihrer Arbeit fragt, lächeln sie. Am Freitag waren sie beim Fest auf dem Kamper Acker, am Samstag auf einem Sommerfest, am Montag hatten sie selber Gäste in ihrem neuen Büro an der Küpperssteger Straße. Was sich nach Spaß und feiern anhört, ist Basis ihrer Arbeit. Die beiden Mitarbeiter der AWO gehen in die Stadtteile Holthausen und Wersten und möchten Menschen kennenlernen. Hauptaugenmerk liegt dabei auf Langzeitarbeitslosen, die oft zurückgezogen leben, weil sie sich ihrer Situation schämen.

report-D: Social Media / RSS