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Eine erneute Mieterhöhung konnten die Bewohner der Bunsenstraße 12 vorerst abwehren, doch ihre Zukunft in dem Haus ist ungewiss

Düsseldorf wird immer mehr zum Spielfeld von Immobilienspekulanten

Das Wohnungsunternehmen LEG Immobilien hat 2017 durch ihren Umgang mit den Mietern in Hassels für Schlagzeilen gesorgt. Doch dass es nicht nur die großen Immobilienfirmen sind, die in Düsseldorf bei Mietern für Angst und Schrecken sorgen, zeigt das jüngste Beispiel eines Wohnhauses in Friedrichstadt. Das Haus in der Bunsenstraße 12 wurde im vergangenen Jahr von einem Immobilienentwickler gekauft. Erst flatterte den Bewohnern eine Mieterhöhung ins Haus, jetzt scheint das Objekt zum Weiterverkauf vorbereitet zu werden. Die langjährigen Mieter, zum Teil Senioren die seit mehr als 70 Jahre dort leben, bangen um ihre Wohnungen.

Mehrfamilienhäuser als Spekulationsobjekt

Es passiert immer wieder: Mieter, die in einer bezahlbaren Wohnung in Düsseldorf leben, erfahren vom Verkauf ihres Wohnhauses an einen neuen Eigentümer und oft beginnt damit das, was nicht selten mit Auszug endet. Denn viele Wohnhäuser sind noch in Privatbesitz, die Eigentümer kümmern sich wenig, die Immobilie leidet unter einem Investitionsstau und der florierende Wohnungsmarkt in der Landeshauptstadt bietet nun die Chance auf beste Verkaufspreise.

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Schon von aussen sieht man dem Haus in den Bunsenstraße an, dass schon lange nichts mehr investiert wurde

Beispiel Bunsenstraße

So geschehen auch in der Bunsenstraße 12. Der Eigentümer N. hat das Haus geerbt, die Mietverträge belassen und den Mietzins nicht erhöht, aber auch nichts investiert. Die Bewohner leben zum Teil schon seit 1943 in dem Haus, wie Dieter Kirchholtes, der mit sechs Jahren einzog und jetzt bald 83 Jahre alt wird. Im Sommer 2015 erhielten das Ehepaar und die anderen Bewohner des Hauses eine erste Mieterhöhung um 15 Prozent. Alle akzeptierten mit der Hoffnung, nun würde auch endlich etwas am desolaten Zustand von Hausfassade, Treppenhaus, Speicher und Garten getan. In den Wohnungen hatten sich die Mieter stets selber um Renovierung gekümmert. Doch drei Jahre lang geschah erneut nichts. Allerdings flatterte dann im August 2018 die nächste Mieterhöhung ins Haus, erneut um 15 Prozent. Die meisten Mieter akzeptierten – schweren Herzens. Je nach Wohnungsgröße lag die Kaltmiete nun zwischen 6,80 und 8 Euro.

Ohne Vorwarnung gab es dann im September erneut Post – vom neuen Eigentümer, denn offenbar hatte ein Immobilienentwickler  das Haus erworben und eine Hausverwaltung informierte über den neuen Empfänger der Mieten. Einigen Bewohnern ahnten da bereits, was noch kommen würde. Die Befürchtungen bewahrheiteten sich, als im Frühjahr 2019 der neue Eigentümer eine erneute Mieterhöhung um 15 Prozent forderte. Auf Einwände reagierte der neue Eigentümer schriftlich und drohte mit Klage. Für die Senioren im Haus der Punkt, an dem sie resignierten und sich ihrem Schicksal ergeben wollten.

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Acht Parteien leben in dem Haus und erfahren durch die Problemen einen neuen Zusammenhalt

Gegenwehr erfolgreich

Doch die Hausgemeinschaft hielt zusammen, schaltete den Mieterbund ein und erfuhr, dass die erneute Mieterhöhung nicht rechtens war. Über das „Bündnis für bezahlbaren Wohnraum“ wurde die Presse über den Vorgang informiert und innerhalb weniger Stunden machte der Immoblienentwickler einen Rückzieher. Kurz vor einem Pressetermin am Dienstag (21.5.) in der Bunsenstraße 12, überbrachte ein Mitarbeiter noch schnell die Schreiben, in denen von einem Versehen die Rede war und die Mieterhöhung zurückgenommen werde.

Ein kurzfristiger Erfolg, doch bereits jetzt laufen erneute Besichtigungen im Haus, die den Verdacht aufkommen lassen, es werde weiter verkauft. Dazu würde die versuchte Mieterhöhung passen, denn der Verkaufspreis für eine Immobilie richtet sich immer auch nach den Mieteinnahmen.

Bündnis für bezahlbaren Wohnraum

Die Bunsenstraße 12 ist ein Beispiel von vielen. Düsseldorf ist ein lukrativer Ort für Immobilienspekulanten, da die hohe Nachfrage nach Wohnraum die Mietpreise stetig steigen lässt. Mieter bleiben auf der Strecke. Denn werden Wohnung modernisiert, dürfen die Kosten dafür auf die Miete aufgeschlagen werden. Das führte bei einem Fall in Köln dazu, dass es innerhalb kurzer zeit zu einer Erhöhung um fast 80 Prozent kam. Das Bündnis für bezahlbaren Wohnraum setzt sich in Düsseldorf dafür ein, solche Missstände aufzudecken und öffentlich zu machen. Denn einzelne Mieter fühlen sich oft machtlos.

Am Mittwoch, den 3. Juli, wird unter Moderation von Pater Wolfgang von der Altstadt Armenküche eine Veranstaltung in Oberbilk organisiert, bei der versucht wird, durch Information und Vernetzung der zunehmenden Spekulation entgegenzuwirken. Aktuelle Informationen vom Bündnis für bezahlbaren Wohnraum finden sie hier.

Das Bündnis für bezahlbaren Wohnraum Düsseldorf hat das Ziel, als starke Gemeinschaft Druck auf die Stadt auszuüben und real bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Folgende Initiativen / Organisationen sind Bündnismitglieder:

  • Agentur für urbane Unordnung
  • Altstadt Armenküche
  • Arbeit und Leben
  • AStA der FH Düsseldorf
  • attac!
  • Die Linke KV Düsseldorf
  • DKP Düsseldorf
  • fiftyfifty
  • Initiative K
  • i Furiosi organisiert in der Interventionistischen Linken
  • Interventionistische Linke Düsseldorf [ see red!]
  • In der Gemeinde leben
  • katholische Arbeitnehmerbewegung Stadtverband Düsseldorf
  • Kiefernstraße
  • Mittwochsfrühstück der Erwerbslosen und prekär Beschäftigten
  • Runder Tisch Oberbilk
  • SWT e.V.
  • Ver.di Düsseldorf
  • vision:teilen

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