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Die Notfallpraxis ist künftig ab 23 Uhr geschlossen.

Düsseldorf: Trotz Protest zieht Notfallpraxis ihr Vorhaben durch – nachts ist ab 1. Juli geschlossen

Als die Pläne der Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) und der „Notdienst Düsseldorfer Ärzte e.V.“ Mitte März durchsickerten, die Notfallpraxis ab 1. Juli nachts geschlossen zu halten, gab es Protest von vielen Seiten der Politik. Geändert hat dies nichts. Mit einer Pressemitteilung informiert die Notfallpraxis, dass die neuen Öffnungszeiten ab nächster Woche Mittwoch (1.7.) greifen. Die ärztliche Versorgung nachts sei durch zwei Ärzte, die bei Bedarf Hausbesuche machen würden, weiter sichergestellt. Zugleich wurde sämtlichen 25 Mitarbeitern der Notfallpraxis zum Jahresende gekündigt. Ob und wie es an der Florastraße weitergeht, ist angeblich derzeit Gegenstand von Gesprächen, unter anderem mit der Kassenärztlichen Vereinigung. Der Schwebezustand und die mangelhafte Kommunikation der Notfallpraxis.Ärzte bringt nach Informationen von report-D auch das EVK in eine Zwickmühle. An deren Eingang um die Ecke werden absolute Notfälle natürlich nicht abgewiesen, doch aufstocken will man die Kapazitäten der Notaufnahme auch nicht.

Protest erfolglos

Trotz Kommunalwahlkampf waren sich Politiker*innen der großen Düsseldorfer Partein einig, als die Information über die Nachtschließung Mitte März öffentlich wurde. Gemeinsam appellierten sie die Entscheidung zu widerrufen. Ohne Erfolg.

Gründe für die Schließung

Begründet wurde das Ende des Nachtdienstes von den Betreibern der Notfallpraxis damit, dass es wiederholt zu verbalen Attacken und in einem Fall auch zu einem körperlichen Übergriff durch Hilfesuchende gekommen sei. Deshalb finde man niemanden mehr, der dort nachts Dienst tun wolle. Auf die Nachfrage von report-D, wann genau es zu welchen Übergriffen gekommen sei – und wie reagiert wurde, wich die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein allerdings aus: Es handele sich um Vorfälle aus „den letzten Jahren“.

Der Gesundheitsdezernent von Düsseldorf, Andreas Meyer-Falcke, kritisierte im März, dass er von Dritten über die Entscheidung erfahren habe, die Notfallpraxis nachts zu schließen. Er sagt: „Weil Retter der Feuerwehr bei ihren Einsätzen schlimmer Weise angegriffen werden, will ja niemand die Feuerwehr abschaffen.“ Er kritisiert das abrupte, niemandem kommunizierte Ende des Nachtdienstes scharf. „Besser wäre es gewesen, zunächst eine Portalpraxis-Lösung für Düsseldorf zu schaffen.“

Patienten müssen sich neu orientieren

Auffällig ist, dass die Ärzteschaft untereinander nicht einig ist. Die Zahnärzte werden ihren Notdienst in die Unikliniken verlegen. Die Kassenärztliche Vereinigung will das System der Portalpraxen etablieren – wartet dessen erfolgreiche Einführung aber nicht ab. Dabei soll es eine gemeinsame Patientenannahme von niedergelassenen Ärzten, die sich als Unternehmer sehen, und Krankenhäusern geben. Die nächtliche Schließung ginge aber nicht zu Lasten der Patienten, betont die KVNO. Über die Telefonnummer 116117 sei eine ärztliche Versorgung auch in den Nachtstunden in Düsseldorf gesichert.

Politik entsetzt

Die Düsseldorfer Politik stellt den Ärzten der Stadt ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. Ratsherr Andreas-Paul Stieber (CDU), Vorsitzender im Gesundheitsausschuss im Düsseldorfer Rat, sagt: „Wir sind uns fraktionsübergreifend einig, dass diese Planung zum falschen Zeitpunkt erfolgt. Die Notfallkapazitäten in den Krankenhäusern müssen gerade jetzt vorgehalten werden, damit auf die Folgen der Corona-Pandemie reagiert werden kann. Eine Nachtschließung der Notfallpraxis am EVK wird zwangsläufig dazu führen, dass die Menschen direkt in die Notfallambulanz des Krankenhauses gehen.“

Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke (SPD), Vizevorsitzende im Gesundheitsausschuss, ergänzt: „Bis 2022 sollen in Nordrhein-Westfalen sogenannte Portalpraxen flächendeckend eingeführt werden. Dort wird eine strukturierte Ersteinschätzung nach Schweregrad und Dringlichkeit der nötigen Behandlung vorgenommen, die dann erfolgt. Hier werden Bagatellerkrankungen von echten Notfällen getrennt. Bis dieser Systemwechsel vollzogen ist, sollte der Nachtdient in der Notfallpraxis aufrecht erhalten bleiben.“

Ratsfrau Angela Hebeler (Grüne), gesundheitspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, bedauert, dass offensichtlich keine gemeinsame Lösung mit dem Zentralen Zahnärztlichen Notdienst am selben Standort gesucht wurde. Der umfassende Nachtdienst gerade in Düsseldorf Bilk bedeutet eine deutliche Entlastung der Notfallambulanzen der umliegenden Krankenhäuser.
Dr. Christine Rachner (FDP), gesundheitspolitische Sprecherin der FDP, fügt hinzu, dass gerade in diesen Zeiten die Gesundheitsversorgung das gemeinsame Ziel sein muss: „Die nächtliche Schließung der Notfallambulanz schafft Verunsicherung in der Bevölkerung. Das ist nicht nötig!“

Neue Öffnungszeiten

In der Notfallpraxis am Evangelischen Krankenhaus in Düsseldorf-Unterbilk, Florastr. 38, sind der allgemeine „hausärztliche“ Notdienst als auch die Notdienste der Ärzte für Kinder- und Jugendmedizin, Gynäkologen, Neurologen/Psychiater, Chirurgen/Orthopäden, Zahnmedizin sowie HNO-Ärzte erreichbar.
Die Öffnungszeiten ab 1. Juli 2020 sind:
Montag, Dienstag, Donnerstag: 20 bis 23 Uhr
Mittwoch: 14 bis 23 Uhr
Freitag: 17 bis 23 Uhr
Samstag: 8 bis 23 Uhr
Sonntag: 8 bis 23 Uhr
Für die ambulante Versorgung nicht mobiler bzw. bettlägeriger Patientinnen und Patienten steht während der Öffnungszeiten der Notdienstpraxis und durchgehend bis zum nächsten Morgen der ärztliche Hausbesuchsdienst zur Verfügung. Die Hausbesuche werden von der Arztrufzentrale NRW koordiniert, diese ist unter der kostenlosen Rufnummer 11 6 11 7 an allen Wochentagen rund um die Uhr erreichbar.
Im Stadtgebiet Düsseldorf werden mindestens zwei Ärztinnen und Ärzten die ganze Nacht über für medizinisch notwendige Hausbesuche im Einsatz sein.

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