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Der Timanfaya-Teufel, das von Cesar Manrique gestaltete Maskottchen von Lanzarote.

Düsseldorfer fliegen auf Lanzarote: Im Schatten des Corona wacht die schwarze Schönheit wieder auf

In Urzeiten waren es Lavaströme, die das Bild der Kanareninsel Lanzarote nachhaltig veränderten, dann kamen die Touristenströme. Jetzt beginnt eine neue Zeitrechnung, unterteilt in vor Corona und nach Corona.

Und, wie ist das jetzt so, fliegen auf Lanzarote, fliegen ab Düsseldorf? In die Ferien, zum Meeting, mit Familie, zu Freunden? Condor-Flug DE 420, der erste nach monatelangem Lockdown ab Düsseldorf mit dem Ziel Lanzarote, früh am Tag Start um 6.15 Uhr. Beim Check In werden die ersten Ziele gemeinsam abgefertigt, was dazu führt, dass die Schlangen nicht kürzer sind als zu normalen Zeiten. Abstand? Fehlanzeige! Menschen schieben sich, Koffer werden geschoben, eng an eng. Ein Vorgang, der sich später bei der Sicherheitskontrolle wiederholt. Das Flugzeug ist nicht aus- aber gut gebucht, etwa 80 Prozent der Plätze sind belegt. Der Einstieg der maskierten Passagiere erfolgt grüppchenweise.

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Maskenpflicht ist obligatorisch, auch im Freien, wenn Abstände nicht eingehalten werden können. Bei Zuwiderhandlung droht ein Bußgeld von 100 Euro.

Nach gut vier Stunden landet die Boing 757 auf einem so gut wie leeren Flughafen. Bevor der Koffer kommt, kommt die Gesundheitskontrolle in einer Art mobilen Ambulanz: Temperatur messen mittels Wärmebildkamera, Sichtkontrolle, Abgeben des obligatorischen Gesundheitsdokuments. Alles verläuft ruhig und rasch. In der Ankunftshalle herrscht gespenstische Leere. Keine beschilderten Reiseleiter, die Pauschaltouristen einzusammeln, die kommen noch nicht. Keine Abholer, die dürfen noch nicht wieder rein.

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Der Zugang zu den Stränden - wie an der beliebten Playa la Garita in Arrieta - ist reglementiert von 10 bis 18 Uhr.

Waren es vor Urzeiten Lavaströme, die das Bild der Kanareninsel Lanzarote nachhaltig veränderten, so kamen später die Touristenströme, die sich allerdings nur auf drei Orte konzentrierten: Puerto des Carmen, Costa Teguise und Playa Blanca. Zuletzt waren es drei Millionen Besucher im Jahr. Doch das war vor Corona. Jetzt beginnt eine neue Zeitrechnung.

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Wo sich sonst sonntags die Marktstände aneinanderreihen in der alten Inselhauptstadt Teguise, kann man nun entspannt bummeln und die Schönheit des Ortes entdecken.

Wer fliegt überhaupt schon wieder von Düsseldorf nach Lanzarote? Eher Individualisten, Künstler, Lebenskünstler, Architekten, Filmemacher, Musiker, Kinder und Enkel von Deutschen, die sich hier vor Jahrzehnten auf der Insel ein Haus gekauft ober gebaut haben, wie die junge Familie, die schon seit Jahren immer wieder nach Las Brenas kommt, eine kleine Siedlung, von der aus man wie von einem Balkon auf den Touristenort Playa Blanca schaut. Oder das junge Pärchen, das unterwegs ist ins Eltern-Ferienhaus Punta Mujeres, ein Geheimtipp im ruhigeren Norden der Insel.

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Die Einwohner von Lanzarote genießen die wiedergewonnene Freiheit an den Familienstränden wie in Punta Mujeres.

Auch der Enthüllungs-Journalist Günter Wallraff war einst fasziniert von der Vulkaninsel, wohnte an der Küste und erwarb schon vor Jahren ein Anwesen mitten im Lavafeld. Helge Achenbach hatte eine Wohnung im einst vom Insel-Künstler Cesar Manrique nach einem kanarischen Dorf errichteten Ferienanlage Los Molinas an der Costa Teguise und große Pläne auf der Insel, die er zeitweise sogar mit seinen Affen bevölkerte. Er organisierte eine Kunstausstellung mit Absolventen einer Klasse von Andreas Gursky. Günter Uecker stellte aus in der alten Inselhauptstadt Teguise, für sich wählte er einen Ort auf der Lanzarote vorgelagerten Insel La Graciosa. Der Düsseldorfer Fotograf Bernd Schaller machte Schwarz-Weiß-Bilder von der Insel, die er auch schon in einer Galerie in Yaiza ausstellte.

Pauschalurlauber kommen ohnehin oft nur aus Versehen, so eher last Minute lost in Lava. Wobei sich Ersttäter schnell in zwei Gruppen spalten: die, die nie mehr wiederkommen in die karge verkrustete Landschaft und die, die so fasziniert sind von deren schwarzer Schönheit, dass sie immer wiederkommen und immer öfter immer länger bleiben. Eine Studie belegt: von zehn Lanzarote-Urlaubern sind sieben Wiederkommer. Treue Liebhaber in guten wie in schlechten Zeiten.

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So groß wie nie: Der Touristenstrand Playa Grande in Puerto del Carmen.

Und wie sind sie nun die Zeiten auf Lanzarote, gut oder schlecht? Beides! Die großen Strände sind (noch) leer, keine Karawanen von Leihwagen, man kann entspannt auf Entdeckungsreisen gehen. Die Auswahl an geöffneten Restaurants ist noch klein, Wiedereröffnungen werden wie Geheimtipps in den sozialen Netzwerken weitergereicht. Kurz nach der Lockerung der in Spanien besonders strengen Bewegungseinschränkungen, waren knapp zehn Prozent der Hotels wieder geöffnet, bis zum Herbst sollen es 50 Prozent sein.

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Luxusurlaub ab September: am Infinity-Pool des neugestalteten Traditionshotels Los Fariones in Puerto del Carmen.

Angestrengt hat sich auch Juan Andres Rosa Caraballo, Manager des 5-Sterne-TraditionshotelsLos Fariones in Puerto des Carmen, das bereits seit drei Jahren herausgeputzt wird und in neuem Luxus erstrahlt. Wiedereröffnung soll am 1. September sein. In Deutschland wird es von Schauinslandreisen vermarktet. Stolz zeigt Juan Andres sein Lieblingszimmer, wo die Badewanne am bodentiefen Fenster steht mit beidseitigem Blick auf die lange leere Playa Grande und den kleinen dichtbevölkerten Familienstrand Playa Chica.

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(Bade-)Zimmer mit Aussicht: vom Los Fariones in Puerto del Carmen.

Im September will auch Barbara Hendriks ihre Bodega Chupadero im Weinangebaut La Geria im Inselinneren wieder eröffnen. Viele Düsseldorfer*innen kennen die Restaurant-Fachfrau noch aus Zeiten, als der „Grüne Mond“ noch über der Grafenberger Allee leuchtete. In Lanzarote verliebte sie sich in den 70-er Jahren und blieb der Insel bislang treu. Sie erzeugt ihre eigene Energie mit Sonne und Wind. „Wir sind inzwischen ganz grün“ freut sich die Vegetarierin und plant bereits ein neues Küchen-Konzept. Und was ist, wenn eine zweite Welle kommt? „Die kommt. Ich bin fast sicher. Und dann sind wir Weihnachten hier wieder allein.“
Sie will aber auch nicht, dass wieder die Kreuzfahrer einfallen: „Da standen plötzlich 15 Taxen mit 30 Touristen vor meiner Tür und wollten alle gleichzeitig bedient werden. Wenn es nicht schnell genug ging, hatte ich am nächsten Tag eine schlechte Bewertung im Tripadvisor.“ Barbaras Balance: Sie öffnete an bestimmten Tagen erst, wenn die Aidas wieder abgedampft waren und nahm dafür Umsatzverluste in Kauf. Dazu kam jetzt noch Corona.

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Der Kraterrand des Monte Corona, Lanzarote, Foto: Wikipedia, Urheber: Alexander Ott (=Alelanza)

Dabei war dies nicht der erste Corona-Ausbruch auf Lanzarote. Der letzte dürfte nach den Kirchenbüchern 3000 bis 5000 Jahre her sein, als Lanzarotes Hausberg ausbrach, die höchste Erhebung der Insel, die nach ihrer ausgezackten Krone Corona genannt wird. Die glühende Lava floss bis in den Atlantik. Diesem Geschehen verdankt Lanzarote die von seinem Inselkünstler Cesar Manrique gestalteten Lava-Höhlen Jameos del Aqua und Cuevas de los Verdes. Manrique hat die Krise als Chance genutzt. Vielleicht gelingt das ja noch einmal, und seine Insel wird wieder die schönste der Welt, wie er es sich zu seinen Lebzeiten in einem Manifest gewünscht hat.

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In Corona-Zeiten vorübergehend buchbar: Erstklassige Beinfreiheit in der Holzklasse.

„Hatten Sie einen schönen Urlaub?“ fragt die Stewardess des Condor-Fluges DE 1421 von Lanzarote nach Düsseldorf einen braungebrannten älteren Herren. „Urlaub?“ schnaubt der zurück „seit fünf Monaten sitze ich auf der Insel fest. Jetzt will ich endlich nach Hause.“
Das gilt auch für die Journalistin Cornelia Girndt, die mit ihrem Mann Mike seit den 90-er Jahren ein Haus in Maguez hat, im Norden, nicht weit vom Corona. Seit Januar waren die beiden auf der Insel – und kamen nicht mehr weg. Cornelia: „Es war ein komisches Gefühl. Wir sind alle in der Zeit näher zusammengerückt, und noch mehr mit Lanzarote verwachsen. Ich war zwar gefangen auf der Insel, habe mich dort aber auch sicher und beschützt gefühlt. Jetzt bin ich mal gespannt, wie sich nach so langer Zeit Düsseldorf für mich anfühlt.“

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