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Die Gaststätte "Am Kapellchen": Das Interesse am Bebauungsplan ist riesengroß.

Düsseldorf Hamm: 22 Hektar Bauland – aber es fehlt ein Verkehrsgutachten

Der Planungs- und Stadtentwicklungsausschuss des Düsseldorfer Rates hat am Mittwoch (18.1.) die Gelegenheit, einen schweren Fehler zu vermeiden. Auf der Tagesordnung steht der Startschuss zum Bebauungsplan-Umlegungsverfahren. "341, vielleicht 400 neue Wohneinheiten bedeuten 2261 zusätzliche Autofahrten durch einen Stadtteil mit engen Straßen, bereits jetzt zugeparkten Bürgersteigen, ewigem Hupen zu jeder Hauptverkehrszeit",  rechnet Daniel Leuchten aus. Er engagiert sich als Vorstandsmitglied im Förderverein Hamm, der am Montagabend (16.1.) in die Gaststätte „Am Kapellchen“ eingeladen hatte. Mehr als 200 Anwohner saßen und standen bei dieser inoffiziellen, aber eben deshalb so eindrucksvollen Versammlung.

In der Dorfschenke steht ein Stadtteil zur Diskussion, der derzeit noch als einer der urigsten in Düsseldorf gilt: Kappes-Hamm – da rattert der Bauer mit dem Trecker um die Dorfkirche, Kinder können sehen, wo der Salat, der Kohl und das Alpenveilchen herkommen. Nirgendwo in Düsseldorf gibt es einen schönen Sonnenuntergang als hier. Bisher.

Weißer Fleck auf der Karte des Planungsgebiets

Bis die Stadtverwaltung 2014 genau hier einen weißen Fleck auf ihren Planungskarten ausmachte. So groß wie 22 Fußballfelder. Und gewürzt mit allem was ein echtes Dorf ausmacht.

Rundblick durch die Kneipe „Am Kapellchen“ am Montagabend: Da tritt ein Mops auf, der am anderen Ende seiner Leine eine Blondine führt, im echten Pelz, die bereits jetzt Grundstücke verkauft. Da ist die Senior-Bäuerin auch ohne Mikro gut zu verstehen, weil sie in den zurückliegenden Jahrzehnten eins in Hamm gelernt hat: Wer von den Bauern gehört werden will, muss laut sprechen: „Ich will wenigstens etwas davon haben – die Stadt kann einen Streifen Land bekommen, wenn ich auf meinem Restgrundstück auch etwas bauen darf.“

Zu viele Interessen

„Hinter der Böck“ soll das Hamm verschwinden, das Düsseldorfer lieben. Angeblich wollen mehr als ein Dutzend Bauern und Gartenbaubetriebe über kurz oder lang schließen. Der nachfolgende Umbau geht schnell. Da brauchen bloß ein paar Bauträger ihre Furche zu ziehen. In Oberkassel und Heerdt gibt es sie schon, solche Architektenverbrechen der Marke Copy and Paste. Seelenlos und dünnwandig, langweilig, überteuert und nur für eine piekfeine Klientel gedacht.

„Eigentlich haben wir es ja selber in der Hand. Wenn wir Eigentümer uns einig wären, hätten solche Bauträger keine Chance“, sagt ein älterer Herr, der sich irgendwie seinen Idealismus bewahrt hat. Aber mit den Interessen ist es eine Krux. In Hamm gibt es zu viele davon.

Der Oberbürgermeister will 3000 neue Wohnungen pro Jahr und kann deshalb jedes Baugelände gut brauchen. Deshalb hat er seine Planungsamtsleiterin Ruth Orzessek-Kruppa in diese inoffiziell brodelnde Kneipe geschickt. Die Bauern und gewerbsmäßigen Gärtner wollen Kasse machen und fürs Alter vorsorgen. Sie wünschen sich deutlich mehr Mehrfamilienhäuser in Hamm, sagte Orzessek-Kruppa.

Unmittelbare Anwohner wünschen sich weniger Verkehr und mehr Ruhe. Und wenn die Menschen in Bilk oder Stadtmitte gefragt würden, riefen sie laut „Naherholung!“ – und wollten am liebsten alles so lassen wie es ist.

Sobald es den Planungsbeschluss gibt, startet das offizielle Bebauungsplanverfahren. Samt Bürgeranhörung.

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Kappes Hamm als Neubau-Siedlung, Grafik: Stadt Düsseldorf

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