Düsseldorf Aktuelles

D_fiftyfifty_Statuen_27082019

Im Sinne der Idee der “sozialen Plastik” von Joseph Beuys präsentieren sich fiftyfifty VerkäuferInnen vor dem Rathaus als öffentlich sichtbare, lebende Skulpturen

Düsseldorf: Lebende Skulpturen klagen den Umgang mit Obdachlosen an

Einige Passanten schauten irritiert über die Kunstinstallation, die am Dienstagmittag vor dem Düsseldorfer Rathaus aufgebaut wurde. Elf Obdachlose und fünf Hunde hatten sich auf dem Marktplatz auf Galerie-Sockel gestellt. Fotografie-Professorin Katharina Mayer hielt die Szene fest. Die Botschaft der Aktion: „Gegen Vertreibung Düsseldorf gehört allen“. Später erläuterten die Darsteller ihre Erfahrungen und erhielten Beifall.

Gegen Diskriminierung und für Toleranz - davon träumen viele Obdachlose

Von den Sockeln geklettert erzählten im anschließenden Pressegespräch viele der fiftyfifty-VerkäuferInnen, wie sie ausgegrenzt und sich oft von den Mitarbeitern des Ordnungs- und Service Dienstes schlecht behandelt fühlen. Dirk, der seit einigen Jahren auf der Straße lebt, wurde von zwei OSD'lern aus einer öffentlichen Toilette gezerrt, seine Sachen durchsucht und in den Dreck geschmissen. Kö-Peter hört von vielen Obdachlosen, wie sie von ihren Lagerstätten vertrieben werden und die OSD'ler dabei menschenverachtend vorgehen. Er hat Thomas Geisel damals bei seinem Wahlkampf unterstützt, doch auf Hilfe gegen seine Mitarbeiter wartet er vom Stadtoberhaupt bisher vergebens. Gisa, die an einem Methadonprogramm teilnimmt, berichtet von Vertreibungen, nur weil sie sich mit Gleichgesinnten an öffentlichen Plätzen trifft. Alle stellen die gleiche Frage: „Wer schützt uns vor Menschen in Uniform?“

Gericht weist OSD in die Schranken

Dass die Mitarbeiter des OSD oft über das Ziel hinausschießen haben die Streetworker von fiftyfifty anhand verschiedener Vorfälle dokumentiert. Im Februar waren sie mit vier Fällen an die Öffentlichkeit gegangen, bei denen sich zwei OSD'ler aus Sicht der Obdachlosen besonders durch Schikane hervorgetan hatten. Die Stellungsnahme der Stadt zu alle vier Fällen beschied den Mitarbeitern ordnungsgemäßes Vorgehen. Das sah das Gericht anders, denn nach abgelehnten Einsprüchen gegen die Bußgeldbescheide beschritten die Obdachlosen mit Unterstützung von fiftyfifty den Rechtsweg. Die Verfahren wegen eines beschlagnahmten Hundes, das angeblich aggressive Betteln auf dem Weihnachtsmarkt, lagern im Hofgarten und auch gegen einen Streetworker wurden von Richtern eingestellt. „Unsere Rechtsauffassung wurde in unterschiedlichen Fällen vom Amtsgericht Düsseldorf bestätigt“, sagt Julia von Lindern, Sozialarbeiterin bei fiftyfifty. „Wir fordern die Stadt nun auf, die Straßenordnung endlich anzupassen und den § 6 der Düsseldorfer Straßenordnung ersatzlos zu streichen.“

D_fiftyfifty_Rede_27082019

Hubert Ostendorf erklärt die Aktion auf dem Rathausplatz

Ist Straßenordnung zeitgemäß?

Die Forderung der Obdachlosen und der Streetworker ist die Überarbeitung der Straßenordnung der Stadt Düsseldorf, die Grundlage für das Handeln des OSD ist. Aus Sicht von fiftyfiftyzielt die Straßenordnung darauf ab, gesellschaftlich angeblich unerwünschte Personen durch Bußgelder von öffentlichen Plätzen fernzuhalten und die zunehmende Armut weniger sichtbar zu machen.

“Die Kunstaktion ist ein Protest gegen Willkür und Vertreibung. Es ist beschämend für die Kunststadt Düsseldorf, dass obdachlose Menschen, wenn sie Teil einer Kunstaktion mit einem berühmten Künstler wie etwa Thomas Struth sind, höchste Anerkennung erfahren, ansonsten aber Vertreibung, Missachtung, Diskriminierung und sogar Kriminalisierung”, so fiftyfifty-Geschäftsführer Hubert Ostendorf, der die Idee zur Aktion auf dem Rathausplatz hatte.

Zurück zur Rubrik Aktuelles

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Aktuelles

D_RassismusDemo_LandtagKnien_20200606

Mehr als 35. 000 Menschen aus ganz Nordrhein-Westfalen haben am Samstag (6.6.) in Düsseldorf gegen Rassismus protestiert. Die Zahl hat report-D mit einem Zählgerät am Rand der Demo ermittelt. Die Düsseldorfer Polizei schätzt, dass rund 20.000 Menschen kamen. Auch das waren wesentlich mehr TeilnehmerInnen als angemeldet. Unter Hinweis auf die mutmaßliche Ermordung von George Floyd am 25. Mai 2020 durch Polizisten in Minneapolis (Minnesota) riefen sie: „No Justice – no Peace“ und „Black Lives matter“.

D_Covid19_Test_01062020

Die Stadt Düsseldorf meldet täglich die neuen Zahlen über Menschen, die sich mit Covid-19 (abgekürzt aus dem Englischen: Corona Virus Disease 2019) infiziert haben, im Krankenhaus behandelt werden müssen und auch die Todesfälle.

D_Bäder_Ente_05062020

Nach den Freibädern in Lörick und dem Rheinbad können sich die Schwimmgäste am Samstag (6.6.) zum ersten Mal in die Fluten des neugebauten Freibades in Flingern stürzen. Am Montag (8.6.) folgt dann die Öffnung des ersten Hallenbades: das Familienbad Niederheid. Durch die Corona-Auflagen ist für alle Bäder vorab die kostenfreie Reservierung eines Zeitfensters erforderlich.

report-D: Social Media / RSS

Bildergalerien von report-D