Düsseldorf Aktuelles

D_Obdach_Treppe_26092019

Einige der Steine von der Rheinkniebrücke hatten die Obdachlosen vor das Rathaus getragen - was seitens der Stadt gleich die Polizei rufen ließ

Düsseldorf: Obdachlose fühlen sich wie Menschen zweiter Klasse

„Bitte lassen sie die Finger von den Obdachlosen“ appellierte Kö-Peter am Donnerstagmittag (26.9.) vor den Rathaus und sprach damit Ordnungsdezernent Christian Zaum, Stadtdirektor Burkhard Hintzsche und Miriam Koch, Leiterin des Amts für Migration und Integration, direkt an. Denn die Stadt hat sich vorgenommen vier zentrale Plätze in Düsseldorf (Hofgarten, Ratinger Tor, Rheinkniebrücke und Hafen) von den Lagerplätzen der Obdachlosen zu befreien. Dies führte zu Räumungen und zur Verteilung von Steinen unter der Rheinkniebrücke, um dort das Lagern zu unterbinden. Die Obdachlosen fühlen sich vertrieben und das Angebot der Stadt einer neuen Notschlafstelle in Düsseldorf Heerdt kam offenbar nicht bei ihnen an. Sie ist seit Anfang September in Betrieb, aber übernachtet hat dort bisher niemand.

D_Obdach_26092019

Im Regen vor dem Rathaus - die Steine auf den Stufen - Verständnis von der Stadt gab es nicht

Heftige Kritik hat es gegen die Stadt Düsseldorf gegeben, nachdem der Lagerplatz der Obdachlosen unter den Rampen zur Rheinkniebrücke geräumt worden war und große Steine dort jetzt verhindern sollen, dass erneut dort übernachtet wird. Der Platz sei vermüllt gewesen und Ratten seien umhergelaufen führte die Stadt als Grund für die Vertreibung der Obdachlosen an. Außerdem hätten sich Nachbarn beschwert.

D_Obdach_Apollo2_25092019

Mittlerweile sind die Steine weg und die Stadt arbeitet an einer anderen Lösung das Lagern dort unmöglich zu machen

Ob es Nachbarn waren oder Menschen, die die Aktion der Stadt nicht gut fanden ist nicht bekannt, aber am Mittwochabend waren die Steine so zur Seite geschoben worden, dass der Platz unter der Brücke wieder frei war. Allerdings war sofort der Ordnungs- und Servicedienst der Stadt zur Stelle, so dass niemand auf die Idee kam, sein Lager aufzuschlagen. Für die Obdachlosen und die Streetworker von fiftyfifty brachten die Steine das Fass zum Überlaufen und sie organisierten eine Protestaktion am Donnerstag, bei der einige der Steine auf die Rathaustreppen gelegt wurden. Ihr Vorwurf: Die Stadt vertreibt die Obdachlosen, bietet aber keine Alternativen. Wohnraum sei für die Menschen von der Straße im ohnehin schwierigen Düsseldorfer Wohnungsmarkt nicht zu bekommen, erzählen viele Betroffenen. Sie würden sich wünschen von der Stadt Unterstützung zu bekommen.

D_Obdach_3_26092019

Miriam Koch, Christian Zaum und Burkhard Hintzsche beim Pressetermin in der Notschlafstelle Aldekerkstraße

Prinzipiell stimmt Miram Koch den Obdachlosen zu. Wenn sie könnte, würde sie gerne allen Wohnraum geben, doch Wohnungen stehen nicht zur Verfügung. Es soll aber in Düsseldorf niemand unter einer Brücke schlafen müssen, deshalb hat die Stadt in einer alten Schule an der Aldekerkstraße in Düsseldorf Heerdt 30 neue Schlafplätze geschaffen. Das niederschwellige Angebot können auch Menschen mit Hunden oder Paare annehmen.

D_Obdach_Aldekerk_25092019

Ab Montag kann an der Aldekerkstraße 21-23 von 18 bis 8 Uhr übernachtet werden.

Die Unterkunft liege zwar etwas außerhalb, aber es gebe sogar die Möglichkeit Rheinbahnfahrkarten für die Fahrt dorthin zu erhalten. Eigentlich sollten die vier von der Stadt über die Organisationen Franzfreunde, Caritas Diakonie und Axept beauftragten Streetworker und der OSD den Obdachlosen die neuen Schlafstelle in Heerdt vermitteln. Es wäre sogar ein Transport ermöglicht worden, um Hab und Gut dorthin zu bringen. Doch die Kommunikation funktionierte scheinbar nicht. Bisher hat dort noch niemand übernachtet. Ab Montag will die Stadt nun einen zweiten Anlauf nehmen und hofft, dass die Obdachlosen diesem Standort eine Chance geben. Bei einem Pressetermin am Donnerstag wurde die Unterkunft vorgestellt. Neben Mehrbettzimmern gibt es auch Zweier- und Einzelzimmer.

D_Obdach_Zimmer1_26092019

Eines der Mehrbettzimmer

Kommentar: Mehr Kommunikation

Vier Streetworker von vier Organisationen sollen die städtischen Angebote vermitteln und den Obdachlosen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Daneben gibt es die Angebote vom fiftyfifty-Team, die intensiven Betreuungsarbeit bei den Obdachlosen leisten, da viele als Verkäufer der Straßenzeitung von fiftyfifty aktiv sind. Warum es nicht möglich war, die Kommunikation zwischen Stadt und allen Streetworkern im Sinne der Obdachlosen zu gestalten, verwundert. Vielleicht wäre dann die Missstimmungen zur Räumung des Ratinger Tors und der Rheinkniebrücke erst gar nicht aufgekommen. So forderte nun fiftyfifty vor dem Rathaus, Miriam Koch sei überfordert und solle ihr Amt niederlegen. Ob sich dadurch die Kommunikation verbessert ist fraglich. Gemeinsame Anstrengungen Wohnraum für die Obdachlosen zu schaffen – das wäre sinnvoller.

Zurück zur Rubrik Aktuelles

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Aktuelles

D_Covid19_01072020

Die Stadt Düsseldorf meldet täglich die neuen Zahlen über Menschen, die sich mit Covid-19 (abgekürzt aus dem Englischen: Corona Virus Disease 2019) infiziert haben, im Krankenhaus behandelt werden müssen und auch die Todesfälle.

D_LSBTI_05072020

Die Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Intersexuelle und Queers-Community (LSBTIQ+) in Düsseldorf möchte mit einer Kampagne über aktuelle Themen und das neue Denkmal informieren, das bald in Düsseldorf errichtet wird.

D_Mot_Abfahrt_05072020

Der Parkplatz 2 der Messe Düsseldorf bot am Samstag (4.7.) ein eindrucksvolles Bild. Mehrere Tausend Biker*innen hatten sich versammelt, um damit auch in Düsseldorf gegen die drohenden Fahrverbote für Motorräder an Sonn- und Feiertagen zu protestieren. Parallel trafen sich Biker*innen in Berlin, München, Stuttgart, Dresden, Wiesbaden, Schwerin und Friedrichshafen. Ihre Wut richtet sich gegen eines Entwurf des Bundesrats, der die Lautstärke von Motorrädern begrenzen, unerlaubtes Tuning stärker bestrafen und beschränkte Motorrad-Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen ermöglichen soll.

report-D: Social Media / RSS

Bildergalerien von report-D