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Gruppenbild in froher Erwartung: Sie alle kämpfen für ein Denkmal der verfolgten Lesben, Schwulen und Trans*

Düsseldorf nähert sich einem Denkmal für verfolgte Lesben, Schwule und Trans*

Gabriele Bischoff hat einen so langen Atem, dass Marathon-Läufer neidisch werden könnten. Seit 25 Jahren umtreibt die Frau vom „Forum Düsseldorfer Lesben-, Schwulen- und Trans-Gruppen“ ein Plan: Düsseldorf braucht ein Denkmal zur Ausgrenzung und Verfolgung von Lesben, Schwulen und Trans*. Seit Samstag (10.3.) sieht es so aus, als würde es was. Denn mittlerweile hat gibt es mehr als drei Dutzend Mitstreiter und einen breiten Unterstützerkreis in der Düsseldorfer Stadtgesellschaft.

Wichtiger Werkstatttag

Werkstatttag in der Mahn- und Gedenkstätte der Landeshauptstadt: Den ganzen Samstag über diskutierten die TeilnehmerInnen mit heißem Herzen und kühlem Verstand. Die Zeit ist mehr als reif für einen Ort des Gedenkens. Das Wunsch-Areal dafür: Im Zentrum der Stadt – zwischen nördlicher und südlicher Düssel, dem historischen Hafenbecken, auf dessen Landzunge mit „Der alte Vater Rhein“ früher ein Schwulentreff lag.
Den genauen Ort soll die Politik bestimmen, die genaue Form die Kunstkommission, die Finanzierung der Stadtrat. Christian Naumann und Gabriele Bischoff umschreiben momentan den Rahmen für das Denkmal: Es soll zum Verweilen einladen. Es soll nicht bloß eine Plakette oder Tafel sein, vor der Mann und Frau stehen, sondern etwas Begehbares…

Vernichtung von Liebenden

In Zeiten des Nationalsozialismus war Düsseldorf für die Gestapo ein wichtiger Stützpunkt im Vernichtungsfeldzug gegen Menschen, die andere Menschen des gleichen Geschlechts lieben. 1933 wurden mit Erlass des Düsseldorfer Polizeipräsidenten viele der „vorhandenen verdächtigen Gaststätten“ geschlossen. Zeitgleich wurde die homosexuelle Presse in Düsseldorf verboten. Allein bis zum August 1938 verhafteten die Nazischergen in Düsseldorf 400 Männer – mehr als in irgendeiner anderen Stadt im Westen.

Entmannung statt Strafe

Bereits im Deutschen Kaiserreich waren sexuelle Handlungen unter Männern nach Paragraph 175 des Strafgesetzbuches verboten. Während des Nationalsozialismus wurden Homosexuelle zu "Volksschädlingen" erklärt und verfolgt. Ab 1935 konnten Männer einer Bestrafung entgehen, wenn sie sich im Gefängniskrankenhaus von Düsseldorf Derendorf entmannen ließen. Mehr als 15.000 homosexuelle Männer kamen in die Konzentrationslager. Viele tausende überlebten das nicht.

Verfolgung ohne Ende

„Ohne diese Taten relativieren zu wollen: Mit dem Kriegsende endete nicht die Verfolgung von Schwulen und Lesben“, erinnerte Christian Naumann. Der Paragraph 175 blieb bestehen. Bei der Polizei und in der Justiz arbeiteten dieselben Verfolger wie zuvor – einfach weiter. Auch al 1969 der Paragraph 175 entschärft wurde, ging die Diskriminierung weiter. Erst Mitte der 1980er Jahre erwähnte der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker das Leiden der Lesben und Schwulen in eine seiner Reden.

Breite Unterstützung

Unter dem Düsseldorfer CDU-Oberbürgermeister Joachim Erwin kamen die Pläne für ein Denkmal zum Stillstand. Den Homosexuellen wurde ein Ausflug nach Köln empfohlen. Jetzt aber unterstützen DGB und Stadtjugendring, Diakonie und Awo. Die Düsseldorfer Jonges schickten ihren Baas Wolfgang Rolshoven am Samstag mit einer Spende. Die Ampel-Kooperation im Rathaus hat den Gedenkort in ihrer Vereinbarung niedergeschrieben.

Namhafte Referenten

So fühlt es sich derzeit so an, als sei man dem Denkmal so nah wie selten zuvor. Die nächsten Termine sind gemacht. Der Werkstatttag, bei dem Landtagsvizepräsident Oliver Keymis, die Landtagsabgeordnete Josefine Paul sowie Ansgar Drücker, Geschäftsführer des Informations- und Dokumentationszentrums für Antirassismusarbeit e. V. (IDA) als Moderatoren und Workshop-Leiter kamen, fixierte noch mal alle Wünsche. Referenten wie der Historiker Marcus Velke (Uni Köln), Jörg-Thomas Alvermann (Kunstkommission Düsseldorf) sowie Astrid Hirsch (Mahn- und Gedenkstätte) arbeiteten die Hintergründe auf.

Nächste Schritte

Am Ende des Tages stellten sich die Teilnehmer für das obige Foto auf. Und hätten am liebsten auch gleich das Denkmal errichtet. Doch allen ist klar: Der Schwung aus dem Workshop-Tag und die breite Zustimmung müssen nun in bewussten Schritten zu einem deutlich sichtbaren, begehbaren, würdigen Ort werden. Immer verbunden mit der Aufforderung: Denk Mal!

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