Düsseldorf Aktuelles

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(v.l.) Julia von Lindern (fiftyfifty), Christine Brinkmann (zakk), Ehrenamtlerin Caro Baum und Prof. Dr. Anne van Rießen (HSD) stellten im zakk die Ergebnisse der Untersuchung vor

Lebensmittelausgabe im zakk zeigt verfestigte Armut in Düsseldorf auf

Der Corona-Lockdown im März traf alle unvorbereitet. Da viele Hilfsangebote und die Tafeln ihre Arbeit einstellen mussten, war die Situation für Bedürftige besonders extrem. Für die Obdachlosen schaffte die Stadt eine Lösung mit Versorgungsmöglichkeiten. Aber einkommensschwache Menschen und Familien standen in den Supermärkten vor leeren Regalen, die Ausgaben der Tafeln waren geschlossen und zu Hause mussten jetzt auch noch Kinder mit Essen versorgt werden, die sonst in Schulen oder Kitas verköstigt wurden. Diese Notsituation erkannten die Mitarbeiter vom zakk und von fiftyfifty und organisierten eine unbürokratische Lebensmittelausgabe. Die Hochschule Düsseldorf begleitete das Projekt wissenschaftlich und nun gibt es erste Auswertungen.

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Seit Anfang April gab es die Ausgabestelle im Biergarten den zakk, Ehrenamtler und Spender halfen bei der Beschaffung der Lebensmittel

Projekt im zakk

Von April bis Juli 2020 gab es im zakk Biergarten Lebensmittel, Hygieneartikel und Tierfutter für bedürftige Menschen. Die Ausgabe startete an vier Tagen in der Woche um 13 Uhr. Bereits am Morgen bildeten sich täglich lange Schlangen von Menschen, die das kostenfreie Angebot nutzen wollten. Im Schnitt 180 Menschen versorgte die Ausgabestelle und niemand wurde nach seinem Düsselpass oder einer Einkommensbescheinigung gefragt. Das ehrenamtliche Team hatte sich zum Ziel gesetzt unbürokratisch zu helfen und damit auch für die Menschen offen zu sein, die durch Corona plötzlich in Not gekommen waren.

Wissenschaftliche Begleitung

Das Projekt wurde vom Institut für lebenswerte- und umweltgerechte Stadtentwicklung der Hochschule Düsseldorf wissenschaftlich begleitet. Dafür wurden 221 Besucher*innen der Lebensmittelausgabe befragt und neben soziodemografische Daten wie Alter, Geschlecht, Wohnort, Familiensituation auch nach konkreten Lebensumständen vor und während der Pandemie notiert. Die Fragestellung: „Wie hat Covid 19 das Leben in Bezug auf die wirtschaftliche Situation verändert?“. Bei der Befragung wurde auch thematisiert, welche Angebote oder Unterstützungsleistungen bislang genutzt wurden und welche durch die Pandemie weggefallen sind.

Auswertung

Für Prof. Dr. Anne van Rießen von der Hochschule Düsseldorf gab das Ergebnis eindeutige Hinweise darauf, dass es in Düsseldorf einen großen Personenkreis gibt, bei dem sich die Armut verfestigt hat. Fast 90 Prozent der Besucher lebte bereits vor Corona von staatlichen Zuschüssen wie Arbeitslosengeld oder Grundsicherung. Etwa die Hälfte ging vor Corona schon regelmäßig zu Lebensmittelausgaben, wie der Tafel.

Mehr als ein Drittel der Menschen lebt allein, fast 43 Prozent lebt in einem Haushalt mit Kindern. Die Familien standen vor der Situation, dass ohne Schul- oder Kita-Mahlzeiten nun mehr Versorgung zu Hause stattfinden musste. Das brachte viele in Bedrängnis, weshalb sie zum Teil auch mit Kindern über Stunden auf die Ausgabe der Lebensmittel vor dem zakk warteten.

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Fast 200 Menschen täglich holten sich Lebensmittel bei der Ausgabe

Ehrenamtlerin Caro Baum, die bei Ausgabe und Befragung der Menschen half, schilderte, dass viele Menschen die individuelle Ausgabe im zakk sehr schätzten. Man durfte sich wie im Geschäft Dinge aussuchen und bekam nicht Produkte zugewiesen, die man vielleicht nicht mochte. Damit versuchte das Team auch den Empfängern die Hemmschwelle zu nehmen, als Almosennehmer da zu stehen.

Ermöglicht wurde die Ausgabe durch Gelder von der Aktion Mensch und zahlreiche Sach- und Geldspenden. Dass es die Ausgabe am zakk gibt, wurde über Mund-zu-Mund-Propaganda verbreitet. Das Projekt war auf Vertrauen organisiert und das würdigten die Besucher. Neben den Lebensmitteln war vielen Besuchern der soziale Kontakt wichtig. Sie erzählten ihre Schicksale, die gerade bei Alleinstehenden auch auf Vereinsamung hinwiesen.

Fazit

Als Fazit fasst Prof. Dr. Anne van Rießen zusammen, dass die Lebensmittelausgabe zwar individuelle Notlagen unterstützt, aber keine strukturelle Ursachen von Armut verändern kann. Gesellschaftliche Veränderung sei nur durch eine andere Zusammensetzung des Regelsatzes, der besseren Bezahlung von prekären Arbeitsverhältnissen und der Betreuung der individuellen Probleme der Bedürftigen zu erreichen. Damit werde deutlich, dass Lebensmittelausgaben wie die Tafeln die Not letztlich nicht beseitigen können.

Am 27. Oktober, um 19 Uhr, wird es in der Halle des zakk (Fichtenstraße) eine öffentliche Präsentation der Forschungsergebnisse geben.

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