Kultur

D_Hito_SocialSim_24092020

Aufgepasst! Wer diese Ausstellung voll erfassen möchte, braucht Zeit, Nerven und eine akademische Entschlossenheit. Denn es dauert ungefähr acht Stunden, hat eine Journalistenkollegin ausgerechnet, um alle 17 Video-Installationen der Deutschjapanerin Hito Steyerl (54) im Souterrain des K21 gebührend zu würdigen. Die in München geborene und in Berlin lehrende Professorin für Experimentalfilm arbeitet, so Institutsleiterin Susanne Gaensheimer, „einfach konsequent und kompromisslos“. Immerhin hat der von einem alten Disco-Hit ausgeliehene Titel der Schau etwas Tröstliches: „I will survive“ – ich werd’s überleben.

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Der Name ist ja nicht gerade cool: NRW-Forum, das klingt so nach Weiterbildung im vorigen Jahrhundert. Aber, sagt Marketing-Experte Christian Hupertz, es ist auch eine eingeführte Marke. Das NRW-Forum im Ehrenhof soll deshalb auch nach dem Zusammenschluss mit dem Museum Kunstpalast seine artige Bezeichnung behalten. Aber es darf ansonsten sehr frech werden, wie, so Hupertz, „eine junge wilde Schwester vom Kunstpalast“. Als äußeres Zeichen wird erst einmal die Corporate Identity des Mutterhauses „gehackt“ – im Rahmen einer witzigen Kampagne.

D_DF_Brandt_21092020

Es ist schon bewundernswert, mit welch tapferer Fröhlichkeit das Intendanten-Duo Christian Oxenfort und Andreas Dahmen das Düsseldorf Festival vorantreibt. Dabei darf es in diesem verflixten Corona-Jahr kein Theaterzelt am Rhein geben, nur ein Mini-Ding für einzelne Zuschauer steht da und erinnert an bessere Zeiten. Alle wichtigen Vorstellungen finden in der hygienisch aufgerüsteten Mitsubishi Electric Halle statt. Im Schachbrettmuster hocken die durchgängig maskierten Besucher und müssen kein Superspreading befürchten. Aber selbst die musikalisch inszenierten Lesungen des umschwärmten Schauspielers und Autors Matthias Brandt waren nicht ausverkauft.

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Es ist ja nicht alles schlecht an den Corona-Bedingungen. Dass man im Schauspielhaus nicht mehr so dicht beieinander hockt, immer einen freien Platz neben sich hat und die Handtasche abstellen kann, hat durchaus etwas Angenehmes. Viele freuen sich gewiss auch, derzeit keine vierstündigen Inszenierungen durchhalten zu müssen. Da Pausen verboten sind, wird alles knackig kurz gehalten. Als Kilian Land allerdings schon nach einer furiosen Dreiviertelstunde mit Kafkas „Bericht für eine Akademie“ fertig war, fühlte sich das verdutzte Premierenpublikum dann doch etwas unterversorgt. Wenigstens ein Stündchen hatte man erwartet.

D_Mueller_2Collagen_18092020

Als die Schriftstellerin Herta Müller Ende der 1980er-Jahre dem rumänischen Regime entronnen war, reiste sie viel durch die freie Welt. Und weil ihr spießige Postkarten nicht gefielen, fing sie an, mit der Nagelschere Wörter aus Zeitungen auszuschneiden und auf weiße Karten zu kleben. Ein bisschen wie altmodische Erpresserbriefe – nur erfüllt von Lust, Poesie und Zwanglosigkeit. Herta Müller entwickelte solch eine Begeisterung für diese Kleinkunst, dass ihre Lyrik inzwischen aus dem Geist der Papierschnipsel entsteht. Im Heine-Institut sieht man jetzt 120 Originalcollagen: „Der Himmel fällt vom Pferd herab“.

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Man muss die Kultur schon sehr lieben, um ihr zu folgen in den Zeiten von Corona und Hygieneregeln. Seltsamerweise sind es vorwiegend ältere Menschen, die dem Düsseldorf Festival auch in der Ungemütlichkeit der Mitsubishi-Halle treu bleiben, ohne Murren diverse Anwesenheitsformulare ausfüllen, die Hände immer wieder desinfizieren, Ermahnungen ertragen und auch während der Vorstellung die Maske aufbehalten. Oben auf der Bühne ging es zum Glück nicht so steril zu: Die Flamenco-Jazz-Truppe „Los Aurora“ feiert die Leidenschaft mit Musik, Tanz, Poesie.

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Vergesst Ibsen! Von seinem letzten Drama „Ein Volksfeind“, mit dem der alte norwegische Gesellschaftskritiker vor 140 Jahren gegen die Verlogenheit der bürgerlichen Gesellschaft zu Felde zog, ist im „Volksfeind for Future“ nur so viel übrig, dass Gymnasiasten die Strukturen vergleichen könnten. Während bei Ibsen ein aufrechter Badearzt das verdorbene Wasser in einem Kurort anprangert und dafür gehasst wird, geht es in der Neufassung von Lothar Kittstein um eine kindliche Kämpferin, die den Bau eines E-Auto-Werks verhindern und die Welt radikal verändern will. Der Realitäts-Spürhund Volker Lösch hat die Sache mit jungen Düsseldorfer Umweltaktivist(inn)en ins Szene gesetzt, und das Publikum muss jetzt ganz tapfer sein.

D_Gott_Schriften_11092020

Die Rechtsfrage ist geklärt: Gemäß einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Februar 2020 dürfen Ärzte auch in Deutschland ungestraft Beihilfe zum Suizid leisten. Theoretisch. Praktisch gibt es immer noch erhebliche moralische Bedenken. Die werden in „Gott“, dem neuen Debattier-Drama des Juristen und Erfolgsautors Ferdinand von Schirach, ausführlich verhandelt. Wie in seinem ersten Stück „Terror“ soll das Publikum am Ende abstimmen. Das sorgt für einen kleinen Spannungskick in der weitgehend stocksteifen Uraufführung am Düsseldorfer Schauspielhaus.

D_Kunstpunkte_Arbeitsplatz_11092020

Trotz Corona sind es in diesem Jahr bei den Kunstpunkten 197 Anlaufstellen, an denen an den Wochenenden 12./13. und 19./20. September kreatives Schaffen erlebt werden kann. Zahlreiche Düsseldorfer Künstlerateliers öffnen für interessierte Besucher*innen ihre Türen.

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Er war ein braver Student, versichert Thomas Ruff (62). In der Akademie-Klasse des legendären Professoren-Paars Bernd und Hilla Becher folgte er vor über 40 Jahren dem, was er „das Dogma“ nennt, und produzierte dokumentarische Schwarz-Weiß-Fotografie nach dem Geschmack der Meister. Innenräume waren sein Thema. Doch dann knipste er nebenbei für 50 Mark Honorar die Objekte von Bildhauerkollegen, wunschgemäß in Farbe. Das gefiel ihm. Er traute sich, auch für die Interieurs einen Colorfilm zu nutzen. Bernd Becher gab ihm den Segen, und Ruff entwickelte seine eigenen, eigenwilligen Konzepte, die jetzt im K20 präsentiert werden.

D_BK_Künstlerin_09092020

Jovita Majewski lebt nicht im Wolkenkuckucksheim der Kunst. Die 33-jährige Meisterschülerin von Weltstar Katharina Fritsch bezieht sich immer wieder auf die Realitäten dieses Planeten, sie übernimmt wie selbstverständlich auch Verantwortung für Umweltfragen. Vor einem Jahr schuf sie mit Schülern fantastische Skulpturen aus Müll, der am Rheinufer gefunden wurde. Im KIT war das verblüffende Ergebnis zu sehen. Jetzt kuratierte die Malerin anlässlich des RhineCleanUp eine Ausstellung mit fünf Kollegen. Die „Zyklen“ sind in der Oberkasseler Galerie OK25 zu sehen – ganz nah am Ufer des Stroms.

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Jovita Majewski lebt nicht im Wolkenkuckucksheim der Kunst. Die 33-jährige Meisterschülerin von Weltstar Katharina Fritsch bezieht sich immer wieder auf die Realitäten dieses Planeten, sie übernimmt wie selbstverständlich auch Verantwortung für Umweltfragen. Vor einem Jahr schuf sie mit Schülern fantastische Skulpturen aus Müll, der am Rheinufer gefunden wurde. Im KIT war das verblüffende Ergebnis zu sehen. Jetzt kuratierte die Malerin anlässlich des RhineCleanUp eine Ausstellung mit fünf Kollegen. Die „Zyklen“ sind in der Oberkasseler Galerie OK25 zu sehen – ganz nah am Ufer des Stroms.

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So ist das in dieser Zeit. Manchmal fühlt man sich selbst als Teil einer rätselhaften Performance – zum Beispiel, wenn man auch in einem luftig-leeren Ausstellungssaal die Maske tragen muss. Anders als in den Amüsier-Gassen der Altstadt kann ja in der Kunsthalle am Grabbeplatz von Gedränge keine Rede sein. Nur vereinzelte Freunde junger Kunst interessieren sich für die Werke von Akademie-Absolventen, denen die mit Versicherungen handelnde Firma BEST in den letzten zehn Jahren ein Stipendium gegeben hat: „Surprize“ ist der Titel, so wie Überraschung (englisch: surprise) und Preis (prize).

D_Heine_Titel_06092020

Schon fünf nach acht. Man könnte jetzt auf dem Sofa liegen und Schnittchen essen. Wir zeigen Einsatz, stehen maskiert im kleinen Foyer des Schauspielhauses und warten auf den Beginn eines „theatralen Rundgangs“ mit Texten des Düsseldorfer Freiheitsdichters Heinrich Heine (1797-1856): „Lieber ein lebendiger Hund als ein toter Löwe!“ Neben geistiger Bereitschaft ist auch eine gewisse körperliche Fitness erforderlich. Denn es geht über steile Treppen und enge Gänge hinauf und hinab durch das labyrinthische Innere hinter der endlich fertigen Fassade des Pfau-Baus. Lohnt sich das? Und ob! Jan Philipp Gloger hat ein Abenteuer voller Überraschungen inszeniert, mit Poesie, Scharfsinn, Sang und Klang und Inspiration.

D_Schauspielhaus_15_04092020

So richtig verlockend klingt das ja nicht: „Hyperreal – Eine dystopische Science-Fiction-Komödie“. Pardon? Nur Old-School-Bildungsbürger oder Google wissen, dass Hyperrealität ein Begriff des 2007 verstorbenen französischen Philosophen Jean Baudrillard für eine Welt der beziehungslosen Zeichen ist, und dass die Dystopie im Gegensatz zur Utopie eine verdammt miese Vorstellung von der Zukunft beschwört. Aber keine Bange: Trotz einiger intellektueller Verrenkungen tanzt, singt und lacht das Stück der Regisseurin und Choreografin Constanza Macras, dass es eine Lust ist, und reflektiert dabei unser aller Gegenwart.

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