Kultur

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Noch fünf Minuten – der Countdown auf der Website läuft. Schnell was zu trinken holen, gemütlich machen. Theater im Netz, das hat auch Vorteile. Keine Anfahrt, keine Maske, Logenplatz auf dem Sofa. Aber: Das Gefühl stimmt nicht, man bleibt seltsam abgetrennt. Am Abend der eigentlich geplanten Premiere hat das Junge Schauspiel das neue Anne-Frank-Drama „Liebe Kitty“ für die ganze Familie als digitale Voraufführung gestreamt. Das Ensemble spielt unter der Regie von Jan Gehler tapfer ins Leere, ohne den Atem des Publikums, ohne Reaktionen und Applaus. Eine Notlösung, die allen Respekt verdient.

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Am 14. April 2011 landete Karl Lagerfeld mit einem Privatjet in Düsseldorf. Der weltberühmte Modemacher, der nicht nur für berühmte Mode-Labels wie Chanel und Fendi arbeitete – und dabei immer auch sich selbst als eigene Marke kreierte, war von Henkel für die angestaubte Marke Schwarzkopf engagiert worden - pünktlich zum Eurovision Song Contest, der in Düsseldorf ausgetragen wurde, weil Lena Meyer-Landrut im Jahr davor gewonnen hatte. Schwarzkopf sollte in diesem Zusammenhang selbst wieder zum Hit werden. Auch Lena war wieder dabei; diesmal reichte es allerdings nur für Platz 10.

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Die grünen Papageien auf der Kö, Campino am Paradiesstrand und das Corona-Virus als Tilly-Mottowagen im Karneval – das neue Düsseldorf Wimmelbuch zeigt detailreich viele Seiten der Landeshauptstadt. Für große und kleine Leser ist eine spannende Entdeckungstour durch die Stadt garantiert.

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Es ist kein Märchen mit Moral und Happy End. Eher so etwas wie ein quälender Traum. Die Ereignisse ergeben keinen Sinn, die Figuren nerven. Trotzdem oder gerade deshalb gehört „Alice im Wunderland“ seit der Veröffentlichung 1865 zu den Evergreens der Jugendliteratur. Bis heute wird die Geschichte wieder und wieder vorgelesen, dramatisiert, gemalt, verfilmt. Mal süß wie bei Disney, mal spooky wie bei Tim Burton. Das Düsseldorfer Schauspielhaus macht daraus ein beglückendes kleines Musical fürs Herz mit Songs von Matts Johan Leenders, inszeniert vom großen Spielkind André Kaczmarczyk.

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Die Kunst mag ja munter aus dem Augenblick entstehen, ein Museumsbetrieb hat nichts Spontanes. Ausstellungen werden Jahre im Voraus geplant. Auch das Konzept der neuen Schau „Empört Euch! Kunst in Zeiten des Zorns“ entstand, als die Welt noch nichts wusste vom Kampf gegen ein Virus. Es geht um Themen wie Frauenrechte, Alltagsrassismus, Fremdenfeindlichkeit. „Eine herausfordernde Ausstellung in einer politisch verdichteten Zeit“, sagt Ehrenhof-Direktor Felix Krämer. Leider wird man sie nur noch bis zum Wochenende sehen können. Dann ist mal wieder Lock-Down.

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Es fließen die Desinfektionsmittel, Paketband blockiert die Nachbarsitze, alles fühlt sich noch anstrengender an. Auch während der Vorstellung muss der ermahnte Mensch neuerdings die Mund-Nasen-Bedeckung aufbehalten und flach atmen. Nur echte Liebhaber verlassen fürs Theater ihre heimische Komfortzone – und freuen sich umso mehr, wenn sie belohnt werden wie jetzt auf der kleinen Bühne des Düsseldorfer Schauspielhauses. Der fabelhafte Jonas Friedrich Leonhardi macht aus Georg Büchners Erzählung „Lenz“ im Alleingang ein reiches, tiefgründiges, spannendes Drama – with a little help von seinem Regie-Freund Fabian Rosonsky.

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Der Zeitgeist kann gemein sein. Ständig ändert sich sein Geschmack, und was vordem als wertvoll galt, wird verachtet. Auch Caspar David Friedrich (1774-1840), Sohn eines frommen Seifensieders aus Greifswald und der Inbegriff der deutschen Romantik, musste nach anfänglichen Erfolgen erleben, dass er vom Kunst-Blatt kritisiert wurde, weil er immer tiefer „in den dicken Nebel der Mystik“ geriet. Viel beliebter als seine melancholischen Kleinformate waren die spektakulären Landschaften und Seestücke der Düsseldorfer Malerschule. Beides kann man jetzt im Kunstpalast auf sich wirken lassen. Eine wunderbare Ausstellung, die der bedrückten Seele in diesem Corona-Winter nur Gutes tut!

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„Mit 5000 Euro kann niemand die Welt retten“, sagt Werner Sesterhenn. Da ist der Chef der Düsseldorfer Volksbühne Realist. Doch wer sieht und hört, wie sich neun Düsseldorfer und Neusser Bühnen und Gruppen über die Spende von jeweils 5000 Euro freuen, der erlebt, wie bedrohlich Corona die Düsseldorfer Kultur auf Kipp stellt. Die Botschaft im Theater an der Kö ist glasklar: Wenn nicht alle aufpassen, geht da etwas unwiederbringlich verloren. Deshalb – haben die Mitglieder der Düsseldorfer Volksbühne und die Institution selbst 50.000 Euro gesammelt. Und 45.000 Euro davon bereits angewiesen – an das Asphalt Festival, Das Düsseldorfer Marionetten-Theater, das Kom(m)ödchen, das Puppentheater Helmholtzstraße, das Theater am Schlachthof Neuss, das zakk, das KaBARett Flin, das Forum Freies Theater und den Förderverein Junges Schauspielhaus.

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Dieser Künstler ist anders. Ihn interessiert nicht, was die Kuratoren der Biennalen für avanciert halten oder was der Zeitgeist gerade am höchsten handelt. Der Düsseldorfer Bildhauer Bert Gerresheim folgte nur den eigenen Visionen. Sein Brot verdiente er lange als Lehrer am Lessing-Gymnasium, das machte ihn unabhängig. Als die Kollegen die Kunst von der erkennbaren Form befreiten, zeichnete und modellierte er seine Figuren umso wahrhaftiger. Liebe und Verdammnis sind seine Themen. Nur Gott und der Menschlichkeit fühlt er sich verpflichtet. Das Stadtmuseum würdigt den Meister jetzt zum 85. Geburtstag.

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Mit dem Theater in Corona-Zeiten ist es nicht anders als im Leben selbst: Man muss immerzu den Abstand wahren und versucht verzweifelt, sich dennoch bemerkbar zu machen. Auch die Düsseldorfer „Mutter Courage“ zappelt und schreit in ihrer Isolation. Kaum auszuhalten. Sebastian Baumgarten (51), ursprünglich Opernregisseur aus Berlin, hat Brechts Lehrstück vom Seelenfresser Krieg als quälendes Kreiselspiel inszeniert. Die Bühne im Großen Haus dreht sich ununterbrochen wie eine gigantische Spieluhr, auf der Menschen unter Getöse wie irre Automaten agieren.

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Nun erzählen Sie mir bloß nicht, Sie täten das nie! Wir alle können es doch nicht lassen und klicken gern mal auf eins dieser putzigen Videos, von denen es im Netz nur so wimmelt: tollpatschige Welpen, freche Babys, schmusende Raubtiere. So süß! Und ehrlich gesagt, habe ich mir bei Snapchat auch schon digitale Hasenohren aufgesetzt. Unser inneres Kind ist ja leicht irre. Und die Welt ist völlig verrückt nach allem, was cute (niedlich) aussieht. Die Frankfurter Medienwissenschaftlerin Birgit Richard bezeichnet die „Cuteness“ allen Ernstes als „zentrale Ästhetik der Gegenwart“. Sie hat dazu im Düsseldorfer NRW-Forum eine schaurig süße Show inszeniert: „#cute: Inseln der Glückseligkeit?“

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Das Schöne ist nicht oft zu finden in der aktuellen akademischen Kunst des Westens. Zu groß ist die Angst vor Kitsch. Als wäre die Schönheit immer ein bisschen blöd. Dabei kann sie eine so kluge, raffinierte Zauberin sein. Das beweist die Bildhauerin Alicja Kwade mit ihrer Ausstellung „Kausalkonsequenz“ in der Langen Foundation auf dem Gelände der ehemaligen Nato-Raketenstation bei Neuss. In diesem Herbst und Winter ist krisengenervten Düsseldorfern ein Ausflug zu dieser becircenden Kunst nur zu empfehlen.

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Aufgepasst! Wer diese Ausstellung voll erfassen möchte, braucht Zeit, Nerven und eine akademische Entschlossenheit. Denn es dauert ungefähr acht Stunden, hat eine Journalistenkollegin ausgerechnet, um alle 17 Video-Installationen der Deutschjapanerin Hito Steyerl (54) im Souterrain des K21 gebührend zu würdigen. Die in München geborene und in Berlin lehrende Professorin für Experimentalfilm arbeitet, so Institutsleiterin Susanne Gaensheimer, „einfach konsequent und kompromisslos“. Immerhin hat der von einem alten Disco-Hit ausgeliehene Titel der Schau etwas Tröstliches: „I will survive“ – ich werd’s überleben.

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Der Name ist ja nicht gerade cool: NRW-Forum, das klingt so nach Weiterbildung im vorigen Jahrhundert. Aber, sagt Marketing-Experte Christian Hupertz, es ist auch eine eingeführte Marke. Das NRW-Forum im Ehrenhof soll deshalb auch nach dem Zusammenschluss mit dem Museum Kunstpalast seine artige Bezeichnung behalten. Aber es darf ansonsten sehr frech werden, wie, so Hupertz, „eine junge wilde Schwester vom Kunstpalast“. Als äußeres Zeichen wird erst einmal die Corporate Identity des Mutterhauses „gehackt“ – im Rahmen einer witzigen Kampagne.

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Es ist schon bewundernswert, mit welch tapferer Fröhlichkeit das Intendanten-Duo Christian Oxenfort und Andreas Dahmen das Düsseldorf Festival vorantreibt. Dabei darf es in diesem verflixten Corona-Jahr kein Theaterzelt am Rhein geben, nur ein Mini-Ding für einzelne Zuschauer steht da und erinnert an bessere Zeiten. Alle wichtigen Vorstellungen finden in der hygienisch aufgerüsteten Mitsubishi Electric Halle statt. Im Schachbrettmuster hocken die durchgängig maskierten Besucher und müssen kein Superspreading befürchten. Aber selbst die musikalisch inszenierten Lesungen des umschwärmten Schauspielers und Autors Matthias Brandt waren nicht ausverkauft.

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