Kultur

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Der Titel klingt vertraut: „Die Entdeckung des Himmels“. War ja mal ein Bestseller in den frühen 90er-Jahren. Aber, Hand aufs Herz, wer hat den Roman des niederländischen Schriftstellers Harry Mulisch (1927-2010) schon so richtig ordentlich durchgelesen? Sind schließlich 865 Seiten mit einer ziemlich krausen Geschichte über Vorsehung, Sex, Tod und die Auflösung des Pakts zwischen Gott und den Menschen. „Da fragt man sich, wie das gehen soll auf der Bühne“, scherzte vor der deutschen Erstaufführung im Düsseldorfer Schauspielhaus der Dramaturg Robert Koall. Und die Antwort ist: mit wunderbarer Leichtigkeit, in der Regie des ehemaligen Burgtheater-Intendanten Matthias Hartmann.

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Mag ja sein, dass in der Nachbarstadt mit dem Dom manches größer und bedeutender ausfällt – so wie die weltberühmte Kunstmesse namens Art Cologne. Aber hey, liebe Kölner, dafür ist es bei uns viel schöner! Die dritte Art Düsseldorf in den schimmernden Shabby-Schick-Hallen der einstigen Böhlerwerke inspiriert wieder ihre Besucher. Direktor Walter Gehlen, im letzten Jahr von der Baseler Messegesellschaft jäh im Stich gelassen, hat mit den neuen Teilhabern Sandy Angus und Tim Etchells zwei Experten für den asiatischen Markt hinzugewonnen und eröffnete gestern eine „internationale Messe mit starker regionaler Verankerung“.

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Oh nee, „Antigone“? Sophokles? Antike Tragödie in Hölderlins klassischer Übersetzung? Das klingt nach Theater für Bildungsbürger und bleischwerem Lernstoff für Oberschüler. Aber das Junge Schauspiel Düsseldorf hat daraus eine Show gemacht, ein Spiel mit Tanz, Musik und coolen Raps – zur Feier des menschlichen Gewissens, des Muts, der Würde, der Nächstenliebe. Anderthalb Stunden lang lauschten die jungen Zuschauer gebannt und applaudierten dann begeistert dem Team um die niederländische Regisseurin Liesbeth Coltof, die zwar schon 64 ist, aber die Jugend versteht.

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Dieser Abend hat eine Super-Stimmung, die beste in ganz Düsseldorf. Dieser Abend hat Musik, die es nur hier gibt – im Saal des Klarenbachhauses in Düsseldorf-Holthausen. Von der Werstener Music Company. Und dieser Abend hat diesen Gänsehaut-Moment: „Danke, Willy“ halten viele Gäste als weiße Papierwölkchen in die Höhe. Wilhelm Brunder schaut in die Menge und schluckt. 49KommaX Jahre hat er diese Musiktruppe geprägt, die in Düsseldorf die einzige ihrer Art ist. Im nächsten Jahr wird er als Geschäftsführer aufhören.

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Fast zwei Jahre haben die Mitarbeiter der Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte in Archiven geforscht, Unterlagen verglichen und Fakten geprüft. Das Ergebnis ist im "Gedenkbuch für die Toten des Pogroms von 1938" zusammengefasst. Darin wird nicht nur verdeutlicht, dass die bisher angenommene Zahl von reichsweit 100 oder 500 Toten deutlich zu niedrig angegeben wurde. Auch die Einzelschicksale werden mit Biografien vorgestellt.

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Es gibt kaum große Rollen für Frauen, klagt dieses Stück. Und sorgt zugleich heftig für Abhilfe. Die aufstrebende britische Autorin Penelope Skinner hat „Linda“ geschaffen, ein Drama über eine alternde Managerin und ihre Töchter und Rivalinnen. Die Heldin ist eine Frau, die, wie einst Shakespeares König Lear, ganz irre wird vor Ambition, Enttäuschung und unheiligem Zorn. Allerdings geht es um den Wahnsinn der alltäglichen Gegenwart, mit banalen, vertrauten Konflikten. Hauptdarstellerin Claudia Hübbecker sorgt bei der deutschen Erstaufführung im Kleinen D’haus dafür, dass Lindas Leid dem Publikum richtig schön auf die Nerven geht. Sie spielt sich die Seele aus dem Leib.

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„Niemandsland“ hieß ein Gebiet an der Grenze zwischen Polen und Deutschland, wohin Ende Oktober 1938 17.000 jüdische Menschen brutal abgeschoben wurden. Durch intensive Recherche hat das Team der Mahn- und Gedenkstätte versucht die Schicksale von 441 Düsseldorfern zu klären, die bei der sogenannten „Polenaktion“ verhaftet und deportiert wurden. Aber in der Sonderausstellung, die ab sofort an der Mühlenstraße zu besichtigen ist, erfahren die Besucher auch, warum diese Verhaftungswelle zum Attentat von Paris führte und damit die Reichspogromnacht am 9. November 1938 auslöste.

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Da ist er wieder, dieser Zauber: das blaue und das rote Licht, der falsche Mond, der uns betört, die Figuren, die sich zu Wort und Musik wie kunstvolle Marionetten bewegen. Es ist eigentlich egal, was Robert Wilson (78), der elegante Theatermagier aus Texas, in Szene setzt: Seine Bewunderer lieben es. Ich auch. Aber nach dem wie gewohnt tosenden Applaus für seine Shortversion von Rudyard Kiplings „Dschungelbuch“ muss man doch ehrlich sagen, Mr. Wilson hat schon größere Werke vollbracht.

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Ein Mann in Goldfolie hastet über die Düsseldorfer Königsallee. Nós não temos tempo – Wir haben doch keine Zeit! Irgendwer aus dem Management hat vergessen, Romero Britto diesen Termin anzusagen. Und nun versucht der in Miami lebende Neo-Pop-Art-Meister aus Brasilien das Unmögliche: Er will an zwei Orten zugleich sein. In der Galerie Mensing, die Teil der Kö-Galerie ist und dem zahlungskräftigen Düsseldorfer Publikum 60 seiner farbenfroh-fröhlichen Bilder zeigt; und im Hotel Intercontinental, wo eine mindestens ebenso bunt mit einem Acht-Herzen-Sonnenaufgang bemalte Aluplanke eines Airbus A 310 zu sehen ist. Urheber auch hier: Britto. Was soll man sagen – das Kunststück der Gleichzeitigkeit an zwei verschiedenen Orten gelingt; weil alles andere zu kurz kommt.

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Nun, meine Damen und Herren, das müssen Sie einsehen: Auf Dauer kann sich das Düsseldorfer Schauspielhaus, keck D’haus genannt, nicht auf seine alten Bildungsbürger verlassen. Die sterben bald aus, neues Publikum muss her. Und so lässt Generalintendant Wilfried Schulz zwischen den herkömmlichen Premieren allerlei experimentelle Formate ausprobieren. Zum Beispiel die monatliche Lecture-Performance, eine schräge Art von Vorlesung unter dem Titel „Embracing Realities“ (Realitäten umarmen), kombiniert mit dem „Safe Open Fun Space“, dem sicheren offenen Spaßraum.

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Prominenten-Alarm! Das norwegische Kronprinzenpaar Haakon und Mette-Marit erschien zur Vernissage im Düsseldorfer K20. Dort wird eine Ausstellung mit Bildern von Edvard Munch (1863-1944) gezeigt, kuratiert von Norwegens derzeit renommiertestem Schriftsteller Karl Ove Knausgårde, einem markant-melancholischem Mann, der in der Literaturszene seine ergebenen Fans hat und bei der Pressekonferenz von Kameraleuten nur so umschwirrt wurde. Wenn Ruhe eingekehrt ist, wird man sehen, was eigentlich an den Wänden hängt: viel Munch von der weniger berühmten Sorte, beschaulich präsentiert.

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Irgendetwas stimmt nicht: Während der 1898 gegründete Verein zur Veranstaltung von Kunstausstellungen alljährlich am Ehrenhof den Glanz der „Großen“ zelebriert, spricht man kaum noch von dem viel älteren Mutter-Verein der Düsseldorfer Künstler. Das ist gemein. Und es soll sich ändern durch eine Ausstellung im Stadtmuseum und ein Buch zum 175-jährigen Bestehen der Gemeinschaft, die heute um ihr Überleben kämpft.

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Es war einmal ein Land im Nahen Osten: „Lost Heimat –Erinnerungen an Syrien“ heißt eine Ausstellung, die noch bis zum 30.Oktober im Düsseldorfer Rathaus, Marktplatz 2, gezeigt wird. Unter diesem Titel sind Fotos von Philipp Rathmer und Martin Niessen zu sehen – und dazu ein Film von Juliane Kühn. Zu den Öffnungszeiten des Rathauses - kostenlos.

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Ausverkauft war die Veranstaltung schon lange, denn die Kölner Gruppe Brings hat eine große Fan-Gemeinschaft in Düsseldorf. So waren es über 1.000 begeisterte Anhänger, die am Mittwochabend (2.10.) ins Stahlwerk gekommen waren und den Saal zum Beben brachten.

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Nur ein kleines goldenes Kreuz an seinem Revers deutet es an: Dieser lebhafte Kenner moderner Kunst ist ein Mann der Kirche. Wolfgang Hanck, katholischer Pfarrer im Ruhestand, hat der Heimatstadt Düsseldorf bereits 2008 rund 1800 Werke aus seiner privaten Sammlung geschenkt und reicht jetzt, anlässlich seines 80. Geburtstages (dabei wirkt er, ohne Schmus, glatt 20 Jahre jünger), weitere 80 Stücke nachgereicht. Dieser Segen wird jetzt mit einer Kabinettausstellung in der Sammlung des Kunstpalastes gefeiert: „Kosmos Hanck“.

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