Kultur

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Name ist Schall und Rauch? Ach was! Der strapazierte, aus Goethe-Zusammenhängen gerissene Spruch gilt keinesfalls für das Kunstgeschäft. Name ist alles. Während Munch noch bis zum 1. März für erfreulichen Rummel im Düsseldorfer K20 sorgt, lockt nun auch Picasso das Publikum an den Grabbeplatz. Beide Ausstellungen sind zwar von anderswo übernommen worden (Munch aus Oslo und Picasso aus Grenoble), aber Susanne Gaensheimer, die spröderen Konzepten zugeneigte Direktorin der Kunstsammlung NRW, würdigt so immerhin die Klassische Moderne, für die das Haus ursprünglich gebaut wurde.

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Irgendetwas muss es ja sein, was die Düsseldorfer Bürgerschaft am alljährlichen Rundgang der Akademie so unwiderstehlich anzieht. Geduldig steht man in der Warteschlange vor dem Eingang, um in komfortfreien Klassenräumen die Kunstübungen von über 600 Studierenden anzusehen – mit Neugier, mit Geduld. Vielleicht ist es ja das Gefühl, noch zum Neuen zu gehören, nah dran zu sein, forever young. Und es ist die Erwartung des Großen, denn die ehrwürdige Schule hat ja noch das Flair der Berühmtheiten, die sie hervorbrachte – von Schadows Malerschule bis zu den Topstars des 20. Jahrhunderts wie Beuys, Richter, Uecker. Allerdings sind die legendären Zeiten vorbei. Die aktuelle Kunst möchte vor allem eins: ins Geschäft kommen. Das merkt man an der Hochschule und im K21, wo die Absolventen von 2019 ihren Auftritt haben.

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Manchmal kann etwas Schönes zugleich etwas sehr Trauriges sein. Das gilt in hohem Maße für die betörende Ausstellung des Fotografen Peter Lindbergh im Düsseldorfer Kunstpalast. Zwei Jahre lang hatte er sie persönlich vorbereitet und die Bilder mit Hilfe eines Raummodells immer wieder neu arrangiert. Endlich wollte er seine „Untold Stories“, seine nicht erzählten Geschichten, ganz frei in einem Kulturinstitut zeigen – ohne den geringsten Einfluss der Modebranche, mit der er reich und berühmt geworden war. Ende August 2019 schickte er eine SMS aus den Sommerferien, die Schau sei jetzt fertig. Wenige Tage später, am 3. September, starb er plötzlich in Paris. Und wir sehen jetzt sein unabsichtliches Vermächtnis.

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Das ist die Geschichte von dem Erzähler mit dem Tropenhelm im Porzellanladen. Von der Entdeckung des großes Flusses mitten in Düsseldorf. Von schrägen Tönen und wildem Puppentheater. Die erste Kindermuseumsnacht in Düsseldorf wird von der Stadt als voller Erfolg bezeichnet. Rund 2200 Mädchen und Jungen erkundeten vier Stunden lang acht Museen. 7.200 Gäste waren es an dem Abend.

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Sollten Sie noch nie etwas gehört haben von der Rokoko-Malerin Angelika Kauffmann (1741-1807), so ist das kein Zufall. Die auf männliche Meister konzentrierten Kunsthistoriker des 20. Jahrhunderts haben ihren Namen nur beiläufig erwähnt. Dabei war sie, wie die Kauffmann-Forscherin Bettina Baumgärtel versichert, „der Liebling ihrer Epoche, ein Superstar, eine Stilikone“. In den europäischen Metropolen huldigten ihr die höchsten Herrschaften, man feierte und kopierte sie begeistert. „The whole world is angelicamad“, erzählte man in London, die ganze Welt war verrückt nach Angelika. Dank einer großen und liebevoll arrangierten Schau im Düsseldorfer Kunstpalast wird sich der Glanz dieser fabelhaften Frau erneuern.

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Welche Lieder singt die Erinnerung? Was klingt da in unseren Köpfen? Jeder Mensch hat seinen eigenen inneren Soundtrack – vom Lalelu der Mutter bis zum Chanson mit dem Akkordeon. Aber es gibt auch Songs, die einfach typisch sind für eine Epoche und die wir alle kennen. Yeah, folks! Zum 50jährigen Bestehen des Düsseldorfer Schauspielhauses am Gründgens-Platz präsentieren mehrfach begabte Schauspieler unter Leitung ihres Kollegen André Kaczmarczyk und des fabelhaften Musikers Matt Johan Leenders eine Hitparade, die das Publikum begeistert und beseelt: „I build my time“, ich baue meine Zeit – das ist der literarisch-zarte Titel nach einem Gedicht des Dadaisten Kurt Schwitters.

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Laienspiel kann eine Geduldsprobe sein: Zu langatmig, zu ungeformt, nur toll für Angehörige. Die Bürgerbühne des Düsseldorfer Schauspielhauses funktioniert  anders. Sie wird von Profis geleitet, ihr Chef Christof Seeger-Zurmühlen ist ein erfahrener Theatermann. Unterstützt von der dramaturgisch ausgebildeten Autorin Juliane Hendes und der Bühnenbildnerin Kirsten Dephoff verwandelte er jetzt die Aufregungen und Ambitionen seines Amateur-Ensembles in ein konzentriertes Stück, das die Zuschauer packt und am Ende auf die eigene Familiengeschichte verweist: „Blick zurück nach vorn“ im Kleinen Haus.

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Häppchen gab’s zum Glück genug. Immer neue Platten mit raffinierten kleinen Köstlichkeiten schleppten die neue Theatergastronomin Veronika Schillings und ihr Team ins Foyer-Gewimmel. Tapfer lächelnd. Die heftig plaudernden Herrschaften stürzten sich darauf und bekamen auch noch freien Wein oder ein Sprudelwasser. Schließlich galt es, zwischen Festakt und Premiere im überhitzten Saal wieder zu Kräften zu kommen. 50 Jahre Schauspielhaus – ein ebenso prickelndes wie anstrengendes gesellschaftliches Ereignis. Die große Party hat begonnen.

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Damit Sie’s wissen: Dies ist, wie Direktorin Susanne Gaensheimer versichert, „eine hochinteressante, kunsthistorisch wichtige Ausstellung“. Nun gut. Die Konsequenz, mit der die Amerikanerinnen Lee Lozano (1930-1999), Eleanor Antin (heute 84), Mierle Laderman Ukeles (81) und Adrian Piper (71) in den wilden Zeiten zwischen 1968 und 1980 ihre Konzepte in eine männlich geprägte Kunstwelt gesetzt haben, verdient durchaus Beachtung. Leider ist keine der drei noch lebenden und aktiven Ladys nach Düsseldorf gekommen, und die Schau entstand aus den trockenen Kartons des Konrad-Fischer-Archivs: „I’m not a nice girl“.

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Es war nicht anders zu erwarten: Auch zur Jubiläumsfeier 50 Jahre nach der Eröffnung am 16. Januar 1970 bleibt das Düsseldorfer Schauspielhaus ein Unvollendetes. Der Kö-Bogen II mitsamt dem Gründgens-Platz wird erst im Herbst fertig sein, und wie der Gutachterstreit um die immer noch nicht gleichmäßig gefärbten Alu-Teile der geschwungenen Theaterfassade ausgeht, das weiß noch niemand. Der Düsseldorfer Stararchitekt Christoph Ingenhoven, Baumeister des Gesamtkomplexes, besteht auf einer perfekten Oberfläche: „Amorphe Formen vertragen keine Farbunterschiede.“ Das Haus an sich ist fast fertig, dicht und von innen ziemlich schön, wie man jetzt schon sehen kann.

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Der Radschläger ist ein Symbol für Düsseldorf. Allerdings können nur noch wenige Düsseldorfer wirklich ein Rad schlagen. Thomas Geisel, Oberbürgermeister von Düsseldorf, kann es. In seinem Buch „Düsseldorf persönlich“ verrät Geisel in vielen Anekdoten unter anderem, wie ihm das Radschlagen das Ankommen in der Landeshauptstadt erleichtert hat.

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Nachtgedanken sind frei. Das waren sie für Deutschlands berühmten, Düsseldorfs berühmtesten Dichter und Denker Heinrich Heine. Wer kennt sie nicht, die ersten Zeilen seiner Nachtgedanken: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht …“. (Was Heine wohl zum Düsseldorf-Slogan „Nähe trifft Freiheit“ gesagt hätte?“

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Dieses Mordsdrama will eigentlich keiner mehr sehen. „Heinrich VI.“ – das sind drei ausgewachsene Tragödien mit je fünf Akten, die der junge William Shakespeare und sein Team zwischen 1589 und 1592 für das Showgeschäft ihrer Zeit schufen. Wer das historische Game of Thrones heutzutage an einem Abend spielen will, muss den Riesenstoff beherzt straffen und umgestalten. Für das Düsseldorfer Schauspielhaus hat das der belgische Autor, Performer und intellektuelle Spaßvogel Tom Lanoye besorgt. Sein Spektakel um „Henry VI & Margaretha di Napoli“ in der Regie von David Bösch ist der neueste Erfolg des Düsseldorfer Schauspielhauses, D’haus genannt. Es gab Standing Ovations.

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Immerhin – Picasso kommt vor. Vom 15. Februar bis zum 14. Juni zeigt die Kunstsammlung NRW im K20 am Grabbeplatz die sehr privat geprägten Werke, die der Großmeister der Klassischen Moderne während des Zweiten Weltkriegs geschaffen hat. Im K21 wird ab Mai mit Thomas Ruff einer der Düsseldorfer Star-Fotokünstler präsentiert. Ansonsten legt Direktorin Susanne Gaensheimer keinen Wert auf allgemein bekannte Namen. Sie hat mit ihrem internationalen Netzwerk ein politisch, feministisch und kuratorisch korrektes Programm für 2020 ausgearbeitet. Ob das Publikum so was liebt, wird sich zeigen.

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„Schön und…Lead Gitarrist“, so hieß es einem NRZ-Porträt der Gruppe Lilac Angels über Bodo Staiger. Zur Geltung kamen sein Charme und sein unnachahmliches Lächeln erst später: Im Film „Der Fan“ spielte er einen Musiker, der von einem weiblichen Fan (Désirée Nosbusch) getötet wurde. Der Streifen zeigte denn auch den Wandel von Staiger. Vom Rock-Musiker zum Elektronik-Tüftler. Jetzt ist Bodo Staiger knapp einen Monat nach seinem 70. Geburtstag gestorben.

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