Kultur Ausstellungen

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Hildegard Jakobs und Dr. Bastian Fleermann haben die Ausstellung kuratiert

Düsseldorf: Neue Sonderausstellung "Im Niemandsland" in der Mahn- und Gedenkstätte

„Niemandsland“ hieß ein Gebiet an der Grenze zwischen Polen und Deutschland, wohin Ende Oktober 1938 17.000 jüdische Menschen brutal abgeschoben wurden. Durch intensive Recherche hat das Team der Mahn- und Gedenkstätte versucht die Schicksale von 441 Düsseldorfern zu klären, die bei der sogenannten „Polenaktion“ verhaftet und deportiert wurden. Aber in der Sonderausstellung, die ab sofort an der Mühlenstraße zu besichtigen ist, erfahren die Besucher auch, warum diese Verhaftungswelle zum Attentat von Paris führte und damit die Reichspogromnacht am 9. November 1938 auslöste.

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Die Vorfahren von Naomi und Yael Feiler wurden bei der Polenaktion deportiert

Zur Eröffnung der Sonderausstellung „Im Niemandsland“ am Montag (28.10.) reiste Yael Feiler mit ihrer Tochter Naomi nach Düsseldorf an. Sie ist eine Nachfahrin einer Familie, die bei der „Polenaktion“ verhaftet und ins "Niemandsland" im Grenzörtchen Zbąszyń/Bentschen deportiert wurde. Die Großeltern und eine Großtante von Yael Feiler waren damals in dem Transport. Ihr Vater, Rolf Feiler, war damals mit 17 Jahren wenige Stunden vor der Deportation von Düsseldorf nach Palästina emigriert. Dort erfuhr er von den Verhaftungen. Mit Glück überlebten seine Eltern diese Zeit und nach Jahren kam die Familie in Israel wieder zusammen.

Deportation der "Ostjuden"

Mit der Deportation versuchten die Machthaber im Deutschen Reich einen diplomatischen Konflikt zu lösen und alle Juden mit polnischen Wurzeln nach Polen abzuschieben. Die Nationalsozialisten nannten die Betroffenen abfällig "Ostjuden", die Deportation selbst "Polenaktion". Dabei unterschieden sie nicht nach gebürtigen Polen oder in Deutschland geborenen Familienangehörigen. Mehr als 17.000 jüdischen Menschen wurden am 28. Oktober 1938 an die deutsch-polnische Grenze abgeschoben. In Düsseldorf waren 441 Männer, Frauen und Kinder betroffen. Viele der Betroffenen lebten seit Jahrzehnten in Deutschland, waren integriert und sprachen Deutsch. Sie wurden mitten in der Nacht aus dem Bett geholt und ins Polizeipräsidium gebracht. Von dort ging es mit Zügen an die polnische Grenze, ins Niemandsland. Doch die Polen wollen die Deportierten nicht aufnehmen.

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Hildegard Jakobs konnte 119 Überlebende der Polenaktion identifizieren, 222 wurden ermordet und das Schicksal der restlichen ist ungeklärt

Die Ausstellung beleuchtet auch den Hintergrund des Pariser Attentats, das als jüdischer Angriff auf das Deutsche Reich bewertet wurde und zu den Novemberpogromen 1938 führte. Denn die Eltern des Attentäters waren ebenfalls Opfer der „Polenaktion“ und die Tat ihres 17-jährigen Sohnes die verzweifelte Reaktion darauf.

Die meisten der aus Düsseldorf deportierten Menschen überlebten die Besetzung Polens und die Shoah nicht. In der dokumentarischen Ausstellung werden den Besuchern in Bildern, mit Biografien, in Karten und Grafiken die Hintergründe dieser ersten Deportation näher gebracht. Durch die konkrete Erlebnisse der Betroffenen werden deren Schicksale deutlich, aber auch die diplomatischen Hintergründe und die Verantwortlichen in Berlin und Düsseldorf werden benannt.

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Dr. Bastian Fleermann hat Parallelen zum aktuellen Umgang mit Flüchtlingen gefunden, die niemand aufnehmen möchte

"Der Sommer 1938 ist die Zeit, in der sich Europa weigert, jüdische Flüchtlinge aufzunehmen", erklärt der Leiter der Gedenkstätte, Dr. Bastian Fleermann. Im Juli 1938 kam auf amerikanisches Bestreben die Konferenz von Évian zusammenkam, bei der Vertreter von 32 Staaten und 24 Hilfsorganisationen über das Problem der rapide ansteigenden Flüchtlingszahlen von Juden aus Deutschland und Österreich berieten. Standpunkte wie „das Boot ist voll“, „Obergrenzen“ und „Kontingente“ verhinderten ein Ergebnis. "Im Herbst eskalieren dann die diplomatischen Konflikte. Menschen werden zur Manövriermasse. Das NS-Regime erprobt die Verschickung von jüdischen Bürgern."

Ausstellung und Programm

Zur Ausstellung hat die Mahn- und Gedenkstätte ein Begleitprogramm mit Führungen, einer Lesung aus Briefen einer abgeschobenen Familie mit der Schauspielerin Julia Dillmann (am 5. Dezember um 19 Uhr), einem Vortrag über die "Polenaktion" (10. Dezember um 19 Uhr) sowie einem Gespräch mit einer Überlebenden im Februar 2020 organisiert. Der Eintritt zu diesen Veranstaltungen ist frei. Sonderführungen für Gruppen sind individuell möglich.

Die Sonderausstellung „Im Niemandsland“ wird bis zum 15. März in der Gedenkstätte gezeigt. Der Eintritt ist frei.

Gefördert wurde die Ausstellung von der Landeszentrale für politische Bildung NRW, der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, dem Förderkreises der Mahn- und Gedenkstätte e.V., der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Düsseldorf sowie vom Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf.

Band 10 Schriftenreihe

Im November erscheint zur Sonderausstellung eine neue Ausgabe der "Kleinen Schriftenreihe" (Band 10) „Im Niemandsland“, in der auf 82 Seiten mit 199 Fotos und Dokumenten Einblicke in das Schicksal der Deportierten und Berichte von Zeitzeugen enthalten sind.

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