Kultur Ausstellungen

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"Von Augenblich zu Augenblick": 300 Exponate und Videos von Zeitzeugen berichten vom Leben der Juden in Düsseldorf nach 1945

Im Stadtmuseum: „Von Augenblick zu Augenblick“ – Juden nach 1945 in Düsseldorf

Die Jüdischen Kulturtage im Rheinland sind so überschrieben „angekommen – jüdisches (er)leben“. Eine Illusion. Das Düsseldorfer Stadtmuseum zeichnet in einer Ausstellung die Geschichte der Jüdischen Gemeinde seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der Stadt nach. Und nennt die ab heute (27.2.) bis zum 9. August laufende Schau „Von Augenblick zu Augenblick“. Das ist um einiges näher an der Wirklichkeit.

[Programmüberblick über die jüdischen Kulturtage]

Rund 7000 Menschen aus 40 Nationen – so groß ist die jüdische Gemeinde hier – leben in einem Schwebezustand zwischen Bleiben und Gehen. Es spricht zu viel gegen ein dauerhaftes „Ankommen“.
•    Da liegt die dunkelblaue, mit Goldfäden verzierte Kippa, die Kopfbedeckung der Männer, als eines von 300 Ausstellungsstücken in einer weißen Vitrine. Und gleichzeitig rät der Zentralrat der Juden, sie nicht überall zu tragen, um Judenhassern und ihrer Gewalt zu entgegen.
•    Da hat der Frankfurter Architekt Herrmann Zvi Guttmann die neue Düsseldorfer Synagoge bewusst nicht düster und schwer, sondern leicht und einladend an die Ziethenstraße/Ecke Paul-Spiegel-Platz gebaut – und der große Haupteingang bleibt aus Sicherheitsgründen meist verschlossen. Im Oktober 2000 gab es einen Brandanschlag auf das Gotteshaus.
•    Da sagt Michael Szentei-Heise „Wissen Sie, notfalls sind die rund 100.000 Juden binnen einer Woche aus Deutschland ausgeflogen.“ Er wollte eine ironisch-distanzierte und zugleich selbstbewusste Antwort auf eine Frage nach den Ängsten der jüdischen Gemeinde geben. Es klang so, als habe der Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf das Szenario in Gedanken schon einmal durchgespielt.

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Wichtiger Teil der Ausstellung: Die Videoberichte der zwölf Zeitzeugen

Die Zeitzeugenvideos sind ein wichtiger Teil der Ausstellung

Deshalb ist es gut, dass die Ausstellung im Düsseldorfer Stadtmuseum nicht nur den Gebetsriemen, die Thorarolle, Spielsachen und Alltagsgegenstände zeigt. Zwölf Zeitzeugen erzählen vom Wachsen und Werden der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf. Ihre 12-, 16-, 18-minütigen Erinnerungen auf Video sind der Schlüssel zum Verstehen. Sie zeichnen den Weg nach – von der Gründung am 5. September 1945, als sich 57 Überlebende der Shoa zusammentaten. Das erste Neujahrsfest feierten sie in einem Saal des Oberlandesgerichts an der Mühlenstraße. 1946 wuchs die jüdische Gemeinde auf 300 Mitglieder an.
In Düsseldorf entstand die „Allgemeinde Wochenzeitung der Juden in Deutschland“ aus der im April 1946 als „Jüdisches Gemeindeblatt“ gestarteten Publikation. Lilli und Karl Marx waren Kreateure und Treiber für die Wiederbegründung der jüdischen Presse in Deutschland. Zwischenzeitlich, in den 1950er Jahren, saß der Zentralrat der Juden in Deutschland in Düsseldorf. Erst in den 1980er Jahren begann in Düsseldorf die lokalgeschichtliche Aufarbeitung der Shoa, der Judenvernichtung. 1987 öffnete die Mahn- und Gedenkstätte.

Zuwanderer jüdischen Glaubens aus Osteuropa und Russland

Und gerade als die jüdische Gemeinde älter und immer älter wurde, erfuhr sie ab 1990/91 eine Verjüngung durch mehr als 5500 jüdische Zuwanderer aus Osteuropa und Russland. Plötzlich musste ein Kindergarten her. 1993 gründete sich die Yitzhak-Rabin-Grundschule. Ein jüdisches Gymnasium ist in Planung. Die Themen „Zuwanderung“, „Antisemitismus“ und das jüngere Gemeindeleben sind Teil der Ausstellung im Stadtmuseum.
Von den jungen Juden in Düsseldorf sagten einige „Wir sind Deutsche mosaischen Glaubens“, berichtet Michael Szentei-Heise. Die Überlebenden der Shoa und ihre Kinder sagten meist, sie seien Juden mit einem deutschen Pass. Die Ausstellung „Von Augenblick zu Augenblick“ hat die Kraft, alle Besucher dem „Ankommen“ näherzubringen.
Was fehlt? Der völlig tabulose, beißende jüdische Humor. Zum Beispiel Paul Siegels jüdische Lieblingswitze, aufgezeichnet von seinen Töchtern Dina und Leonie Spiegel, 2009, in dem Buch „Jetzt mal Tacheles“.

Von Augenblick zu Augenblick – Juden nach 1945 in Düsseldorf
Stadtmuseum
Berger Allee 2
40213 Düsseldorf
Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr
Montag geschlossen
Eintritt: vier, ermäßigt zwei Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist der Eintritt frei.
Happy Hour mit freiem Eintritt für alle: Dienstag bis Sonntag, 17 bis 18 Uhr

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Fotos und Dokumente beschreiben das Wachsen der jüdischen Gemeinde

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