Kultur Film

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Ulrike Arnold malend im Monturaqui Meteoritencrater, Atacama, Chile, Foto Rodrigo Martinez de los RIOS

„Dialogue Earth“ – ein Film über die Düsseldorfer Künstlerin Ulrike Arnold

In der Notfall-Ambulanz im Evangelischen Krankenhaus hat man ja schon seltsame Dinge gesehen. Aber so was hatte der diensthabende Arzt in der vergangenen Woche noch nie gehört. Die Frau, die ihm die schmerzende Hand hinhielt antworte auf seine Frage, womit sie sich in den Finger geschnitten hätte: „Meteoritenstaub“.

Malen mit Erde und Sternenstaub

Passiert ist das der Düsseldorfer Künstlerin Ulrike Arnold, die kurz nach der erfolgreichen Premiere des Films „Dialogue Earth“ im Bambi-Kino schon wieder bei der Arbeit war: Dem Malen der Erde mit Erde – und eben mit Sternenstaub, der macht nämlich auch die Magie ihrer Bilder aus. Eigentlich ist es ein Abfallprodukt nach dem Zerkleinern und Analysieren von Meteoritenfunden. Ein Experte stellte ihr das himmlische Material nach einer spontanen Begegnung an einer Einschlagstelle in den USA zur Verfügung. Auch davon handelt der Film über ihr Leben und ihre Arbeit.

Daheim ist ihr das kosmische Material nun im wahrsten Wortsinne unter die Haut gegangen. Glücklicherweise ohne bedrohlichen Folgen: keine Blutvergiftung. Ulrike Arnold ist nicht gerade zimperlich: „Was mich schon alles gebissen hat auf meinen Reisen. Malaria hatte ich auch schon.“

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Ulrike Arnold malend: Cueva de la Chulacao, Atacamawüste, Chile. Foto Angelika Niederl

Die Premiere von „Dialogue Earth“ sollte eigentlich schon zu Jahresbeginn im Bambi sein. Regisseur Hank Levine wollte aus Spanien anreisen. Doch dann kam Corona, und jetzt konnte der Filmemacher nur mit einer Video-Botschaft dabei sein. Zwar ist der Streifen zwischenzeitlich über www.filmkunstkino.de abzurufen, doch die grandiosen Landschaftsaufnahmen, die Weite der Welt der Erd-Malerin braucht eine große Leinwand - im doppelten Wortsinn.

Das Filmkunstkino Bambi war Arnolds Wunschort für die Premiere. Ganz in der Nähe ist sie aufgewachsen, das kleine Kino auf dem Schulweg ein verbotener Sehnsuchtsort, tabu für die Tochter aus gestrengem Pastoren-Haushalt: „Fernsehen und Kino waren verboten. Es gab keine Bilder von der Welt.“ Vielleicht war das der Anstoß zum Aufbruch in eine selbstgewählte Freiheit: Sie floh vorm Heiraten und Kinderkriegen in immer wieder andere wüste Welten und erlebte „die Einsamkeit als Zweisamkeit mit der Natur“.

In jungen Jahren inspiriert von Höhlenmalereien in Frankreich sammelt die Künstlerin und Meisterschülerin von Klaus Rinke an der Düsseldorfer Kunstakademie seit 40 Jahren die Erden der Welt, verwahrt sie in vielen Leinensäckchen, die in ihrem Atelier in der Bilker Strasse wiederum eine Art Landschaft bilden. Als Besucher in ihrem Atelier in der Bilker Straße will man sofort hineingreifen, um zu begreifen. Es ist eine Art kindliche Neugier auf den Kosmos, die hier geweckt, wiedererweckt wird. So war’s sicher auch 1992, als die Erdsäckchen bei der UN Konferenz in Rio ausgestellt waren.

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Ulrike Arnold:oneworld painting: Erde von allen Kontinenten in einem riesigen Ausrufezeichen in Utah, Foto: Victor van Keuren

2017, dem Entstehungsjahr des Films, vereint Ulrike Arnold in ihrem sieben Meter langen One-World-Painting die Erden der Welt auf einer Leinwand. Mit einem separaten Kreispunkt im Durchmesser von 1,90 Meter wirkt das Werk wie ein Ausrufezeichen: „Das ist mein Appell, die Umwelt unseres einzigartigen Planeten zu schützen und friedvoll zu bewahren.“

Man spürt die Energie, mit der Ulrike Arnold die Erden mit einem transparenten Bindemittel zuerst zähmt, um sie dann auf die Leinwand zu streuen, gießen, schmeißen, schleudern. Lauter winzig kleine und großartige Schöpfungsakte. Bis zur Erschöpfung in den unterschiedlichsten Klimawelten, beispielsweise in Utah, wo sie in einer Höhle, der Broken Arrow Cave, arbeitet. Ulrike Arnold: „Meine Bilder sind Himmel und Erde“.

Der 76-minütige Film, untermalt von der Musik von Hauschka, ist zwar eine biographische Dokumentation, geht aber weit darüber hinaus, sogar über die grandiosen Luftbilder von Arnolds Lebenspartner Victor van Keuren. Das ist die Faszination des archaischen Werks von Ulrike Arnold, das sich nur schwer einordnen lässt in den heutigen elitären Kunstbetrieb. Wohl deshalb hat die Künstlerin in der Kunststadt Düsseldorf bis heute keine Galerie, die sie vermarktet.

Wer ihre Bilder kauft? Auch das sind oft spontane Begegnungen. Dennis Hopper wollte sofort haben, was er da sah. Im Film schwärmt er: „Ulrike reist um die Welt an magische Orte. Sie war sogar bei den Aborigines. Sie nimmt die Erde und macht daraus ihre Farbe. Das Bild ist eine Landschaft, die Leinwand fast eine Haut. Man kann sie berühren.“

Es gibt längst einen eigenen Kreis von Kennern und Liebhabern auf und aus aller Welt. In Düsseldorf kommen ihre Kunden und Freunde gerne ins Atelier in der Bilker Straße (Anmeldung per mail: ulrike.arnold@cloud.com), auch um eine herzliche Gastgeberin anzutreffen.

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