Kunstkritik

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Der Titel weckt erhabene Gefühle: „Art et Liberté“, Kunst und Freiheit! Man erwartet das große Ganze, Wunderbare. Doch im K20, dem schwarz glänzenden Kunsttempel des 20. Jahrhunderts, geht es in diesem Sommer nur um ein sehr spezielles Thema: das vergessene Wirken einer Gruppe ägyptischer Surrealisten um 1940. Mit der vom Pariser Centre Pompidou übernommenen und von einem Scheich gesponserten Schau überbrückt man die Wartezeit bis zum Antritt der neuen Direktorin Susanne Gaensheimer.

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Die Düsseldorfer Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch sah das Projekt in Dresden im Februar und sprach Initiatorin Heidrun Hannusch sofort an, um „Lampedusa 361“ nach Düsseldorf . Die Autorin ist der Frage nachgegangen, was mit den Leichnamen der Menschen passiert, die auf der Flucht nach Norden im Mittelmeer ertrinken. Und sie traf Italiener, die Fremde in ihrer Familiengruft aufnahmen, um ihnen wenigstens einen würdigen Tot zu bieten, Bürgermeister, die Trauerreden hielten und kleine Dörfer auf Sizilien, die auf ihren Friedhöfen Platz schaffen. Auf Matten gedruckten Großfotos zeigen dies. Im Gespräch mit report-D zog Heidrun Hannusch ein bewegendes Fazit der Ausstellung am Kö-Bogen.

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Es gab eine Zeit, als der Name Achenbach noch nicht mit einem wegen Betrugs verurteilten Kunstgeschäftemacher verbunden wurde. Schluss mit der Aufregung um Helge Achenbach! Denken Sie lieber mal an Andreas Achenbach (1815-1910)! Er war ein Star der Düsseldorfer Malerschule, Meister der romantischen Landschaften und dramatischen Seestücke, Darling der besseren Gesellschaft und zugleich ein Freigeist, der die kecksten Karikaturen zeichnete. Das Museum am Ehrenhof würdigt diesen grandiosen Künstler jetzt einen Sommer lang.

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Das Kostbare muss erst einmal erkannt werden. Wer nichts von historischen Emailgläsern versteht, könnte so einen lustig bunt bemalten Humpen glatt für irgendeinen Kitsch halten. Dabei hat womöglich ein barocker Kurfürst sein Bier daraus getrunken. Die verbreitete Unkenntnis auf dem schmalen Fachgebiet des Emailgläserwesens hat dem Sammler Hans-Jürgen Schicker in den letzten 40 Jahren gelegentlich ein Schnäppchen beschert. Die besten 50 Stücke seiner kleinen, aber exklusiven Kollektion sind jetzt im Seitenflügel des Kunstmuseums zu sehen.

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Wer in der Kunst nach Seelenruhe sucht, der sollte vielleicht lieber seinen Zier-Buddha im Garten betrachten. In der Stoschek Collection braucht der Mensch eine Bereitschaft, die Aufmerksamkeit strapazieren zu lassen. Videokunst, diese subjektive Verwendung der Filmtechnik ohne cineastische Absicht, ist nichts für schwache Nerven. Besonders herausfordernd wirkt eine Ansammlung von Videokunst ohne den üblichen Ausgleich durch Bilder oder Skulpturen. Für Julia Stoschek, die Sammlerin, Sponsorin und Stifterin eines europaweit einmaligen Ausstellungshauses für nichts als flimmernde, immaterielle Werke, gibt es nichts Spannenderes.

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Wir Düsseldorfer meckern gerne bei einem schönen Gläschen Crémant über den Grand Départ, den großen Start der Tour de France 2017 in unserem Möchte-gern-Klein-Paris. Ein einziger Reklamerummel sei das, viel Geld, Gedöns und blöde Dekoration für ein paar Momente, die nur Radsport-Fans interessieren. Aber halt, die Chose hat auch kulturelle Aspekte, ja, da staunen Sie, Mesdames et Messieurs! Im NRW-Forum, dieser Forschungsstation für eine Philosophie der westlichen Lebensart, wurde soeben eine Ausstellung über den „Mythos Tour de France“ eröffnet, die auch Sportschau-Verächtern gefallen wird.

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Es könnte sein, dass Sie an der Kasse von K21 ein paar aufgekratzte junge Leute treffen, die so gar nicht zum üblichen Klientel flüsternder und schreitender Museumsbesucher passen. Das liegt an Tomás Saraceno (43). Seit der argentinische Installationskünstler 2013 seine begehbare Stahlnetzkonstruktion „in orbit“ unter dem Glasdach des ehemaligen Ständehauses angebracht hat, ist es cool, dort das Abenteuer zu suchen. Sechs neue Mini-Ausstellungen machen den Besuch im neuen Teil der Landesgalerie zudem noch ein bisschen spannender.

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Irgendetwas bleibt immer unerledigt. Beat Wismer, der scheidende Chef des Museums Kunstpalast, wollte eigentlich noch eine große Ausstellung über das Weiterleben der abstrakten Kunst machen. Zu spät. Jetzt hat er ganz entspannt ein paar gegenstandslose Lieblingsstücke aus der Sammlung ausgesucht und präsentiert sie als Teil seiner langen Zeremonie des Abschieds im Erdgeschoss-Saal: „Beauty is a Rare Thing“, Schönheit ist ein seltenes Ding.

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Der Meister hat die Forschung ausgetrickst: Welcher Pinselstrich von ihm selbst ausgeführt wurde, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit sagen. Denn Lucas Cranach der Ältere (1472-1553), der begnadete Maler, war vor allem ein gewiefter Kunstunternehmer. Mit seiner Wittenberger Werkstatt produzierte er Tausende von Gemälden und zigtausend Grafiken der Marke Cranach. Sein professionelles Team – ein Dutzend Gesellen, später auch die eigenen Söhne Hans und Lukas der Jüngere – musste seinen Stil so perfekt beherrschen, als wär’s ein Stück vom Chef persönlich. Die Kundschaft hatte nichts dagegen. Das Signet der Cranach-Werkstatt, eine Schlange mit Fledermausflügeln, galt als Garantie für Qualität und Prestige.

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Nein, das ist keine dieser Ausstellungen, die jeden Museumsbesucher auf Anhieb betören. Ehrlich gesagt, könnte man die vergilbten und ergrauten Papiere, oft nur Fetzen, in ihren dezenten Rahmen leicht übersehen – auf dem Weg zu spektakulärer Malerei. Doch ehe uns der alte Meister Cranach (ab 8. April) mit seinen raffinierten Schönheiten in den Kunstpalast lockt, sollten wir doch einen Blick werfen auf „Idea et Inventio“ (Idee und Erfindung), eine Auswahl von 100 italienischen Zeichnungen des 15. und 16 Jahrhunderts aus der historischen Sammlung der Kunstakademie.

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So ist sie nun mal: Kommt meistens zu spät, in Eile und zerzaust, redet dazwischen, drängelt sich vor, grinst wie ein freches Mädchen und kennt einfach keine Zurückhaltung. Über Dr. Helga Meister wird in der Düsseldorfer Kulturszene viel gestöhnt und noch mehr getratscht. Aber letztendlich stehen alle stramm vor der meinungsfreudigen Journalistin, deren Alter niemand so genau kennt. Seit circa 50 Jahren gehört sie zu dieser Stadt wie eine Institution.

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Das Haus ist verkauft, man sieht es auf dem Maklerschild vorn an der Straße. Vor dem Eingang steht ein Jaguar, beladen mit Gepäck. Rechtssteuerung. Ein Wagen aus England, ganz offenbar. „I voted stay“, sagt ein Aufkleber an der Heckscheibe. Well, der neue Bewohner scheint ein Gegner des Brexit zu sein. Ganz offenbar hat da jemand Großbritannien verlassen und ist vor den politischen Verhältnissen auf den Kontinent geflohen, nach Krefeld. Why not? Die Tür zu der klassisch modernen Villa steht offen, jeder darf eintreten – falls er ein Ticket gekauft hat. Denn, Ladies und Gentlemen, was Sie hier wahrnehmen, ist Kunst. Und die Immobilie ist ein Museum, Haus Lange, wo das skandinavische Künstlerduro Elmgreen & Dragset das ebenso spannende wie rätselhafte Drama um „Die Zugezogenen“ inszeniert hat.

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Es ist so eine Sache mit der konzeptuellen Kunst der 1960er- bis 70er-Jahre. Grauköpfe, die damals sehr jung waren – jaja, auch ich – sehen die Relikte recht gerne. Sie verstärken unsere Illusion, dass wir alle frei, kühn, scharfsinnig und mit der Nase dabei waren, lauter Helden der Epoche. Mal abgesehen davon, dass wir in Wahrheit keine große Rolle spielten, ist der Zeitgeist uns flott davongerannt. Und es stellt sich die Frage, ob ein Projekt wie die Ausstellung über den belgischen Kunstdenker und Zwischendurch-Düsseldorfer Marcel Broodthaers (1924-1976) im K21 das heutige Publikum überhaupt noch interessiert.

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Auch die Kunst gehört nun mal zum Showgeschäft. Bekannte Namen und prickelnde Themen fördern die Quote. Im April wird das Publikum wieder Schlange stehen, wenn im Kunstpalast die Sonderschau um „Cranach. Meister – Marke – Moderne“ eröffnet wird. Was die Sammlung eines Museums alltäglich zu bieten hat, wird hingegen oft übersehen. Eine Kabinettausstellung mit dem Titel „Augenschmaus“ verweist jetzt auf 20 Stillleben des 17. bis 20. Jahrhunderts, die zum Düsseldorfer Gemäldeschatz gehören.

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Nun ja, es ist eine Pflichtübung. Jedes Jahr muss das Museum Kunstpalast als städtische Einrichtung die sogenannte „Große“ Schau des 1900 gegründeten Vereins zur Veranstaltung von Kunstausstellungen beherbergen. Dabei geht es auch ums Fördern durch Kaufen und Verkaufen – ziemlich degoutant für Hüter der reinen Kulturvermittlung. Lange Zeit gab es deshalb einen halb beleidigten Abstand zwischen dem Museum und dem Verein. Man ließ die Sache über sich ergehen – bis vor zehn Jahren Generaldirektor Beat Wismer kam und beschloss, die Große Ausstellung einfach ins offizielle Programm zu integrieren: „Wir machen sie zu unserer, und wir machen sie gut!“

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