Kunstkritik

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„Kunst ist, was bleibt“, wurde der traditionsreichen Düsseldorfer Ausstellung, die heutzutage „DIE GROSSE“ heißt, 2021 auf die Fahnen geschrieben. Ein rührender Gedanke in einer Welt, die derzeit vor allem an der Ankurbelung der Geschäfte interessiert ist. Umso kostbarer scheint dem pandemiemüden Menschen einen Schatz von über 300 Bildern, Fotografien und Skulpturen, womit im Kunstpalast und im NRW-Forum der kreative Spirit von Stadt und Umland gefeiert wird. Michael Kortländer (68), selbst Bildhauer und Hoehme-Meisterschüler, hat die im letzten Jahr wegen Corona ausgefallene Schau auch in der Inszenierung zu professionellen Höhen geführt.

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Zu lange hat der männliche Blick auf die Erotik der Frau die Kunstgeschichte bestimmt. Das will der Zeitgeist gerade ändern. Die aus Düsseldorf stammende und in Brüssel lebende Bildhauerin und Malerin Monika Stricker konzentriert sich auf die intimen Bereiche des Mannes und überzeugte mit ihrer mutigen, leicht verstörenden Position die Jury des neuen Landsberg-Preises.

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Soso, Sie finden die Zwänge zur Erlangung von Gendergerechtigkeit und die Diskussion um diverse Identitäten schon jetzt ziemlich nervtötend? Sorry, das ist erst der Anfang. Ob wir es persönlich nun wünschen oder nicht, die Gesellschaft muss sich mit Themen auseinandersetzen, die lange Zeit von Männlein und Weiblein verdrängt wurden. Gregor Jansen, 56-jähriger Familienvater der herkömmlichen Art und Chef der Kunsthalle Düsseldorf, zeigt eine Ausstellung, bei der es um „Körperwahrnehmungen und -verständnisse im Kontext von Geschlechtsidentitäten und Selbstidentifikation“ geht: „Journey Through A Body“, Reise durch einen Körper.

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Ja, Freunde, es bleibt anstrengend: Zeitfenster, Abstand, Maskenzwang, Ermahnungen. Aber wir wollen doch mal hoffen, dass die ersten Öffnungen, die uns die Pandemie in Düsseldorf gestattet, nicht nur zum Shoppen und zum Biertrinken auf zugigen Terrassen genutzt werden. Man sollte sich auch vom Sofa erheben, um sich wieder einmal direkt mit der Kunst auseinanderzusetzen. Gerade, wenn es schwierige, unpopuläre Kunst ist wie die Installation „Kaprow City“ von Christoph Schlingensief im K20 und die verrückten Figuren der Isa Genzken im K21. Susanne Gaensheimer, die Chefin der Kunstsammlung NRW, fordert uns mal wieder heraus. Und das ist gut so.

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Da soll noch mal einer sagen, die Düsseldorfer Jonges seien ein brünnleinstiftender Männerclub mit konservativem Kunstgeschmack! Am 100. Geburtstag des 1986 verstorbenen Joseph Beuys ehrt der Verein den vielleicht umstrittensten Meister der Nachkriegs-Avantgarde mit zwei bronzenen Gedenktafeln. An der Fassade des Oberkasseler Hauses Drakeplatz 4, wo Beuys lebte, arbeitete und weltberühmt wurde, enthüllten Baas Wolfgang Rolshoven und Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller eins dieser „sichtbaren Zeichen zur Stadtgeschichte“. In Abwesenheit von Familie Beuys übrigens, die zurückgezogen um die Ecke wohnt. Eine zweite Tafel hängt an der Haroldstraße 4, neben einem Baum aus Beuys’ Documenta-Aktion „7000 Eichen“.

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Es hat etwas Rührendes, wie in den geschlossenen Kunsthäusern nach wie vor Ausstellungen wie geplant aufgebaut und im Geiste eröffnet werden. Aber die Chancen stehen ja nicht schlecht, dass man bald – maskiert, geimpft oder getestet – wieder ein bisschen Kultur genießen darf. Viel Spaß macht es, im NRW-Forum allerlei Fantasievolles zum Thema „Freibad“ anzuschauen und gegenüber „Die Kleine“ mit entzückenden Werken aus dem diesjährigen Kunstwettbewerb Düsseldorfer Grundschulen zum Thema „Erde, Wasser, Feuer und Luft“.

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Hoffen kann man ja mal. Dass die Düsseldorfer „Kunst im Tunnel“ (KIT) am Mannesmannsufer bald wieder zugänglich sein wird und die Filme von Silke Schönfeld nicht ungesehen bleiben. Denn sie haben Zeit und Aufmerksamkeit verdient – „Über alles vernünftige Maß hinaus“, wie der Ausstellungstitel aus einer 1956 gehaltenen Rede des Düsseldorfer Kunstvereinsdirektors Hildebrand Gurlitt zitiert. Eigentlich möchte man stundenlang da unten bleiben, im Dunklen und Stillen unter der Rheinpromenade, wo bewegte Bilder besondere Geschichten vom Menschen erzählen.

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Gewöhnlich gucken Spaziergänger am Altstadtufer lieber auf die Fluten des Rheins als auf die Ufermauer, in deren Nischen nicht viel zu sehen ist außer Müll und Kritzeleien. Jetzt ist das anders. Denn die GEDOK Regionalgruppe A 46 sorgt für eine Kunstschau, die der Pandemie, dem Lockdown und der Verzagtheit trotzt. Fünf Frauen des kreativen Vereins zeigen Lieblingswerke, die auf wetterfeste Planen gedruckt und in fünf Kasematten-Nischen befestigt wurden: „Künstlerinnen für die Zukunft – Eigenwillig im Verbund“.

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Ach, Beuys, was hätte er wohl dazu gesagt? Zu Abstandsregeln, Maskenpflicht, Zeitfenstern und Zoom-Konferenzen? Hätte er das ausgehalten, der große Narr, der unermüdliche Kämpfer für eine befreite, verrückte Kunst, die sich seiner Ansicht nach im Leben selbst manifestieren sollte – als „Soziale Plastik“? Womöglich wäre der Kerl ja mit den Corona-Rebellen marschiert. Joseph Beuys (1921-1986) suchte und brauchte die Nähe der Menschen, trug seine esoterisch bewegten Botschaften unbeirrt in die Menge, pfiff auf den Segen der Obrigkeit. Der akademische Diskurs, der jetzt, im Jahr seines 100. Geburtstags, pflichtgemäß anschwillt, war für ihn viel weniger wichtig als der schlichte Satz: „Jeder Mensch ist ein Künstler“, der zum Titel für eine erstaunlich frische Schau im Düsseldorfer K20 wurde.

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Ein bisschen spooky ist es schon, wie diese ganze Zeit. Das schicke Café Lennarz der Sammlung Philara im Flingerner Hinterhof bleibt geschlossen, geselliges Verweilen gehört ja zu den aktuellen Todsünden. Die Aufseherinnen schweigen hinter ihren Masken und verfolgen die Besucher/innen wie diskrete Gespenster. Nicht gerade ein Riesenspaß – und trotzdem eine Inspiration, die das Lebensgefühl hebt. Gil Bronners private Kunsthalle, ohnehin ein Ort der Entdeckungen, präsentiert in einer Sonderausstellung den ewig jungen „Totalkünstler“ Timm Ulrichs.

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Der Körper ist in dieser Krise ja ausreichend gefüttert worden. Aber auch der vom Dauerfernsehen erschlaffte Geist braucht seine Nahrung. Mit Begeisterung nutzen die Düsseldorfer die vorsichtigen Öffnungen der Ausstellungshäuser. Die Julia Stoschek Collection (JSC) an der Schanzenstraße hat die mediale Kunst wieder eingeschaltet – und obgleich nichts Populäres dort gezeigt wird, waren die Zeitfenster für dieses erste Wochenende sofort ausgebucht. Filme und Sound von zwölf Künstler/innen der Collection („JSC on View“) sowie die anspruchsvollen Konzepte des Kanadiers Jeremy Shaw fordern die intelligente Aufmerksamkeit des Publikums. Nur Mut!

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Es ist ja nicht leicht, in diesen verkrampften Zeiten hinter der Maske seine Stimme zu erheben, eine Identität zu entwickeln, sich zu profilieren. „Coming To Voice“ heißt, mit einem gewissen Trotz, die diesjährige Ausstellung der Düsseldorfer Akademie-Absolvent/inn/en des Corona-Jahres 2020. Dank der neuerlichen Museumsöffnung kann man die Leistungsschau von 69 jungen Künstler/inne/n noch ein paar Tage in Wirklichkeit besuchen.

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Der Schönheit zu huldigen, ist leider unmodern. Wie man nicht nur in der Düsseldorfer Aufregerschau „Empört Euch!“ sehen konnte, quält sich die neue Kunst in ihren politisch korrekten Konzepten mit gesellschaftlichen Problemen ab. Dabei sehnt sich der Mensch gerade jetzt, nach einem Jahr der Seuche, der Ängste und des Gezänks, nach geistiger Erholung. Stille, Licht, Abstraktion – das braucht die Welt wie vor über 60 Jahren, als ein paar junge Künstler in Düsseldorf zum Nullpunkt zurückgingen und den Schrecken der Vergangenheit sowie dem Chaos der Gegenwart die Idee von ZERO entgegensetzten. Führender Kopf war Heinz Mack, der am 8. März seinen 90. Geburtstag feiert – mit einer wunderbaren, befreienden Ausstellung im Kunstpalast.

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In der Kunst ist derzeit alles nur Fassade. Man sieht wehmütig von außen, was man drinnen so verpasst. An der linken Seite der immer noch geschlossenen Düsseldorfer Kunsthalle zieht ein ungewöhnliches Plakat die Blicke auf sich: die Vergrößerung einer aquarellierten Zeichnung, sehr zart, auf der sich einige Frauen um eine Art Rahmen mit kreisförmiger Öffnung versammeln. Das ist das „Reflection Paper“ von Evelyn Taocheng Wang. Die 40-jährige Chinesin mit Wohnsitz in Rotterdam hat im Kunstverein eine subtile Ausstellung installiert, die sie gestern digital den Medien präsentierte.

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Klar, die Videos aus unseren Kulturinstituten sind keine smarten Sendungen mit Profi-Moderatoren. Es wirkt alles ein bisschen unbeholfen und steif, jede Unvollkommenheit wird gnadenlos festgehalten. Aber, ganz im Ernst: Das ist besser, viel besser als nichts. In einer Video-Reihe auf der Website des Düsseldorfer Museums spricht Maria Zinser, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Referentin des Generaldirektors im Kunstpalast, mit dem Autor und Kunsthistoriker Florian Illies über die Wolken in der Malerei: „Der geteilte Himmel“. Eine Erinnerung an die derzeit verschlossene Ausstellung über „Caspar David Friedrich und die Düsseldorfer Romantiker“.

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