Kunstkritik

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Um es gleich zu sagen: Manets „Olympia“ und sein herrlich skandalöses „Frühstück im Grünen“ kleben nur als Fototapeten im Von der Heydt-Museum. Wir sind nun mal in Wuppertal und können von Paris nur träumen. Désolée, Mesdames et Messieurs, tut mir leid! Die Originale blieben im Musée d’Orsay, was immerhin so gnädig war, eine Miniatur namens „Die Zitrone“ auszuleihen. Doch auch ohne die weltberühmten Bilder ist die Schau um Edouard Manet (1832-1882) und seine Kollegen allemal einen Kunstausflug wert.

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Bei dieser Schau hat kein Kurator seinen Ehrgeiz befriedigt. 140 Mitglieder des Künstlervereins Malkasten, darunter 80 Frauen, zeigen einfach „Bilder, die wir lieben“ – und zwar im kleinen Format und zu Preisen, für die es an der Kö noch nicht mal ein Handtäschchen gibt. Zugegeben: Die Qualität schwankt, und von einheitlicher Ästhetik kann keine Rede sein. Bei der Jahresausstellung des Vereins darf allerlei gezeigt werden, sofern es vom Profi kommt. Die Malerin Ulrike Zilly, Meisterschülerin der Akademie und gefragte Porträtistin, weiß gerade dieses Konzept zu schätzen: „Es ist frei!“

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Die Lady ist inzwischen 102 Jahre alt. Sie wohnt immer noch in ihrem Wohnatelier in Manhattan und arbeitet täglich an ihrer Kunst – wenn auch mit Hilfe eines Assistenten, der für sie Linien abklebt und Farben mischt. Carmen Herrera, 1915 auf Kuba geborene Malerin mit amerikanischem Pass, hat verdammt lange auf ihre Anerkennung warten müssen. Die Boys ihrer Generation, von Jackson Pollock bis Ellsworth Kelly, waren einfach zu dominant. Doch sie hat alle überlebt. Und jetzt ist ihre Zeit. Das coole New Yorker Whitney Museum hat Carmen Herrera 2016 eine Ausstellung gewidmet, die nun, repräsentativ erweitert, im Düsseldorfer K20 zu sehen ist: „Lines of Sight“.

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O je, bei einer Revolution wäre auf das deutsche Feuilleton kein Verlass. Brav stellen sich alle kunst-klugen Kritiker vor der „Passkontrolle“ im NRW-Forum Düsseldorf an, um „Deuscthland“ zu sehen; also Jan Böhmermann und die Bildundtonfabrik im Museumsformat anstatt im ZDF. Einer gibt sogar den Streber: „Wie bei Gursky“, flüstert er mit Kennermiene laut genug, um die bewundernden Blicke der Umstehenden zu ernten.

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Nun gucken Sie nicht so ratlos! Die aktuelle Ausstellung im K21, „Against Photography“ von Akram Zaatari, ist „interessant, tiefgründig, unglaublich wertvoll“. Das hat Professor Dr. Susanne Gaensheimer, die neue Direktorin der Kunstsammlung NRW, der Presse versichert. Und sie ist sich einig mit den Kuratoren Hiuwai Chu und Bartomeu Marí aus Seoul und Barcelona, mit denen die Düsseldorfer Kuratorin Doris Krystof freundschaftlich kooperiert. Der Katalog, ab Dezember erhältlich, wird derzeit in Katalonien produziert, leider nur auf Englisch. Die vereinigten Kuratoren sind überaus „grateful“, dankbar. Dann geben wir uns doch auch mal ein bisschen Mühe.

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Tja, liebe Kölner, es tut uns leid: Im lustigen Konkurrenzkampf zwischen den rheinischen Metropolen haben wir Schicki-Mickis gerade mal wieder die Nase vorn. Eure Art.Fair heißt jetzt Art Düsseldorf und ist, nach 14 Jahren in Köln, mit wehenden Fahnen und zwei Top-Managern in unsere coolste Industrie-Location gezogen: das Böhler-Areal an der Grenze zu Meerbusch. Dort präsentieren die Direktoren Walter Gehlen und Andreas Lohaus in zwei Hallen eine Kunstmesse, die so schön ist, dass man sich auch als mittelloser Besucher dafür begeistern kann.

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So ein Übergang ist ja immer auch eine diplomatische Herausforderung. Felix Krämer, der neue Generaldirektor im Kunstpalast, hatte gar nichts zu tun mit der Planung der Ausstellung „Magische Natur“. Aber der unspektakuläre Vergleich von Waldmotiven des Goethe-Zeitgenossen Carl Wilhelm Kolbe (1759-1835) mit drei aktuellen Positionen ist nun mal die erste Sache, die er als Museumschef den Düsseldorfern zu präsentieren hat. Und so versichert Krämer, dass er damit „ausgesprochen glücklich“ sei und die „Vielfalt der Sammlung“ zu schätzen wisse.

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Es ist, als habe sie jetzt alles erledigt. Das Buch über ihr Leben. Eine letzte Ausstellung. Gabriele Henkel konnte nicht mehr zur Eröffnung ihrer Präsentation von Porzellan und Aquarellen im Hetjens-Museum kommen. Niemand ahnte, wie schwach sie war. Keine zwei Tage nach der Vernissage ist sie im Alter von 85 Jahren gestorben. So wird das melancholisch-schöne Arrangement mit dem Titel „Stillleben“ unversehens zur Kunst des Gedenkens.

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Hey, Sie da mit dem hochgereckten Smartphone! Ist die Fotografie überhaupt noch eine Kunst? Eine heikle Frage. Die allgegenwärtige Technik, diese Domina des 21. Jahrhunderts, ermöglicht jedem Laien gelungene Bilder. Es wird gepostet, bis es uns vor den Augen flimmert. Und doch behauptet sich das besondere Werk – durch Konzept, Konsequenz, Reduktion und das gute alte Gespür für Motiv und Augenblick. Fotografie kann immer noch eine hohe Kunst sein, der Malerei ebenbürtig. Das beweist Axel Hütte in der wunderbaren Ausstellung „Night and Day“ im Museum am Ehrenhof.

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Alle Jahre wieder geben die Düsseldorfer „Kunstpunkte“ dem interessierten Laien an zwei Wochenenden rund 500 Möglichkeiten, Ateliers zu besuchen und die verborgenen Schätze der Kreativen aufzuspüren. Genauer gesagt, sind es diesmal 427 beteiligte Düsseldorfer Künstler plus 65 Gäste an 248 Orten – ohne die sogenannten Off-Räume. Die Tapferen schnappen sich den geheimnisvollen Faltplan (die Karte ist ein kleingedruckter Sternenhimmel und endet im Nirwana) und suchen selbst nach Erleuchtung. Man kann aber auch stressfrei mit dem leider ausgebuchten Shuttle-Bus fahren.

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Der Titel weckt erhabene Gefühle: „Art et Liberté“, Kunst und Freiheit! Man erwartet das große Ganze, Wunderbare. Doch im K20, dem schwarz glänzenden Kunsttempel des 20. Jahrhunderts, geht es in diesem Sommer nur um ein sehr spezielles Thema: das vergessene Wirken einer Gruppe ägyptischer Surrealisten um 1940. Mit der vom Pariser Centre Pompidou übernommenen und von einem Scheich gesponserten Schau überbrückt man die Wartezeit bis zum Antritt der neuen Direktorin Susanne Gaensheimer.

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Die Düsseldorfer Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch sah das Projekt in Dresden im Februar und sprach Initiatorin Heidrun Hannusch sofort an, um „Lampedusa 361“ nach Düsseldorf . Die Autorin ist der Frage nachgegangen, was mit den Leichnamen der Menschen passiert, die auf der Flucht nach Norden im Mittelmeer ertrinken. Und sie traf Italiener, die Fremde in ihrer Familiengruft aufnahmen, um ihnen wenigstens einen würdigen Tot zu bieten, Bürgermeister, die Trauerreden hielten und kleine Dörfer auf Sizilien, die auf ihren Friedhöfen Platz schaffen. Auf Matten gedruckten Großfotos zeigen dies. Im Gespräch mit report-D zog Heidrun Hannusch ein bewegendes Fazit der Ausstellung am Kö-Bogen.

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Es gab eine Zeit, als der Name Achenbach noch nicht mit einem wegen Betrugs verurteilten Kunstgeschäftemacher verbunden wurde. Schluss mit der Aufregung um Helge Achenbach! Denken Sie lieber mal an Andreas Achenbach (1815-1910)! Er war ein Star der Düsseldorfer Malerschule, Meister der romantischen Landschaften und dramatischen Seestücke, Darling der besseren Gesellschaft und zugleich ein Freigeist, der die kecksten Karikaturen zeichnete. Das Museum am Ehrenhof würdigt diesen grandiosen Künstler jetzt einen Sommer lang.

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Das Kostbare muss erst einmal erkannt werden. Wer nichts von historischen Emailgläsern versteht, könnte so einen lustig bunt bemalten Humpen glatt für irgendeinen Kitsch halten. Dabei hat womöglich ein barocker Kurfürst sein Bier daraus getrunken. Die verbreitete Unkenntnis auf dem schmalen Fachgebiet des Emailgläserwesens hat dem Sammler Hans-Jürgen Schicker in den letzten 40 Jahren gelegentlich ein Schnäppchen beschert. Die besten 50 Stücke seiner kleinen, aber exklusiven Kollektion sind jetzt im Seitenflügel des Kunstmuseums zu sehen.

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Wer in der Kunst nach Seelenruhe sucht, der sollte vielleicht lieber seinen Zier-Buddha im Garten betrachten. In der Stoschek Collection braucht der Mensch eine Bereitschaft, die Aufmerksamkeit strapazieren zu lassen. Videokunst, diese subjektive Verwendung der Filmtechnik ohne cineastische Absicht, ist nichts für schwache Nerven. Besonders herausfordernd wirkt eine Ansammlung von Videokunst ohne den üblichen Ausgleich durch Bilder oder Skulpturen. Für Julia Stoschek, die Sammlerin, Sponsorin und Stifterin eines europaweit einmaligen Ausstellungshauses für nichts als flimmernde, immaterielle Werke, gibt es nichts Spannenderes.

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