Kunstkritik

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Sorry, solche Fragen müssen erlaubt sein: Ist es sinnvoll, das Düsseldorfer Landesmuseum für zeitgenössische Kunst zu bespielen, als sei es Teil einer Documenta oder Biennale? Ist die Anerkennung von internationalen Expertencliquen wichtiger als die Kenntnisse und Neigungen des Publikums? Nach dem libanesischen Konzeptkünstler Zaatari stellt Direktorin Susanne Gaensheimer im K21 nun das indische Künstler- und Kuratorenkollektiv „Raqs Media Collective“ vor. Weder dieser hierzulande unbekannte Name noch das Plakat mit einem eher abweisend wirkenden Handabdruck dienen der Reklame. Nur entschieden interessierte Besucher des Ständehauses werden im Souterrain den Einfällen von Raqs folgen.

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So ein dicker kleiner Hund mit eingedrückter Nase, tiefen Falten und einem eher schweinischen Ringelschwänzchen gehört ja nicht gerade zu den anmutigen Tieren. Doch Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Und wenn der Mops sein Köpfchen schief legt und goldig guckt mit seinen Glotzaugen, ist auch der Mopsverächter gerührt. „Charme, Würde und Intelligenz“ wird dem Mops vom Rassehundverband FCI bescheinigt. Treu, mutig und gutmütig ist er sowieso. Und auch sehr drollig in Meissner Porzellan, wie die populäre Frühjahrsausstellung des Hetjens Museums beweist.

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Er ist der Mann mit dem Hut in der hinteren Reihe, dritter von links. Auf dem berühmten Bild der „Zeitgenossen“, das Arthur Kaufmann 1925 vom Düsseldorfer Künstlerkreis um Johanna Ey malte, lugt Jankel Adler mit seinem dunklen, skeptischen Blick hinter der Schauspielerin Hilde Schewior hervor. Dabei wirkt er, schrieb die Kunstgeschichtserzählerin Anna Klapheck, wie einer, „der für einen Augenblick hinzugekommen ist und gleich wieder gehen wird“.

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Jetzt wollen wir mal hoffen, dass der Frühling bald recht kunterbunt aufblüht. Denn solange draußen das Wetter dermaßen die Stimmung trübt, will man drinnen nicht unbedingt auch noch vorwiegend graue Kunst sehen. Der neutrale Mischton aus Schwarz und Weiß ist, sagte der Maler und Grau-Experte Gerhard Richter 2004 in einem Interview, „die ideale Farbe für Meinungslosigkeit, Aussageverweigerung, Schweigen, Hoffnungslosigkeit“. Auweia. Doch abgesehen von diesen bleischweren Zuweisungen ist die Nicht-Farbe auch schön – wie man in der Ausstellung „Black & White: Von Dürer bis Eliasson“ im Düsseldorfer Kunstpalast erkennen kann.

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Der große Meister starb verarmt. Nach großen Erfolgen hatte er seinen Reichtum verjubelt. Aber die Nachwelt rückte Rembrandt Harmenszoon van Rijn (1606-1669), das neunte Kind eines niederländischen Müllers, alsbald in den Olymp der barocken Künste. Schon das 18. Jahrhundert huldigte ihm. Kunstconnaisseur Lambert Krahe (1712-1790), Gründungsdirektor der Düsseldorfer Akademie, sammelte begeistert die Radierungen Rembrandts und verkaufte sie später mit seinen übrigen Schätzen den bergischen Landständen – als Studienmaterial für die Studenten. 230 Rembrandt-Blätter aus Akademie-Besitz gehören heute zur Sammlung des Kunstmuseums. Da liegt es nahe, ein „Rembrandt-Experiment“ mit Kunststudierenden zu wagen.

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Was macht den Menschen zum Künstler? Das Talent, gewiss. Die Lust am eigenen Werk. Aber dazu kommt noch eine profunde Entscheidung, eine Ablösung von den verlockenden Zeitverschwendungen der Gegenwart, die Konzentration auf den freien, zweckverachtenden Gedanken und vor allem: Unbeirrbarkeit. All das spürt man bei der Düsseldorfer Malerin und Lyrikerin Johanna Hansen, wenn man sie in der Cité des Arts von Paris besucht und zwischen betörenden neuen Aquarellen einen zarten Tee mit ihr trinkt.

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„Mehr Licht!“ Diese letzten Worte auf dem Sterbebett wurden dem großen Johann Wolfgang von Goethe vermutlich nur angedichtet. Aber zweifellos war das Wirken gegen die Finsternis ein Leben lang eins der großen Themen des allseits verehrten Schriftstellers und Universalgelehrten, der zweimal, 1774 und 1792, das Städtchen Düsseldorf und den Freund Jacobi mit seiner Anwesenheit beehrte. Mehr Licht gibt es nun endlich im zuvor stark eingestaubten Düsseldorfer Goethe-Museum: frische weiße Farbe, neue Lampen, helle Vorhänge – und ein neues Konzept. Was uns Goethe heute noch zu sagen hat, wie modern er ist, will Direktor Christof Wingertszahn im Schloss Jägerhof der Welt zeigen. Eine weithin leuchtende Kunstausstellung von Heinz Mack wird das Publikum locken – mit „Taten des Lichts“.

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Ohne Frage: Im Vorfeld dieses Ereignisses wurde peinlich laut gestritten. Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel, zu Machtproben neigend, wollte das von Galeristin Clara Maria Sels geleitete Photo-Weekend partout unter städtische Kontrolle bringen. Alain Bieber vom NRW-Forum sollte der alleinige Chef sein. Doch Frau Sels, nicht schüchtern, macht weiter ihre eigene Show. Nun haben wir also zwei Festivals: „Duesseldorf Photo“ (bis 25. Februar, amtlich) und „Duesseldorf Photo Weekend 2018“ (bis 18. Februar, privat). Beide werben und kämpfen getrennt, doch gleichzeitig. Das mag absurd sein. Aber unter Ausblendung des großen Gekeifes kann das Publikum sich freuen: So viel Photo gab’s nie. Mindestens 300 Fotokünstler werden in mindestens 100 Ausstellungsräumen präsentiert.

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Da soll noch mal einer behaupten, Kunstsammeln sei nur ein hochgestochenes Hobby für die Herrschaften der High Society. Bei der „Großen“ Düsseldorfer Ausstellung im Ehrenhof gibt es wieder das kleine Format für niedrige dreistellige Summen. Ein Stillleben fürs Esszimmer? Ein tolles Kuba-Foto? Eine witzige Malerei? Maßstab ist nicht der Spekulationswert, sondern die Freude an der eigenen Sammlung. Aber die Schau am Ehrenhof ist nicht nur ein Kunstmarkt, sondern auch eine ambitionierte Inszenierung.

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Um es gleich zu sagen: Manets „Olympia“ und sein herrlich skandalöses „Frühstück im Grünen“ kleben nur als Fototapeten im Von der Heydt-Museum. Wir sind nun mal in Wuppertal und können von Paris nur träumen. Désolée, Mesdames et Messieurs, tut mir leid! Die Originale blieben im Musée d’Orsay, was immerhin so gnädig war, eine Miniatur namens „Die Zitrone“ auszuleihen. Doch auch ohne die weltberühmten Bilder ist die Schau um Edouard Manet (1832-1882) und seine Kollegen allemal einen Kunstausflug wert.

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Bei dieser Schau hat kein Kurator seinen Ehrgeiz befriedigt. 140 Mitglieder des Künstlervereins Malkasten, darunter 80 Frauen, zeigen einfach „Bilder, die wir lieben“ – und zwar im kleinen Format und zu Preisen, für die es an der Kö noch nicht mal ein Handtäschchen gibt. Zugegeben: Die Qualität schwankt, und von einheitlicher Ästhetik kann keine Rede sein. Bei der Jahresausstellung des Vereins darf allerlei gezeigt werden, sofern es vom Profi kommt. Die Malerin Ulrike Zilly, Meisterschülerin der Akademie und gefragte Porträtistin, weiß gerade dieses Konzept zu schätzen: „Es ist frei!“

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Die Lady ist inzwischen 102 Jahre alt. Sie wohnt immer noch in ihrem Wohnatelier in Manhattan und arbeitet täglich an ihrer Kunst – wenn auch mit Hilfe eines Assistenten, der für sie Linien abklebt und Farben mischt. Carmen Herrera, 1915 auf Kuba geborene Malerin mit amerikanischem Pass, hat verdammt lange auf ihre Anerkennung warten müssen. Die Boys ihrer Generation, von Jackson Pollock bis Ellsworth Kelly, waren einfach zu dominant. Doch sie hat alle überlebt. Und jetzt ist ihre Zeit. Das coole New Yorker Whitney Museum hat Carmen Herrera 2016 eine Ausstellung gewidmet, die nun, repräsentativ erweitert, im Düsseldorfer K20 zu sehen ist: „Lines of Sight“.

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O je, bei einer Revolution wäre auf das deutsche Feuilleton kein Verlass. Brav stellen sich alle kunst-klugen Kritiker vor der „Passkontrolle“ im NRW-Forum Düsseldorf an, um „Deuscthland“ zu sehen; also Jan Böhmermann und die Bildundtonfabrik im Museumsformat anstatt im ZDF. Einer gibt sogar den Streber: „Wie bei Gursky“, flüstert er mit Kennermiene laut genug, um die bewundernden Blicke der Umstehenden zu ernten.

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Nun gucken Sie nicht so ratlos! Die aktuelle Ausstellung im K21, „Against Photography“ von Akram Zaatari, ist „interessant, tiefgründig, unglaublich wertvoll“. Das hat Professor Dr. Susanne Gaensheimer, die neue Direktorin der Kunstsammlung NRW, der Presse versichert. Und sie ist sich einig mit den Kuratoren Hiuwai Chu und Bartomeu Marí aus Seoul und Barcelona, mit denen die Düsseldorfer Kuratorin Doris Krystof freundschaftlich kooperiert. Der Katalog, ab Dezember erhältlich, wird derzeit in Katalonien produziert, leider nur auf Englisch. Die vereinigten Kuratoren sind überaus „grateful“, dankbar. Dann geben wir uns doch auch mal ein bisschen Mühe.

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Tja, liebe Kölner, es tut uns leid: Im lustigen Konkurrenzkampf zwischen den rheinischen Metropolen haben wir Schicki-Mickis gerade mal wieder die Nase vorn. Eure Art.Fair heißt jetzt Art Düsseldorf und ist, nach 14 Jahren in Köln, mit wehenden Fahnen und zwei Top-Managern in unsere coolste Industrie-Location gezogen: das Böhler-Areal an der Grenze zu Meerbusch. Dort präsentieren die Direktoren Walter Gehlen und Andreas Lohaus in zwei Hallen eine Kunstmesse, die so schön ist, dass man sich auch als mittelloser Besucher dafür begeistern kann.

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