Kunstkritik

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Tja, liebe Kölner, es tut uns leid: Im lustigen Konkurrenzkampf zwischen den rheinischen Metropolen haben wir Schicki-Mickis gerade mal wieder die Nase vorn. Eure Art.Fair heißt jetzt Art Düsseldorf und ist, nach 14 Jahren in Köln, mit wehenden Fahnen und zwei Top-Managern in unsere coolste Industrie-Location gezogen: das Böhler-Areal an der Grenze zu Meerbusch. Dort präsentieren die Direktoren Walter Gehlen und Andreas Lohaus in zwei Hallen eine Kunstmesse, die so schön ist, dass man sich auch als mittelloser Besucher dafür begeistern kann.

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So ein Übergang ist ja immer auch eine diplomatische Herausforderung. Felix Krämer, der neue Generaldirektor im Kunstpalast, hatte gar nichts zu tun mit der Planung der Ausstellung „Magische Natur“. Aber der unspektakuläre Vergleich von Waldmotiven des Goethe-Zeitgenossen Carl Wilhelm Kolbe (1759-1835) mit drei aktuellen Positionen ist nun mal die erste Sache, die er als Museumschef den Düsseldorfern zu präsentieren hat. Und so versichert Krämer, dass er damit „ausgesprochen glücklich“ sei und die „Vielfalt der Sammlung“ zu schätzen wisse.

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Es ist, als habe sie jetzt alles erledigt. Das Buch über ihr Leben. Eine letzte Ausstellung. Gabriele Henkel konnte nicht mehr zur Eröffnung ihrer Präsentation von Porzellan und Aquarellen im Hetjens-Museum kommen. Niemand ahnte, wie schwach sie war. Keine zwei Tage nach der Vernissage ist sie im Alter von 85 Jahren gestorben. So wird das melancholisch-schöne Arrangement mit dem Titel „Stillleben“ unversehens zur Kunst des Gedenkens.

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Hey, Sie da mit dem hochgereckten Smartphone! Ist die Fotografie überhaupt noch eine Kunst? Eine heikle Frage. Die allgegenwärtige Technik, diese Domina des 21. Jahrhunderts, ermöglicht jedem Laien gelungene Bilder. Es wird gepostet, bis es uns vor den Augen flimmert. Und doch behauptet sich das besondere Werk – durch Konzept, Konsequenz, Reduktion und das gute alte Gespür für Motiv und Augenblick. Fotografie kann immer noch eine hohe Kunst sein, der Malerei ebenbürtig. Das beweist Axel Hütte in der wunderbaren Ausstellung „Night and Day“ im Museum am Ehrenhof.

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Alle Jahre wieder geben die Düsseldorfer „Kunstpunkte“ dem interessierten Laien an zwei Wochenenden rund 500 Möglichkeiten, Ateliers zu besuchen und die verborgenen Schätze der Kreativen aufzuspüren. Genauer gesagt, sind es diesmal 427 beteiligte Düsseldorfer Künstler plus 65 Gäste an 248 Orten – ohne die sogenannten Off-Räume. Die Tapferen schnappen sich den geheimnisvollen Faltplan (die Karte ist ein kleingedruckter Sternenhimmel und endet im Nirwana) und suchen selbst nach Erleuchtung. Man kann aber auch stressfrei mit dem leider ausgebuchten Shuttle-Bus fahren.

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Der Titel weckt erhabene Gefühle: „Art et Liberté“, Kunst und Freiheit! Man erwartet das große Ganze, Wunderbare. Doch im K20, dem schwarz glänzenden Kunsttempel des 20. Jahrhunderts, geht es in diesem Sommer nur um ein sehr spezielles Thema: das vergessene Wirken einer Gruppe ägyptischer Surrealisten um 1940. Mit der vom Pariser Centre Pompidou übernommenen und von einem Scheich gesponserten Schau überbrückt man die Wartezeit bis zum Antritt der neuen Direktorin Susanne Gaensheimer.

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Die Düsseldorfer Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch sah das Projekt in Dresden im Februar und sprach Initiatorin Heidrun Hannusch sofort an, um „Lampedusa 361“ nach Düsseldorf . Die Autorin ist der Frage nachgegangen, was mit den Leichnamen der Menschen passiert, die auf der Flucht nach Norden im Mittelmeer ertrinken. Und sie traf Italiener, die Fremde in ihrer Familiengruft aufnahmen, um ihnen wenigstens einen würdigen Tot zu bieten, Bürgermeister, die Trauerreden hielten und kleine Dörfer auf Sizilien, die auf ihren Friedhöfen Platz schaffen. Auf Matten gedruckten Großfotos zeigen dies. Im Gespräch mit report-D zog Heidrun Hannusch ein bewegendes Fazit der Ausstellung am Kö-Bogen.

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Es gab eine Zeit, als der Name Achenbach noch nicht mit einem wegen Betrugs verurteilten Kunstgeschäftemacher verbunden wurde. Schluss mit der Aufregung um Helge Achenbach! Denken Sie lieber mal an Andreas Achenbach (1815-1910)! Er war ein Star der Düsseldorfer Malerschule, Meister der romantischen Landschaften und dramatischen Seestücke, Darling der besseren Gesellschaft und zugleich ein Freigeist, der die kecksten Karikaturen zeichnete. Das Museum am Ehrenhof würdigt diesen grandiosen Künstler jetzt einen Sommer lang.

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Das Kostbare muss erst einmal erkannt werden. Wer nichts von historischen Emailgläsern versteht, könnte so einen lustig bunt bemalten Humpen glatt für irgendeinen Kitsch halten. Dabei hat womöglich ein barocker Kurfürst sein Bier daraus getrunken. Die verbreitete Unkenntnis auf dem schmalen Fachgebiet des Emailgläserwesens hat dem Sammler Hans-Jürgen Schicker in den letzten 40 Jahren gelegentlich ein Schnäppchen beschert. Die besten 50 Stücke seiner kleinen, aber exklusiven Kollektion sind jetzt im Seitenflügel des Kunstmuseums zu sehen.

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Wer in der Kunst nach Seelenruhe sucht, der sollte vielleicht lieber seinen Zier-Buddha im Garten betrachten. In der Stoschek Collection braucht der Mensch eine Bereitschaft, die Aufmerksamkeit strapazieren zu lassen. Videokunst, diese subjektive Verwendung der Filmtechnik ohne cineastische Absicht, ist nichts für schwache Nerven. Besonders herausfordernd wirkt eine Ansammlung von Videokunst ohne den üblichen Ausgleich durch Bilder oder Skulpturen. Für Julia Stoschek, die Sammlerin, Sponsorin und Stifterin eines europaweit einmaligen Ausstellungshauses für nichts als flimmernde, immaterielle Werke, gibt es nichts Spannenderes.

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Wir Düsseldorfer meckern gerne bei einem schönen Gläschen Crémant über den Grand Départ, den großen Start der Tour de France 2017 in unserem Möchte-gern-Klein-Paris. Ein einziger Reklamerummel sei das, viel Geld, Gedöns und blöde Dekoration für ein paar Momente, die nur Radsport-Fans interessieren. Aber halt, die Chose hat auch kulturelle Aspekte, ja, da staunen Sie, Mesdames et Messieurs! Im NRW-Forum, dieser Forschungsstation für eine Philosophie der westlichen Lebensart, wurde soeben eine Ausstellung über den „Mythos Tour de France“ eröffnet, die auch Sportschau-Verächtern gefallen wird.

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Es könnte sein, dass Sie an der Kasse von K21 ein paar aufgekratzte junge Leute treffen, die so gar nicht zum üblichen Klientel flüsternder und schreitender Museumsbesucher passen. Das liegt an Tomás Saraceno (43). Seit der argentinische Installationskünstler 2013 seine begehbare Stahlnetzkonstruktion „in orbit“ unter dem Glasdach des ehemaligen Ständehauses angebracht hat, ist es cool, dort das Abenteuer zu suchen. Sechs neue Mini-Ausstellungen machen den Besuch im neuen Teil der Landesgalerie zudem noch ein bisschen spannender.

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Irgendetwas bleibt immer unerledigt. Beat Wismer, der scheidende Chef des Museums Kunstpalast, wollte eigentlich noch eine große Ausstellung über das Weiterleben der abstrakten Kunst machen. Zu spät. Jetzt hat er ganz entspannt ein paar gegenstandslose Lieblingsstücke aus der Sammlung ausgesucht und präsentiert sie als Teil seiner langen Zeremonie des Abschieds im Erdgeschoss-Saal: „Beauty is a Rare Thing“, Schönheit ist ein seltenes Ding.

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Der Meister hat die Forschung ausgetrickst: Welcher Pinselstrich von ihm selbst ausgeführt wurde, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit sagen. Denn Lucas Cranach der Ältere (1472-1553), der begnadete Maler, war vor allem ein gewiefter Kunstunternehmer. Mit seiner Wittenberger Werkstatt produzierte er Tausende von Gemälden und zigtausend Grafiken der Marke Cranach. Sein professionelles Team – ein Dutzend Gesellen, später auch die eigenen Söhne Hans und Lukas der Jüngere – musste seinen Stil so perfekt beherrschen, als wär’s ein Stück vom Chef persönlich. Die Kundschaft hatte nichts dagegen. Das Signet der Cranach-Werkstatt, eine Schlange mit Fledermausflügeln, galt als Garantie für Qualität und Prestige.

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Nein, das ist keine dieser Ausstellungen, die jeden Museumsbesucher auf Anhieb betören. Ehrlich gesagt, könnte man die vergilbten und ergrauten Papiere, oft nur Fetzen, in ihren dezenten Rahmen leicht übersehen – auf dem Weg zu spektakulärer Malerei. Doch ehe uns der alte Meister Cranach (ab 8. April) mit seinen raffinierten Schönheiten in den Kunstpalast lockt, sollten wir doch einen Blick werfen auf „Idea et Inventio“ (Idee und Erfindung), eine Auswahl von 100 italienischen Zeichnungen des 15. und 16 Jahrhunderts aus der historischen Sammlung der Kunstakademie.

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