Kunstkritik

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Er war ein braver Student, versichert Thomas Ruff (62). In der Akademie-Klasse des legendären Professoren-Paars Bernd und Hilla Becher folgte er vor über 40 Jahren dem, was er „das Dogma“ nennt, und produzierte dokumentarische Schwarz-Weiß-Fotografie nach dem Geschmack der Meister. Innenräume waren sein Thema. Doch dann knipste er nebenbei für 50 Mark Honorar die Objekte von Bildhauerkollegen, wunschgemäß in Farbe. Das gefiel ihm. Er traute sich, auch für die Interieurs einen Colorfilm zu nutzen. Bernd Becher gab ihm den Segen, und Ruff entwickelte seine eigenen, eigenwilligen Konzepte, die jetzt im K20 präsentiert werden.

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Jovita Majewski lebt nicht im Wolkenkuckucksheim der Kunst. Die 33-jährige Meisterschülerin von Weltstar Katharina Fritsch bezieht sich immer wieder auf die Realitäten dieses Planeten, sie übernimmt wie selbstverständlich auch Verantwortung für Umweltfragen. Vor einem Jahr schuf sie mit Schülern fantastische Skulpturen aus Müll, der am Rheinufer gefunden wurde. Im KIT war das verblüffende Ergebnis zu sehen. Jetzt kuratierte die Malerin anlässlich des RhineCleanUp eine Ausstellung mit fünf Kollegen. Die „Zyklen“ sind in der Oberkasseler Galerie OK25 zu sehen – ganz nah am Ufer des Stroms.

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So ist das in dieser Zeit. Manchmal fühlt man sich selbst als Teil einer rätselhaften Performance – zum Beispiel, wenn man auch in einem luftig-leeren Ausstellungssaal die Maske tragen muss. Anders als in den Amüsier-Gassen der Altstadt kann ja in der Kunsthalle am Grabbeplatz von Gedränge keine Rede sein. Nur vereinzelte Freunde junger Kunst interessieren sich für die Werke von Akademie-Absolventen, denen die mit Versicherungen handelnde Firma BEST in den letzten zehn Jahren ein Stipendium gegeben hat: „Surprize“ ist der Titel, so wie Überraschung (englisch: surprise) und Preis (prize).

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Während die Kunstsammlung NRW und die städtische Kunsthalle vorwiegend spröde Konzepte verfolgen, macht uns das kleine, vernachlässigte Goethe-Museum wieder einmal glücklich mit einer lyrisch-malerischen Ausstellung von einem der wirklich großen Düsseldorfer Künstler. Nach Heinz Mack 2018 huldigt nun Günther Uecker im Schloss Jägerhof dem Geist der Poesie und zeigt Werke, die der Schönheit des Wortes gewidmet sind. Wie einst Goethe liebt Uecker besonders die Verse des altpersischen Dichters Hafis (auch Hãfez, 1315-1319), ihm widmete er ein farbenglühendes Mappenwerk. Man kann davon nur schwärmen.

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Als Kurator Carl Friedrich Schröer den Plan fasste, den jungen Leuten in der Shabby-Chic-Location „Weltkunstzimmer“ mal zu zeigen, wer eigentlich Anatol Herzfeld ist, lebte der markante Künstler noch. Er verbrachte die schönen Tage vor seinem Holzatelier in der Auenlandschaft des Museums Insel Hombroich, zeichnete oder setzte Figuren aus rostigem Eisen in den Garten. Jeder durfte ihm zusehen. Doch dann stürzte Anatol und starb im Mai 2019, 88-jährig, nach einem verrückten, erfüllten Leben. Die von Schröer und Sabine Hegel arrangierte Schau an der Ronsdorfer Straße spielt nun mit der Erinnerung.

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Wir wollen ja alle artig sein, unsere Schutzmasken tragen und die Hygieneregeln beachten in dieser atemberaubenden Zeit. Aber je anstrengender der Alltag im Corona-Modus ist, umso dringender brauchen wir Erholung für Körper und Geist. Was kann jetzt angenehmer sein als ein Spaziergang zur Kunst, unter freiem Himmel, ganz zwanglos? Im Malkastenpark, der sich im Herbst besonders romantisch verfärben wird, hat der freie Düsseldorfer Kurator Wilko Austermann (30) eine witzig-poetische Skulpturenausstellung inszeniert.

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Alles fließt dahin – sogar die Angst vor Corona. Als der Düsseldorfer Allroundkünstler Stephan Kaluza im April sein Rhein-Fotobanner an der Fassade des Düsseldorfer Andreas Quartiers präsentierte, durften die Medienmenschen nur einzeln und draußen vortreten. Jetzt, im August, kann von virologischer Entwarnung keine Rede sein, aber man saß entspannt in der Lounge beim Kaffee. Die Show muss weitergehen, das Leben braucht Kultur und Abwechslung. „Kommt r(h)ein“ heißt deshalb die Indoor-Fortsetzung von Kaluzas Fotoprojekt.

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Nur die Mutigen wagen sich ja nachts noch auf den Burgplatz, wo sich das Partyvolk gern allzu heftig amüsiert. Zur Premiere von Jan Isings Videospektakel „Faces of Düsseldorf“ drohte zum Glück ein Unwetter. Es hielt die Massen fern – und zog dann doch vorbei. Hinter den Topfpalmen der Schlüssel-Terrasse ging karibisch die Sonne unter, friedliche Erwartung machte sich breit, und das acht Meter hohe, weiße 3-D-Gesicht, das über Tag still mit einer riesigen roten Atemschutzmaske an seinem Gerüst hängt, wurde virtuell lebendig. Und macht seine Show allabendlich bis Anfang Oktober.

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In der verwunschenen Zeit des Lockdowns war der Lantz’sche Park im Düsseldorfer Stadtteil Lohausen eine besondere Zuflucht: Wo sonst der Fluglärm bis zur Unerträglichkeit dröhnt, zwitscherten die Vögel mit Inbrunst, es herrschte Frieden unter den alten Bäumen. Auch jetzt ist die Fliegerei noch reduziert, nur gelegentlich verschlägt ein Düsenjet den Spaziergängern die Sprache. Und es gibt einen erfreulichen Anlass, das 14,5 Hektar große Gelände zu besuchen: Kunsthallenchef Gregor Jansen hat den Skulpturenpark wiederbelebt.

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Die harten Kerle sind weit gereist in den letzten 25 Jahren. Sie standen stramm vor den Pyramiden und am Matterhorn, auf der Chinesischen Mauer, in Moskau, Paris, Rom und im Rittersaal eines oberschwäbischen Schlosses. Aus Müll hat HA Schult seine friedliche Armee der „Trash People“ geschaffen, und wer sie einmal gesehen hat, vergisst sie nicht mehr. Eigentlich hätten die markanten Typen in diesem Frühjahr vor dem Mailänder Dom antreten sollen. Aber Corona kam dazwischen, auch aus einem Afrika-Projekt wurde nichts. Dafür machen 100 von Schults 1000 reisenden Müll-Männern jetzt „HALT im Glashaus“ an der Düsseldorfer Kapuzinergasse.

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Nein, die Künstlerin möchte nicht fotografiert werden – Sabrina Fritsch ist eigen. Aber es tragen ja sowieso alle ihre verschnauften Masken im Gesicht, Menschen machen derzeit nichts her. Dafür leuchtet umso mehr der Saal 4 im zweiten Stock des Kunstpalasts, wo für zwei Wochen elf Bilder der Trägerin des neu konzipierten Landsberg-Preises auf ungewöhnlich farbig gestalteten Wänden zu sehen sind. „Charlie Mike Yankee Kilo“ ist der augenzwinkernde Titel für das Gesamterlebnis, so buchstabiert man CMYK, die Abkürzung für die vier Grundfarben des Offsetdrucks: Cyan, Magenta, Yellow und Key – Blau, Rot, Gelb und Schwarz.

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Hätte Charlotte Posenenske geahnt, wie sie im fernen Jahr 2020 geehrt werden würde, hätte sie 1968 ihr Werk vielleicht nicht resigniert aufgegeben, um dann doch lieber Soziologie zu studieren. Nach entschlossenen Aktionen in der wilden Zeit der Nachkriegs-Avantgarde kam ihr das künstlerische Handeln mit einem Mal völlig wirkungslos vor. Tatsächlich wurde ihr Name weitgehend vergessen – bis Susanne Gaensheimer, Direktorin der Kunstsammlung NRW und immer auf der Suche nach weiblichen Positionen der Moderne, beschloss, die minimalistischen Konzepte der 1985 verstorbenen Charlotte Posenenske im großen Saal des K20 wie eine Offenbarung zu präsentieren.

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Reine Nervensache, in diesen Tagen die Kunst zu suchen. Statt einer Vernissage gab es im Hetjens-Museum eine abendliche „Sonderöffnung“, bei der ordentlich maskierte Besucher einzeln und paarweise vorgelassen wurden und sich nach Plan stets vorwärts, nie zurück bewegen durften. Die atemberaubenden Zwänge der Corona-Krise haben uns alle im Griff. Doch man darf sich nicht abschrecken lassen. Denn die Keramiken des Düsseldorfer Bildhauers Thomas Schütte sind einfach hinreißend und sorgen für Heiterkeit und Seelenruhe

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Die Krise bringt es an den Tag: Kneipen, Kitas und Kaufmannsläden werden schmerzlicher vermisst als die Kunst. Und so kommt es, dass die Menschen nach ersten Lockerungen zwar stundenlang wie blöde in der Warteschlange vor Ikea ausharrten (obgleich es nicht mal Kötbullar gab), aber nur vereinzelte, brav maskierte Besucher in die Düsseldorfer Ausstellungen streben. Das hat natürlich auch viel Schönes. Am ersten Tag der Wiedereröffnung von K20 und der Kunsthalle am Grabbeplatz konnte man am hier tatsächlich allein mit Picasso sein und da ganz ohne Gedränge die weltberühmte Fotokunst der Rhein-Ruhr-Region bestaunen: „Subjekt und Objekt“.

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Still ruhen Kunstsammlung und Kunsthalle. Ungesehen bleiben hier Picassos Bilder aus den Kriegsjahren und dort 600 Werke der weltweit beachteten Fotoszene an Rhein und Ruhr. Keine Spur von Kultur am Grabbeplatz. Kein Spaß in den Kneipen, der Düsseldorfer Lifestyle ist in Quarantäne. Da guckt man geradezu begierig auf das Andreasquartier, das den Passanten an seiner herrschaftlichen Landgerichtsfassade ein schönes Konzept präsentiert. Der Düsseldorfer Maler, Autor und Projektkünstler Stephan Kaluza zeigt ein 100 Meter langes und 2,35 Meter breites Banner mit ineinander gefügten Aufnahmen des Rheins: „Alles bleibt im Fluss“.

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