Kunstkritik

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Kunst aus Glas, wie leicht bricht das ... Wer sich ausgerechnet das fragilste Material aussucht, um Objekte zu schaffen, die keinem anderen Zweck dienen als der Schönheit, muss mit äußerster Geduld und Behutsamkeit vorgehen. So wie die drei Preisträgerinnen der Jutta-Cuny-Franz-Foundation, deren Arbeiten einen Sommer lang in der Glasabteilung des Kunstpalastes vorgestellt werden. Es ist nur eine winzige Schau für Liebhaber, die links neben der großen, leuchtend blauen Bleiglasarbeit „Ago Wan II“ von Ludwig Schaffrath den Eingang finden.

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Es gibt Frühlingstage, da möchte der Düsseldorfer hinaus aus der Stadt laufen, durch die Felder, durch die Auen. Aber nicht ohne Kunstprogramm! Dann zieht es uns hinaus ins grüne Nirgendwo bei Neuss zum Kulturraum Hombroich. Nachdem der Immobilien-Tycoon und Sammler Karl-Heinrich Müller 1987 mit dem Bildhauer-Architekten Erwin Heerich die magische „Insel Hombroich“ schuf, verwandelten sich auch die benachbarte Ex-Raketenstation und brachliegende Wiesen in eine einmalige Kunstlandschaft. Die Langen Foundation zeigt jetzt 80 erlesene Stücke aus ihrer Japan-Sammlung.

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Ach, der Name Pia Fries ist Ihnen kein Begriff? Kein Grund, sich zu genieren. Auch in gewöhnlich gut informierten Kreisen kennt nicht jeder die Schweizer Malerin, die jetzt überraschend groß im Kunstpalast präsentiert wird. Ex-Direktor Beat Wismer, selbst Schweizer, hat die Verbindung noch geknüpft. Und sein Nachfolger Felix Krämer beteuert, er sei „ausgesprochen dankbar“, denn er möchte das Museum am Ehrenhof auch zu einem „Ort für die Künstler der Stadt machen“. Pia Fries war in den 1980er-Jahren eine Meisterschülerin von Gerhard Richter an der hiesigen Akademie, und sie lebt, obgleich Professorin in München, die meiste Zeit in Düsseldorf.

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Sophia hat keinen Unterleib. Aber Köpfchen. Und ein Gesicht – wie aus Männerfantasien: glänzende Augen mit Klimperwimpern, ein gerades Näschen und diese leicht geschwollenen Lippen, die dem aktuellen Schönheitsideal entsprechen. Sophia kann verblüffend echt gucken und mit den Brauen zucken, lächeln wie eine unermüdliche Empfangsdame und sogar sprechen: „I’m happy to be in Düsseldorf, it is beautiful“. Thank you, sehr nett! Sophia ist auf Höflichkeit programmiert – ein Wunderwerk des Hongkonger Unternehmens Hanson Robotics und Star des internationalen Festivals „Meta Marathon“ im NRW-Forum.

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So was nennt man wohl Waffenstillstand. Alain Bieber, Direktor des NRW-Forums, und Clara Sels, bewährte Meisterin des „Duesseldorf Photo Weekend“, saßen nach vorjähriger Entzweiung zur Pressekonferenz an einem Tisch und versicherten, dass sie sich „sehr freuen, wieder gemeinsame Sache zu machen“. Dabei ist nichts geklärt. Die Galeristin Sels will, wie sie sagt, nach „sehr viel Hürdenspringen“ künftig nur noch „im Hintergrund aktiv sein“ und sucht „nach Unterstützung“. Der Oberbürgermeister wird leider alles neu sortieren. Wie es auch kommen mag, das Publikum möchte einfach Fotos sehen.

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Noch ist die Stimmung kornblumenblau, aber bald wird der Spaß vorbei sein, und spätestens dann geht der verkaterte Mensch wieder auf Sinnsuche. Eine Begegnung mit neuer Kunst ist da gerade das Richtige. Im K21 zum Beispiel kann man sich mit dem britischen Künstler Ed Atkins und seinen Videos mal so richtig ausweinen, und die Kunsthalle am Grabbeplatz präsentiert eine überraschend witzige Schau von 13 in und um Düsseldorf arbeitenden Frauen und Männer, deren Namen noch keinen Hype auf dem Kunstmarkt ausgelöst haben.

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Wie, Sie waren nicht beim Rundgang in der Akademie? Wohl keine Lust? Hier kommt die gute Nachricht für alle, die den hippen Parcours durch die Klassen am Eiskellerberg insgeheim immer zu chaotisch fanden und vielleicht sogar ein bisschen enervierend. Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen will alle Jahre wieder ausgesuchte Arbeiten der Absolventen im musealen Rahmen ausstellen. Architekturprofessor Karl-Heinz Petzinka, der elegante und eloquente neue Rektor, pflegt segensreiche Verbindungen zur Außenwelt. Er hat den Plan mit Kunstsammlungs-Direktorin Susanne Gaensheimer ausgeheckt. Zusammen präsentieren sie im K21 nun zum ersten Mal die „Absolvent_innen“ (so wird das politisch korrekt geschrieben) des Vorjahres 2018.

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Der Name klingt ja ein bisschen fad: „Das junge Rheinland“. Und, sorry, ein richtig berühmter Begriff ist auch nicht daraus geworden. Schon nach der Gründung dieser Düsseldorfer Künstlerorganisation 1919 wurde ziemlich viel gemeckert. Der Galerist und Sammler Hans Koch, dem der Maler Otto Dix bald darauf die Ehefrau ausspannen sollte, fand die erste Ausstellung „fromm, fröhlich, ..., ein wenig verlogen, selbstgefällig und voll dunkler Tradition“, er schrieb vom „Arrangement des Zufalls“ zwischen verschämtem Naturalismus und einer Avantgarde, die er „Schakale auf expressionistischem Gefild“ nannte. Das war gemein, aber es zeigt, dass es eine leidenschaftliche Diskussion gab. 100 Jahre später im Kunstpalast blicken wir mit Rührung und viel größerer Wertschätzung auf dieses Stück Kulturgeschichte.

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Die Chinesen kommen. Der wirtschaftliche Aufbruch des Riesenreichs ist nicht aufzuhalten. Das wird allenthalben konstatiert und diskutiert – halb bang, halb fasziniert. Während die einen das große Geschäft wittern, fürchten die anderen den Ausverkauf der europäischen Zivilisation. Umso wichtiger ist es, auch weichere Aspekte der neuen Öffnung nach Fernost zu beachten. Was können wir entdecken, was voneinander lernen? Jian Guo, ein Chinese in Düsseldorf, Vorsitzender des Vereins für Deutsch-Chinesischen Kulturaustausch (DCKD), macht die Neue Seidenstraße zwischen Düsseldorf und Peking mit seinem Projekt „Blue Container“ zu einer Trasse der Kunstbegegnung. 15 Künstler(innen) aus Deutschland und Usbekistan zeigen jetzt im Schloss Elbroich, wie spannend das sein kann: „Interlocal“, zwischen den Orten.

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Bauhaus! Das ist zweifellos einer der coolsten Begriffe in der Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts – auch wenn im gefühllosen Internet erst mal die gleichnamige Baumarktkette erscheint. Die 1919 von den Architekten Walter Gropius und Henry van de Velde in Weimar gegründete Gestaltungsschule steht für alles, was wir bis heute an der Moderne vergöttern: Klarheit, Geradlinigkeit, die kühnen 20er-Jahre, die Idee des Gesamtkunstwerks in einer demokratischen Gesellschaft. Irgendwie will jeder ein bisschen Bauhaus sein. Das gilt besonders für Künstler und Kuratoren. Eine ganze Schar Kreativer präsentiert jetzt im NRW-Forum „Bauhaus und die Fotografie – Zum Neuen Sehen in der Gegenwartskunst“.

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Distanz kann ein guter Lehrmeister sein. Lena Brüning kennt ihren Großvater Alfred Schmela nur aus Erzählungen. Sie wurde 1980 geboren, im Todesjahr des legendären Düsseldorfer Galeristen. Umso besser kann die Wahl-Berlinerin jetzt die Position einer unabhängigen Wissenschaftlerin einnehmen und zugleich persönliche Beziehungen nutzen. Sie arbeitet an einer Doktorarbeit über die Galerie Schmela – und sie hat im Auftrag der Kunstsammlung NRW im historischen Domizil an der Mutter-Ey-Straße die Ausstellung zum 100. Geburtstag von Alfred Schmela eingerichtet. Das war, sagt sie, „wie eine Zeitreise“.

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Die Verunsicherung war deutlich bei der Pressekonferenz zur Art Düsseldorf 2018. Nach einem glanzvollen Start im vorigen Jahr stand Gründungsdirektor Walter Gehlen nun allein auf der Bühne im Böhler Areal und musste nach Worten suchen. Sein langjähriger Partner auf dem Kunstmarkt, Marketing-Experte Andreas Lohaus, schied im Spätsommer überraschend aus der Geschäftsführung aus, um sich, so Gehlen, „mit anderen Themen zu beschäftigen“. Und, ganz heikel: Auch die Schweizer Messegesellschaft MCH, Betreiberin der Weltmesse Art Basel und zu 25 Prozent an der Art Düsseldorf beteiligt, zieht sich zurück. Sie will sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und verkauft ihre Anteile an den Meistbietenden. Da kann man nur sagen: Don’t give up!

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Der alte Chef interessierte sich nicht für die politische Korrektheit von Kunstgeschichte. Werner Schmalenbach (1920-2010), bis 1990 amtierender Gründungsdirektor der Kunstsammlung NRW, hatte nur einen Antrieb: „Die Lust auf das Bild“. So nannte er ein Buch über sein leidenschaftliches Leben mit der Kunst. Und so, mit den Augen und dem Herzen eines Liebhabers, trug er eine der schönsten Sammlungen der klassischen Moderne zusammen: Picasso, Matisse, Miró, Max Ernst und die anderen Großen. Alles nur westliche Ansichten, findet Schmalenbachs heutige Nachfolgerin Susanne Gaensheimer. Sie hat das Haus umräumen lassen und präsentiert nun mit einem Team von Kuratorinnen ihr „museum global – Mikrogeschichten einer ex-zentrischen Moderne“.

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Die alten Zero-Fans sind ergraut und haben ihre eigenen Erinnerungen an eine Zeit, als die Kreativität noch nicht im Business verankert war. Die neuen Zero-Manager sind jung, international vernetzt und wissen, wie man das Thema Kunst heutzutage verkauft. Im sanierten Atelierhaus wurde ein Souvenir-Shop eingerichtet. Es gibt Zero-T-Shirts für 25 Euro, Zero-Beutel für vier Euro, dazu Notizbücher, Plakate, Literatur mit Nostalgiefaktor, runde Mousepads mit Aufschrift: „Zero ist der Mond“. Very nice! Parallel zu einer englischsprachigen Konferenz in der Akademie, wo Wissenschaftler aus New York oder Amsterdam ihre Thesen in smarten Vorträgen vertreten, durfte der gemeine Kunstfreund das „Open House“ an der Hüttenstr. 104 besuchen.

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Yes, wir haben verstanden. Susanne Gaensheimer, regierende Chefin der Kunstsammlung NRW, ist ein Global Player der Kuratorenszene. Sie will und wird dem hiesigen Kulturbürger immer wieder außereuropäische Gegenwartskunst vorführen, auch wenn er zuckt, der westliche Geschmack. Nach Akram Zaataris arabischer Rätselflut und den Konzepten des indischen Raqs Media Collective präsentiert sie im K21 nun, was auch in New York und Paris als cool gilt: die Videos und Installationen der Chinesin Cao Fei. 1978 in der Millionen-Stadt Guangzhou geboren, erlebte die Tochter eines staatlich anerkannten Bildhauers das chinesische Wirtschaftswunder und die von Geschäftsinteressen geleitete Öffnung des Systems. Erfolgreich macht sie nun ihr eigenes Business mit dem, was der Katalog „Die Kunst der überschwänglichen Mehrdeutigkeit“ nennt.

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