Kunstkritik

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Was macht den Menschen zum Künstler? Das Talent, gewiss. Die Lust am eigenen Werk. Aber dazu kommt noch eine profunde Entscheidung, eine Ablösung von den verlockenden Zeitverschwendungen der Gegenwart, die Konzentration auf den freien, zweckverachtenden Gedanken und vor allem: Unbeirrbarkeit. All das spürt man bei der Düsseldorfer Malerin und Lyrikerin Johanna Hansen, wenn man sie in der Cité des Arts von Paris besucht und zwischen betörenden neuen Aquarellen einen zarten Tee mit ihr trinkt.

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„Mehr Licht!“ Diese letzten Worte auf dem Sterbebett wurden dem großen Johann Wolfgang von Goethe vermutlich nur angedichtet. Aber zweifellos war das Wirken gegen die Finsternis ein Leben lang eins der großen Themen des allseits verehrten Schriftstellers und Universalgelehrten, der zweimal, 1774 und 1792, das Städtchen Düsseldorf und den Freund Jacobi mit seiner Anwesenheit beehrte. Mehr Licht gibt es nun endlich im zuvor stark eingestaubten Düsseldorfer Goethe-Museum: frische weiße Farbe, neue Lampen, helle Vorhänge – und ein neues Konzept. Was uns Goethe heute noch zu sagen hat, wie modern er ist, will Direktor Christof Wingertszahn im Schloss Jägerhof der Welt zeigen. Eine weithin leuchtende Kunstausstellung von Heinz Mack wird das Publikum locken – mit „Taten des Lichts“.

*** aktualisiert: Die Austellung wurde verlängert bis Ende Juli 2018 ***

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Ohne Frage: Im Vorfeld dieses Ereignisses wurde peinlich laut gestritten. Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel, zu Machtproben neigend, wollte das von Galeristin Clara Maria Sels geleitete Photo-Weekend partout unter städtische Kontrolle bringen. Alain Bieber vom NRW-Forum sollte der alleinige Chef sein. Doch Frau Sels, nicht schüchtern, macht weiter ihre eigene Show. Nun haben wir also zwei Festivals: „Duesseldorf Photo“ (bis 25. Februar, amtlich) und „Duesseldorf Photo Weekend 2018“ (bis 18. Februar, privat). Beide werben und kämpfen getrennt, doch gleichzeitig. Das mag absurd sein. Aber unter Ausblendung des großen Gekeifes kann das Publikum sich freuen: So viel Photo gab’s nie. Mindestens 300 Fotokünstler werden in mindestens 100 Ausstellungsräumen präsentiert.

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Da soll noch mal einer behaupten, Kunstsammeln sei nur ein hochgestochenes Hobby für die Herrschaften der High Society. Bei der „Großen“ Düsseldorfer Ausstellung im Ehrenhof gibt es wieder das kleine Format für niedrige dreistellige Summen. Ein Stillleben fürs Esszimmer? Ein tolles Kuba-Foto? Eine witzige Malerei? Maßstab ist nicht der Spekulationswert, sondern die Freude an der eigenen Sammlung. Aber die Schau am Ehrenhof ist nicht nur ein Kunstmarkt, sondern auch eine ambitionierte Inszenierung.

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Um es gleich zu sagen: Manets „Olympia“ und sein herrlich skandalöses „Frühstück im Grünen“ kleben nur als Fototapeten im Von der Heydt-Museum. Wir sind nun mal in Wuppertal und können von Paris nur träumen. Désolée, Mesdames et Messieurs, tut mir leid! Die Originale blieben im Musée d’Orsay, was immerhin so gnädig war, eine Miniatur namens „Die Zitrone“ auszuleihen. Doch auch ohne die weltberühmten Bilder ist die Schau um Edouard Manet (1832-1882) und seine Kollegen allemal einen Kunstausflug wert.

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Bei dieser Schau hat kein Kurator seinen Ehrgeiz befriedigt. 140 Mitglieder des Künstlervereins Malkasten, darunter 80 Frauen, zeigen einfach „Bilder, die wir lieben“ – und zwar im kleinen Format und zu Preisen, für die es an der Kö noch nicht mal ein Handtäschchen gibt. Zugegeben: Die Qualität schwankt, und von einheitlicher Ästhetik kann keine Rede sein. Bei der Jahresausstellung des Vereins darf allerlei gezeigt werden, sofern es vom Profi kommt. Die Malerin Ulrike Zilly, Meisterschülerin der Akademie und gefragte Porträtistin, weiß gerade dieses Konzept zu schätzen: „Es ist frei!“

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Die Lady ist inzwischen 102 Jahre alt. Sie wohnt immer noch in ihrem Wohnatelier in Manhattan und arbeitet täglich an ihrer Kunst – wenn auch mit Hilfe eines Assistenten, der für sie Linien abklebt und Farben mischt. Carmen Herrera, 1915 auf Kuba geborene Malerin mit amerikanischem Pass, hat verdammt lange auf ihre Anerkennung warten müssen. Die Boys ihrer Generation, von Jackson Pollock bis Ellsworth Kelly, waren einfach zu dominant. Doch sie hat alle überlebt. Und jetzt ist ihre Zeit. Das coole New Yorker Whitney Museum hat Carmen Herrera 2016 eine Ausstellung gewidmet, die nun, repräsentativ erweitert, im Düsseldorfer K20 zu sehen ist: „Lines of Sight“.

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O je, bei einer Revolution wäre auf das deutsche Feuilleton kein Verlass. Brav stellen sich alle kunst-klugen Kritiker vor der „Passkontrolle“ im NRW-Forum Düsseldorf an, um „Deuscthland“ zu sehen; also Jan Böhmermann und die Bildundtonfabrik im Museumsformat anstatt im ZDF. Einer gibt sogar den Streber: „Wie bei Gursky“, flüstert er mit Kennermiene laut genug, um die bewundernden Blicke der Umstehenden zu ernten.

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Nun gucken Sie nicht so ratlos! Die aktuelle Ausstellung im K21, „Against Photography“ von Akram Zaatari, ist „interessant, tiefgründig, unglaublich wertvoll“. Das hat Professor Dr. Susanne Gaensheimer, die neue Direktorin der Kunstsammlung NRW, der Presse versichert. Und sie ist sich einig mit den Kuratoren Hiuwai Chu und Bartomeu Marí aus Seoul und Barcelona, mit denen die Düsseldorfer Kuratorin Doris Krystof freundschaftlich kooperiert. Der Katalog, ab Dezember erhältlich, wird derzeit in Katalonien produziert, leider nur auf Englisch. Die vereinigten Kuratoren sind überaus „grateful“, dankbar. Dann geben wir uns doch auch mal ein bisschen Mühe.

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Tja, liebe Kölner, es tut uns leid: Im lustigen Konkurrenzkampf zwischen den rheinischen Metropolen haben wir Schicki-Mickis gerade mal wieder die Nase vorn. Eure Art.Fair heißt jetzt Art Düsseldorf und ist, nach 14 Jahren in Köln, mit wehenden Fahnen und zwei Top-Managern in unsere coolste Industrie-Location gezogen: das Böhler-Areal an der Grenze zu Meerbusch. Dort präsentieren die Direktoren Walter Gehlen und Andreas Lohaus in zwei Hallen eine Kunstmesse, die so schön ist, dass man sich auch als mittelloser Besucher dafür begeistern kann.

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So ein Übergang ist ja immer auch eine diplomatische Herausforderung. Felix Krämer, der neue Generaldirektor im Kunstpalast, hatte gar nichts zu tun mit der Planung der Ausstellung „Magische Natur“. Aber der unspektakuläre Vergleich von Waldmotiven des Goethe-Zeitgenossen Carl Wilhelm Kolbe (1759-1835) mit drei aktuellen Positionen ist nun mal die erste Sache, die er als Museumschef den Düsseldorfern zu präsentieren hat. Und so versichert Krämer, dass er damit „ausgesprochen glücklich“ sei und die „Vielfalt der Sammlung“ zu schätzen wisse.

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Es ist, als habe sie jetzt alles erledigt. Das Buch über ihr Leben. Eine letzte Ausstellung. Gabriele Henkel konnte nicht mehr zur Eröffnung ihrer Präsentation von Porzellan und Aquarellen im Hetjens-Museum kommen. Niemand ahnte, wie schwach sie war. Keine zwei Tage nach der Vernissage ist sie im Alter von 85 Jahren gestorben. So wird das melancholisch-schöne Arrangement mit dem Titel „Stillleben“ unversehens zur Kunst des Gedenkens.

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Hey, Sie da mit dem hochgereckten Smartphone! Ist die Fotografie überhaupt noch eine Kunst? Eine heikle Frage. Die allgegenwärtige Technik, diese Domina des 21. Jahrhunderts, ermöglicht jedem Laien gelungene Bilder. Es wird gepostet, bis es uns vor den Augen flimmert. Und doch behauptet sich das besondere Werk – durch Konzept, Konsequenz, Reduktion und das gute alte Gespür für Motiv und Augenblick. Fotografie kann immer noch eine hohe Kunst sein, der Malerei ebenbürtig. Das beweist Axel Hütte in der wunderbaren Ausstellung „Night and Day“ im Museum am Ehrenhof.

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Alle Jahre wieder geben die Düsseldorfer „Kunstpunkte“ dem interessierten Laien an zwei Wochenenden rund 500 Möglichkeiten, Ateliers zu besuchen und die verborgenen Schätze der Kreativen aufzuspüren. Genauer gesagt, sind es diesmal 427 beteiligte Düsseldorfer Künstler plus 65 Gäste an 248 Orten – ohne die sogenannten Off-Räume. Die Tapferen schnappen sich den geheimnisvollen Faltplan (die Karte ist ein kleingedruckter Sternenhimmel und endet im Nirwana) und suchen selbst nach Erleuchtung. Man kann aber auch stressfrei mit dem leider ausgebuchten Shuttle-Bus fahren.

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Der Titel weckt erhabene Gefühle: „Art et Liberté“, Kunst und Freiheit! Man erwartet das große Ganze, Wunderbare. Doch im K20, dem schwarz glänzenden Kunsttempel des 20. Jahrhunderts, geht es in diesem Sommer nur um ein sehr spezielles Thema: das vergessene Wirken einer Gruppe ägyptischer Surrealisten um 1940. Mit der vom Pariser Centre Pompidou übernommenen und von einem Scheich gesponserten Schau überbrückt man die Wartezeit bis zum Antritt der neuen Direktorin Susanne Gaensheimer.

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