Kultur Kunstkritik

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New York, New York: Die Galerie David Zwirner zeigt deutsche Kunststars wie Tillmans, Ruff und Genzken

Allein, aber schick: Die Art Düsseldorf muss weitermachen

Die Verunsicherung war deutlich bei der Pressekonferenz zur Art Düsseldorf 2018. Nach einem glanzvollen Start im vorigen Jahr stand Gründungsdirektor Walter Gehlen nun allein auf der Bühne im Böhler Areal und musste nach Worten suchen. Sein langjähriger Partner auf dem Kunstmarkt, Marketing-Experte Andreas Lohaus, schied im Spätsommer überraschend aus der Geschäftsführung aus, um sich, so Gehlen, „mit anderen Themen zu beschäftigen“. Und, ganz heikel: Auch die Schweizer Messegesellschaft MCH, Betreiberin der Weltmesse Art Basel und zu 25 Prozent an der Art Düsseldorf beteiligt, zieht sich zurück. Sie will sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und verkauft ihre Anteile an den Meistbietenden. Da kann man nur sagen: Don’t give up!

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Allein auf dem Kunstmarkt: Walter Gehlen, Direktor der Art Düsseldorf, hat seinen Co-Geschäftsführer und die Beteiligung der Baseler Messegesellschaft verloren.

Geben Sie nicht auf, Herr Gehlen! Denn die Art Düsseldorf hat Stil und Klasse. Während der Chef noch Erklärungen für die dramatischen Änderungen abgab, drängten schon die Sammler und bestens gelaunten Ehrengäste in die im Shabby Chic perfekt sanierte ehemalige Stahlfabrik. Sie finden dort nicht irgendeine Provinzschau, sondern großzügige Stände von 91 Galerien aus 19 Ländern, eine frische Auswahl jenseits alter Messeklüngeleien.

Das Lokale und das Globale

Walter Gehlen betonte diesmal zwar die Verbundenheit mit der Region – jeder dritte Aussteller kommt aus Nordrhein-Westfalen – aber: Mehr als die Hälfte der Galerien stammt aus aller Welt, und, mit Verlaub, das Kunstbusiness ist ohnehin global. „If you have any question?“ Keine Frage, Englisch ist die Messesprache.

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Großzügig präsentiert: der Stand der Antwerpener Galerie Verwoordt mit Werken von Peter Buggenhout, Lucia Bru und Bosco Sodi.

Schon normal, dass mehr als ein Standort angegeben wird. „Antwerpen und Hong Kong“ – das steht gleich vorne, beim belgischen Sammler und Kunsthändler Axel Verwoordt, dessen Präsentation ausgesuchter Stücke absolut kunsthallentauglich ist. Eine gewaltige Skulptur aus Eisen und Abfall von Peter Buggenhout („The Blind Leading the Blind“, Blinde führen Blinde) erhebt sich da neben einem Weiher aus Kristallen und Porzellanstücken von Lucia Bru und vor einem imponierenden Wandobjekt von Bosco Sodi, das wie eine verkohlte Landschaft wirkt. Hier geht es nicht um Gefälligkeit, sondern um Aussage und Profil.

New York und die Ackerstraße

Gleich gegenüber zeigt die New Yorker Gallery David Zwirner deutsche Topstars: Fotografien von Wolfgang Tillmans und Thomas Ruff sowie ein Objekt aus Betonfertigteilen von Isa Genzken. „She has returned to concrete“, wird gefachsimpelt, mit dem markanten Ding sei die Installationskünstlerin zur Konkreten Kunst zurückgekehrt. Wir sind beeindruckt, freuen uns aber mehr über den frischen Beitrag von Daniela Steinfeld, die, selbst Meisterschülerin der Düsseldorfer Akademie, seit 2004 eine vielbeachtete Galerie für zeitgenössische Kunst betreibt: Van Horn an der Ackerstraße. Bei ihr blüht eine schwarze Stahlblume des Briten Paul Morrison („auch für den Außenraum geeignet“), und die aus alten Filmplakaten konstruierten Kunstlampen von Claus Föttinger werfen ein höchst originelles Licht.

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Aufgepasst! Am Stand der Baseler Galerie Knoell hängt diskret das mit 1,5 Millionen Euro teuerste Werk der Schau: ein Werk aus Lucio Fontanas geschlitzter Reihe „Concetto spaziale – Attese“ von 1966 (rechts).

Beim Düsseldorfer Spitzengaleristen Hans Mayer, wo sich 1979 Joseph Beuys und Andy Warhol persönlich trafen, hängt fast beiläufig Warhols zehnteilige Siebdruckserie „Electric Chair“ von 1971, eins der ernsten Motive der Pop-Art-Legende. Witzig in Rosarot ist C.O. Paeffgens von der Sixtinischen Madonna geklautes Puttchen, das in einer Sprechblase offenbar über Aktienverluste klagt: „-3,8 %“. Da schmunzelt jeder.

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Kontraste: elegante Fotografien bei Bernheimer Fine Art (Luzern) im rauen Ambiente der alten Stahlfabrik.

Jede Preisklasse für den Sammler

„Preis auf Anfrage“ heißt es fast überall, man ist ja nicht im Kaufhaus. Aber man weiß: EinSchlitz durch goldfarbene Leinwand, 1966 von Lucio Fontana gesetzt, wird von der Züricher Galerie Knoell für 1,5 Millionen Euro angeboten. Einer der kunstvoll geschichteten und verdrehten Turmskulpturen von Tony Cragg, unübersehbar in der Mitte der Show, darf für knapp 400 000 Euro in den eigenen Garten gestellt werden. Die meisten Geschäfte werden sicher im fünfstelligen Bereich gemacht. Kein Problem für wohlhabende Sammler.

Grundsätzlich ist die Art Düsseldorf kein Markt für Kunstschnäppchen. Aber wie der Chef betont, gibt es auch zahlreiche Bilder und Objekte im niedrigen vierstelligen Bereich – bei Markus Lüttgen und Van Horn zum Beispiel. Sogar dreistellige Preise wurden angekündigt. Habe ich aber nicht entdeckt. Immerhin: Der junge Sammler soll unterstützt werden – auch durch spezielle Führungen, „guided tours for young collectors“.

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Mensch und Kunst: In der ehemaligen Kaltstahlhalle mit ihrem glänzend lackierten Fabrikboden stehen kopflose Figuren von Erwin Wurm.

Eine neue Bescheidenheit?

Das Business ist seit der großen Bankenkrise etwas vorsichtiger, man möchte fast sagen, bescheidener geworden. Schließlich brachen die offiziellen Umsätze auf dem weltweiten Kunstmarkt von 2008 bis 2009 dramatisch ein – von 62 Milliarden Dollar auf 39,5 Milliarden. Wie man weiß, hat sich das große Geld inzwischen neu verteilt. Die Kunst verkauft sich nicht mehr so mühelos. Galerien, die tapfer in der Zeit nach 2008 eröffnet wurden, haben deshalb auf der Art Düsseldorf einen Ehrenplatz im sogenannten „Post Lehman Bereich“.

Bleibt zu hoffen, dass die junge und attraktive Messe ihre erste Krise, den Rückzug der Baseler Messegesellschaft, verkraftet. Walter Gehlen gibt sich verhalten optimistisch. Er baut auf den kommerziellen Erfolg, der im letzten Jahr mit 43 000 motivierten Besuchern auf Anhieb eintrat, und versichert: „Die Entwicklung bedroht keineswegs die Existenz der Art Düsseldorf.“ 2019 sehen wir weiter.

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Max Ernst und Picasso lassen grüßen: Skulpturen von Stefan Rinck bei „Sorry We’re Closed“ aus Brüssel.

Wie, wann, wo?

Art Düsseldorf: bis Sonntag, 18. November in zwei Hallen des „Areal Böhler“, Hansaallee 321. Geöffnet: Freitag 12 bis 19 Uhr, Sa./So. 11 bis 19 Uhr. Tagesticket: 25 Euro (online 22,50 Euro). Eine kostenlose App Art Düsseldorf mit digitalem Katalog und der Möglichkeit, einzelne Werke zu scannen, kann im App-Store heruntergeladen werden. Eingeschränkte Parkplätze auf dem Gelände, aber das Areal ist bequem mit der Bahn zu erreichen: U70, U74, U76. Haltestelle Düsseldorf-Lörick. Rahmenprogramm und Führungen im Internet unter www.art-dus.de

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