Kultur Kunstkritik

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Vor dem Ansturm: die spiegelnden Flure der Art Düsseldorf im Böhler-Areal.

Art Düsseldorf: Die Kunst darf heute wieder schön sein

Mag ja sein, dass in der Nachbarstadt mit dem Dom manches größer und bedeutender ausfällt – so wie die weltberühmte Kunstmesse namens Art Cologne. Aber hey, liebe Kölner, dafür ist es bei uns viel schöner! Die dritte Art Düsseldorf in den schimmernden Shabby-Schick-Hallen der einstigen Böhlerwerke inspiriert wieder ihre Besucher. Direktor Walter Gehlen, im letzten Jahr von der Baseler Messegesellschaft jäh im Stich gelassen, hat mit den neuen Teilhabern Sandy Angus und Tim Etchells zwei Experten für den asiatischen Markt hinzugewonnen und eröffnete gestern eine „internationale Messe mit starker regionaler Verankerung“.

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Luftige Inszenierung zwischen alten Eisenträgern: Eine Figur von Stephan Balkenhol vor einem Skulpturenfeld mit einer Bodenarbeit von Carl Andre.

Das klingt ein bisschen stieselig, ändert aber nichts am Charme der Veranstaltung. Tatsächlich kommt jeder zweite der rund 100 Aussteller aus dem Ausland. Neben den üblichen Verdächtigen wie dem Düsseldorfer Top-Galeristen Hans Mayer und seinem Sohn Max spielen auch Global Player wie die Galeristin Tina Keng aus Taipei mit. Die leicht hintergründige figurative Malerei ihres 35-jährigen Künstlers Chen Ching-Yuan, den sie gleich neben der VIP-Lounge von Walter Knoll präsentiert, verkaufte sich, wie man hört, schon bei der Art Basel gut.

Der Kunde soll sich freuen

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Pariser Kunstangebot: Bilder von Claude Viallat und eine Skulptur von Bernard Venet bei Ceysson & Bénétière.

Ganz allgemein kann man sagen, dass die Messe kaum Experimente macht, schon gar nicht provozieren möchte. Etwas gemäßigt Jeckes wie Jonathan Meeses neues Monsterbild „Hallo-Tschüss: Dein U.F.O.-Drache lacht“ sorgt eher für gute Laune. Hier sollen keine komplizierten Konzepte erklärt werden, wir sind nicht in der Kunsthalle. Hier geht es um Geschäfte. Darum gibt es auffallend viele angenehme Bilder und markante Wandobjekte für den gehobenen Wohnraum und die Vorstandsetage. Wie sagte Hans Mayer so richtig in seiner Biografie? „Kunst wird da verkauft, wo Geld verdient wird.

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Ein bisschen was Schrilles: Bild und Boden von Jonathan Meese.

Die Preise, ob vier-, fünf-, ob sechsstellig, werden übrigens nicht einfach auf Schilder geschrieben, man muss sich schon trauen, sie zu erfragen. Eins ist klar: Wer einen schmalen Geldbeutel hat, geht lieber gleich an den Stand der Buchhandlung Walther König und des Querido Antiquariats. Da gibt es signierte Beuys-Postkarten für 350 Euro – Relikte einer Zeit, in der die Kunst der bürgerlichen Ästhetik den Kampf angesagt hatte.

Was sich ins Ambiente fügt

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Den kunstvollen Quilt von Sheelagh Boyce und Annabelle Harty hat die Düsseldorfer Galeristin Linn Lühn in Glasgow entdeckt.

Das ist jetzt vorbei. Die neue Ware Kunst sieht einfach gut aus – ob das nun die unten zersplitterten „Blumenvasen“ des smarten Fotografen Martin Klimas sind oder eine dekorative Goldplättchen-Installation von Martin Pfeifle an der Wand der Bonner Galerie Clement. Man will die Kundschaft ja becircen. Eine sichere Bank sind die beliebten Altmeister der Düsseldorfer Moderne. Beck & Eggeling hat ein großes Nagelobjekt von Günther Uecker im Angebot – gleich neben einer Stahlskulptur und einem leuchtend blauem Bild von Heinz Mack. Die Gruppe Zero, aus Rebellion entstanden, steht heute für repräsentative Kunst.

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Was mit Glitzer: Goldene Installation von Martin Pfeifle bei Gisela Clement.

Und so schreitet man und schaut und freut sich über das Flair. Die luftige Inszenierung lässt Raum für behagliche Sitzmöbel und zwei Skulpturenplätze. In der vorderen Halle ruht die stählerne Plattenarbeit „81 Steel Cardinal“ von Carl Andre aus dem Jahr 1989, als sie die Schwelle der legendären Galerie Konrad Fischer markierte. In der hinteren Halle spiegelt sich ein Dolomit-Felsen, den Alicja Kwade mit zwei 3-D-Kopien raffiniert ergänzt hat.

Über die Zukunft sprechen

Ja, die Welt der Kunst ist rund und bunt wie manches asiatische Angebot. Geschmack fällt eben unterschiedlich aus. Mit einem vornehm grauen Kubus und einer Lounge für „zeitbasierte“ Filmkunst widmet sich die Düsseldorfer Video-Sammlerin Julia Stoschek soziokulturellen Themen – mit Hilfe des Sponsors Samsung. Sie ist wirtschaftlich gut vernetzt, legt aber Wert auf ihre Unabhängigkeit. Unter dem Titel „Rhineland indepedent“ hat sich Stoschek während der Messe mit drei anderen Privatsammlungen zusammengetan: der Arthena Foundation (Kai10), der Langen Foundation aus Neuss und Gil Bronners Düsseldorfer Sammlung Philara. Gemeinsam präsentieren sie Plakate der feministischen Künstlerinnen-Gruppe „Guerilla Girls“.

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Auf dem kunstvoll lackierten Industrieboden spiegelt sich ein Objekt von Alicja Kwade.

Mit einem Extra-Empfang wurde „RSVP“ gefeiert, eine Plattform zur Förderung von jungen, in den letzten zehn Jahren gegründeten Galerien. Die Art Düsseldorf meint es ernst mit der Zukunft. Deshalb wird es auch an den Ausstellungstagen vom 15. bis 17. November jeweils ab etwa 12 Uhr eine Reihe von Talks über die Veränderung der Kunstszene geben. Es geht unter anderem darum, wie die Digitalisierung den Markt und die Produktion von Kunst revolutioniert hat, wie man heute sammelt und wie man kooperiert. Bange Schlussfrage am Sonntag um 15 Uhr: „Ist das klassische Galeriemodell im Umbruch?“

Was, wann und wo?

Die Kunstmesse Art Düsseldorf im Areal Böhler, Hansaallee 321, ist nach der Eröffnung am heutigen Donnerstagabend drei Tage lang bis Sonntag, 17. November, für das breite Publikum geöffnet. Freitag 12 bis 19 Uhr, Sa./So. 11 bis 19 Uhr. Wer sein Tagesticket für 22,50 Euro online löst, kann die Straßenbahn (Haltestelle Lörick) kostenlos benutzen. An der Tageskasse vor Ort kostet das Ticket 25 Euro. Kinder unter 12 Jahren haben freien Eintritt. Schüler, Studenten, Rentner und Schwerbehinderte bekommen fünf Euro Ermäßigung. www.art-dus.de

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