Kultur Kunstkritik

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„Rheiner Senf and the flying fries“ ist ein Werk der Düsseldorfer Streetart-Gruppe KJ263, Foto: Birgit Kölgen

Düsseldorf: Von Freiheit und Freibad träumen im NRW-Forum

Es hat etwas Rührendes, wie in den geschlossenen Kunsthäusern nach wie vor Ausstellungen wie geplant aufgebaut und im Geiste eröffnet werden. Aber die Chancen stehen ja nicht schlecht, dass man bald – maskiert, geimpft oder getestet – wieder ein bisschen Kultur genießen darf. Viel Spaß macht es, im NRW-Forum allerlei Fantasievolles zum Thema „Freibad“ anzuschauen und gegenüber „Die Kleine“ mit entzückenden Werken aus dem diesjährigen Kunstwettbewerb Düsseldorfer Grundschulen zum Thema „Erde, Wasser, Feuer und Luft“.

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„Eine unbeschwerte Zeit“ verspricht eine Wandmalerei von Mats Kubiak. Auch Pommes-Tüten gehören zur Show vom „Freibad“ im NRW-Forum, Foto: Birgit Kölgen

Dann gehen wir erst mal nach rechts ins Freibad der Träume. Der 29-jährige Designer Lukas Philipp Schulz hat an der Hochschule Düsseldorf studiert, die gut gelaunte Show im Rahmen seiner Abschlussarbeit konzipiert und mit 32 Kollegen und Studios inszeniert. Zufällig passte das genau ins junge Konzept des NRW-Forums. „Eine unbeschwerte Zeit“ verspricht eine große Schrift auf Rot-Gelb-Blau, die Mats Kubiak wie ein Motto an die Wand gemalt hat. Das weckt Erinnerungen. Und damit das sommerliche Feeling richtig rüberkommt, hat Kurator Schulz („Ich bin Lukas!“) alle Vitrinen mit dem typischen weißen Kachelmuster der Duschkabinen ausgestattet.

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Was man aus Schwimmflügeln alles machen kann, zeigen Objekt-Design-Studenten der Düsseldorfer Hochschule, Foto: Birgit Kölgen

Ideen von Freischwimmern

Während die Street-Art-Gruppe KJ263 einen großen lustigen Stoffkerl am Rand des Pools ausrutschen lässt und seine davonfliegenden Pommes zum Mobile werden („Rheiner Senf and the flying fries“) lässt Malte van der Meyden eine Kugelleine aus Wachs und Dochten in einem kleinen Becken schwimmen, und die Studierenden der Klasse „New Craft Object Design“ zeigen, dass man aus abgelegten Schwimmflügelchen überaus originellen Schmuck und einen wasserfesten Sonnenhut gestalten kann. Schon schmunzelt der Mensch – und freut sich über weitere originelle Ideen wie die fröhlichen „Freischwimmerinnen“ aus bemaltem Alu (Anke Jüngels) und die Poolliege aus Schwimmnudeln im Terrain des Kollektivs „Teilmöbliert“.

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Die Figuren am „Paper Pool“ von Annette Jacobs können mit Smartphone bewegt werden, Foto: Birgit Kölgen

Wasserblau leuchtet eine „Rutsche“ als Objekt aus Holz und Neonröhren (Winkler/Dickhaus/Stenmans). Anna und Rakhim Helm präsentieren digital optimierte Badenixen in surrealer Umgebung („no pool – no problem“). Viel Teamwork ist dabei, aber auch Einzelprojekte wie der farbenglühende Trickfilm „Freibadtag“ von Kilian van de Water, ein Triptychon aus blauen Tintenwellenbildern von Michèle Caspers und die Installation „Playground“, für die Marian Fitz auf einem Stück Sandstrand ein paar rot-pinkfarbene Badetücher aufgehängt hat. Witzig sind auch einige Animationen wie die lebendig gewordenen Schwimmnudeln von Pauline Gebauer oder die aus Papier geschnittenen Trickfiguren von Annette Jacobs, die man mit dem Smartphone über einen QR-Code vom „Paper Pool“ auf die Kunstwiese holen kann.

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Aus Badetüchern am Gestänge auf Sand hat Marian Fitz einen „Playground“ komponiert, Foto: Birgit Kölgen

Kinder machen Kunst

Eine große Freude ist auch „Die Kleine“ links vom Eingang. Trotz Corona, Schulschließungen und Stress mit dem Homeschooling haben sich immerhin noch 24 von 50 angemeldeten Klassen an dem von den Stadtwerken und der NRW.Bank geförderten Wettbewerb beteiligt. Schließlich winkt als erster Preis ein Gutschein über 1500 Euro für die Anschaffung digitaler Endgeräte sowie Kunstmaterial. Das Publikum, zunächst nur virtuell dabei, soll abstimmen. Nicht ganz leicht, denn alles hat seinen Charme – von den kleinen Bilderkästchen voller Feuer, Erde, Wasser und Luft, die Klassenlehrerin Katharina Pascher von der 1c der Bonifatiusschule zu einem Relief zusammengestellt hat, bis zu den Kopfcollagen nach Art des alten Meisters Giuseppe Arcimboldo, die in der Klasse 4b der GGS Lörick gezaubert wurden.

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Kindliche Kunst: Bilderkästchen der Klasse 1c der Bonifatiusschule in der Schau „Die Kleine“, Foto: Birgit Kölgen

Liebevoll haben die 2b-Kinder der Mauritius-Schule kleine Szenen in Schuhkartons gebastelt, wo eine Atemmaske zum Fallschirm für ein lächelndes Männlein wird. Andere kleine Künstler*innen bastelten Wolken aus Drahtbügeln und Sonnen aus Papptellern. Einige haben mit ihren Lehrern an Konzepten gearbeitet, die auch für erwachsene Öko-Kunst gehalten werden könnten – die Gläser mit verschiedenen Wasserproben zum Beispiel, die von der „Erdmännchenklasse“ der Montessori-Schule Lindenstraße gesammelt wurden, oder die tolle Video-Collage von Zweitklässlern der Franz-Vaahsen-Schule. Da sieht man unter anderem, wie Wasser die Farbe von Smarties auflöst und was der Wind so alles verweht. Hoffentlich auch bald die Corona-Viren ...

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Nach dem Vorbild von Giuseppe Arcimboldo entstanden diese Kopf-Collagen in der Klasse 4b der GGS Lörick, Foto: Birgit Kölgen

Was, wann und wie?

Im NRW-Forum am Ehrenhof 4-5, das jetzt zum Museum Kunstpalast gehört, wird bis 30. Mai die Kinderkunstausstellung „Die Kleine“ gezeigt. Einen virtuellen Überblick gibt es ab 8. Mai auf der Website (www.kunstpalast.de). Gleichzeitig zeigen 32 Düsseldorfer Designer*innen eine multimediale Schau zum Thema „Freibad“. Sollte die Inzidenz-Zahl in Düsseldorf unter 100 sinken, könnte ein echter Besuch möglich sein. Informationen unter www.nrw-forum.de

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