Kultur Kunstkritik

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Graphische Projektionen sorgen für Abwechslung im 24-minütigen Programm.

Erleuchtung am Schlossturm: Die Nachtshow der Faces of Düsseldorf

Nur die Mutigen wagen sich ja nachts noch auf den Burgplatz, wo sich das Partyvolk gern allzu heftig amüsiert. Zur Premiere von Jan Isings Videospektakel „Faces of Düsseldorf“ drohte zum Glück ein Unwetter. Es hielt die Massen fern – und zog dann doch vorbei. Hinter den Topfpalmen der Schlüssel-Terrasse ging karibisch die Sonne unter, friedliche Erwartung machte sich breit, und das acht Meter hohe, weiße 3-D-Gesicht, das über Tag still mit einer riesigen roten Atemschutzmaske an seinem Gerüst hängt, wurde virtuell lebendig. Und macht seine Show allabendlich bis Anfang Oktober.

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In der Dämmerung und tagsüber trägt das acht Meter hohe 3-D-Gesicht eine Atemschutzmaske – als Mahnung ans Partyvolk.

Erfunden hat die Aktion der gebürtige Hamburger und Wahl-Düsseldorfer Jan Ising, ein international agierender „Event-Designer“, Fitness-Unternehmer, Tausendsassa und Chef einer „Agentur für außergewöhnliche Projekte“. Klingt wie eine Netflix-Serie. Dazu passt Isings Slogan: „Everything is possible“, alles ist möglich, wow! An verschiedenen Orten wie Berlin, Jerusalem und Lausanne durfte der Mann bereits einheimische „Faces“ auf riesige „Universal“-Gesichter projizieren, und hier am Rhein kam er gerade recht, um virologisch unbedenklich dem Düsseldorf Festival voraus zu leuchten.

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Auch der Fotograf Michael Lübke selbst erscheint in Jan Isings Faces-Reihe.

Die treibende Kraft

Mit einem Gefühl für populäre Konzepte, wirtschaftliche Beziehungen und einen gewissen gesellschaftlichen Reiz hat Ising sein Projekt in Schwung gebracht. 120 Mitbürger – Damen, Herren und ein paar Kinder – wurden zuvor von dem umtriebigen Düsseldorfer Fotografen Michael Lübke im Studio porträtiert, streng von vorne, damit das Bild auf das 3-D-Gesicht passt. Wer angesprochen wurde, reagierte gewiss geschmeichelt, gehörte eben dazu: Allen voran Oberbürgermeister Thomas Geisel, der sich im Wahlkampf als „Die treibende Kraft“ positioniert, seine schöne Gattin Vera sowie die Rivalen der Kommunalwahl, dazu Star-Kabarettist Dieter Nuhr, der neue Messe-Chef Wolfram Diener, Sportler wie Leichtathletin Jessie Maduka, beliebte Künstler wie Christophe-Emmanuel Bouchet und Joe Brockerhoff, Bistro-Meister Robert Hülsmann, Jonges-Baas Wolfgang Rolshoven, Karnevalswagenbauer Jacques Tilly und die Journalistin Dagmar Haas-Pilwat.

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Eins von 120 Düsseldorfer Gesichtern, die im Dunkeln leuchten.

Sie alle und noch viele mehr leuchten nun allabendlich in einer jeweils 24 Minuten langen Show am Rhein, wobei die gewaltige Projektion nicht unbedingt vorteilhaft ist. Bartstoppeln, Pickel, Runzeln und Rötungen sind im wahren Leben nicht so überdeutlich zu sehen. Auch hat jeder dank des „Universal-Face“ einen Eierkopf. Trotzdem wirkt der Wechsel der Gesichter, die sich lächelnd in andere verwandeln und kaum zu identifizieren sind, total hypnotisch. 24 Minuten lang lässt man sich gern davon bannen, zumal Düsseldorf-Fotos und grafisch-malerische Gags für Abwechslung sorgen und alles vom klassisch rockenden Soundtrack des Musikers Lucas Croon beschallt wird.

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Ein bisschen gespenstisch: die Intendanten des Düsseldorf Festivals und der Oberbürgermeister stehen zur Begrüßung auf einer Leuchtbank.

Sind wir etwa alle eins?

Am Ende hat man sogar Jan Isings Botschaft verstanden: „Letztendlich sind wir alle eins.“ Ob blond, ob braun, mit blauen oder dunklen Augen, egal, woher wir kommen – wir passen auf den gleichen Eierkopf. Zur Verdeutlichung sind einige der „Faces“ mit den Landesfarben ihrer Herkunftsländer geschminkt – eine freundliche bunte Parade, die vom multikulturellen Düsseldorf zeugt. Ein paar Gesichter geben schließlich ein paar Stichworte zum Düsseldorf-Gefühl: „Supergeil“, „weltoffen“, „Heimat“, ach, nichts als gute Vibrations. Für ein noch besseres Wir-Gefühl gibt es zudem die Möglichkeit, sich mit einem Selfie für ein Foto-Shooting und die geplante Ergänzung der „Faces“ zu bewerben. Informationen dazu gibt es unter dem Kopf vor Ort.

So schick wie sonst in Düsseldorf war die Premiere allerdings nicht. Christiane Oxenfort und Andreas Dahmen, die Intendanten des Düsseldorf Festivals, stellten sich mit dem OB hinten auf eine Leuchtbank und freuten sich, „dass wir überhaupt was machen können“. Wegen Corona, diesem Spielverderber, wird in diesem Jahr nur ein Mini-Zelt auf den Burgplatz gestellt, größere Veranstaltungen müssen in der un-heimeligen Atmosphäre der Mitsubishi-Halle stattfinden. Besser als nichts.

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Effektvoll: Zum Countdown erscheint der Kopf als wasserblaues Aquarium.

Das besondere Festival

Jan Isings 24 Minuten lange Video-Projektion „Faces of Düsseldorf“ (Umsetzung: Tom Bechtloff und Lukas Hoss, Technik: Hajü Müller) ist jeden Abend nach Einbruch der Dunkelheit mehrfach bis etwa 23 Uhr am Burgplatz gegenüber dem Schlossturm zu sehen. Der Zugang ist frei, so lange man die Abstandsregeln einhält und sich als Familie oder Gruppe in den gekennzeichneten Kreisen aufhält. Das Projekt soll bis Anfang Oktober in der Altstadt bleiben und gehört zum Düsseldorf Festival, das vom 7. bis 27. September ein Spezialprogramm bietet. In einem kleinen Theaterzelt auf dem Burgplatz kann man als Paar oder Einzelperson eine extra gebuchte Face-to-Face-Show mit freien Musiker, Mimen und Tänzern erleben. Alle Publikumsveranstaltungen werden in die geräumige Mitsubishi-Halle verlegt. Informationen und Tickets: www.duesseldorf-festival.de

Für eine kleine Kostprobe der Faces hier klicken

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