Kultur Kunstkritik

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Kunst von Bauhaus-Meistern: Eine bronzene „Schwimmerin“ von Gerhard Marcks (1938) zwischen einem Quadratbild von Josef Albers (links, 1955) und einem „Fließenden Rot“ von Georg Muche (1916).

In Düsseldorfs Nachbarstadt Krefeld hinterließ das Bauhaus echte Spuren

Zugenagelte Läden, verrottete Fassaden, Müll auf der Straße, kaum Menschen am Beuys-Platz und kein Café weit und breit: Die Krefelder Innenstadt, keine 20 Kilometer entfernt vom Shopping- und Party-Paradies Düsseldorf, ist nicht gerade the place to go. Nach dem Zusammenbruch der Textilwirtschaft lässt der Strukturwandel zu wünschen übrig. Dafür kann man in aller Ruhe richtig gute Kunst erleben. Im altehrwürdigen Kaiser Wilhelm Museum gibt es eine fabelhafte Bauhaus-Ausstellung: „Von Albers bis Zukunft“.

Dabei kann das Institut aus dem Vollen schöpfen. Denn in den goldenen Zeiten der 1919 gegründeten Weimarer Reformschule sammelte und präsentierte Max Creutz, der 1922 berufene Direktor des Krefelder Museums, was damals Avantgarde war: Werke von Klee und Kandinsky, van de Velde und Schlemmer, Itten und Winter. Die Nähe zur blühenden Textilindustrie war für die kreative Generation jener Zeit nichts Verwerfliches. Schließlich träumte das Bauhaus von der Ausbreitung künstlerischer Ästhetik im Alltag. Ob Kaffeetasse oder Miethaus, alles sollte von Schönheit und Funktionalität geprägt sein ...

Der Sessel als Skulptur

Anders als heute gab es keine strikte Trennung von Kunst und Kunsthandwerk. Der ebenso schlichte wie berühmte Barcelona-Sessel von Ludwig Mies van der Rohe, entworfen für den deutschen Pavillon der Weltausstellung 1929, wurde zur Gebrauchsskulptur und zum tausendfach reproduzierten Sinnbild modernen Designs. Im Krefelder Museum steht eine historische Barcelona-Sitzgruppe, mit Schnüren dezent geschützt. Bitte nicht Platz nehmen, heilig – und zusätzlich gewürdigt von einem Bild des Düsseldorfer Fotokünstlers Thomas Ruff.

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Kunstvolle Reklame: Embleme für Kraftnahrung von Henry van de Velde (um 1897).

Die Ausstellung zeigt Entwicklungen der Gebrauchsgrafik wie die jugendstil-geprägten Embleme für Tropon-Kraftnahrung von Henry van de Velde, und sie zeigt zugleich, dass keineswegs nur mathematische Nüchternheit den Geist der Zeit prägte. Gleich im ersten Raum erkennt man die Vielfalt der Stile, die durch das Bauhaus in die Welt gesetzt wurden: Die bronzene „Schwimmerin II“ des Bauhaus-Bildhauers Gerhard Marcks, entstanden in heikler Zeit 1938, steht da in lebensechter Pose, und hinter ihr an der Wand schweben abstrakte Formen von Georg Muche („Fließendes Rot“ von 1916). Eine „Homage to the Square“ (1955) aus der unsterblichen Serie des nach Amerika vertriebenen Bauhaus-Meister Josef Albers sorgt für Seelenruhe.

Der Geist lebt weiter

Zu entdecken sind die „Farbenlehre“-Tafeln des Wassily Kandinsky und die Poesie der schwebenden geometrischen Formen des Lászlo Moholy-Nagy. Es gibt ein zauberhaftes kleines, frühes Aquarell von Paul Klee („Stadt emporwachsend, sich verdüsternd“), es gibt Schiffe, Figuren und kristalline Strukturen des Amerikaners in Thüringen, Lyonel Feininger. Die schwarzen Linien, weißen und farbigen Rechtecke des Piet Mondrian gehören zu den Klassikern der Schau wie die tanzenden Figuren des Oskar Schlemmer.

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Entstanden im Bauhaus-Geist: Spiralbilder und eine künstlerisch gestaltete Sitzgruppe von Robert Rotar (1926-1999).

Dass neue Künstler sich auf das Bauhaus zu beziehen, ist ja beliebt – hier ist es auch glaubwürdig. Die Ausstellung zeigt, wo die Schule der 1920er-Jahre tatsächlich ihre Spuren hinterließ: zum Beispiel in der von 1953 bis 1968 existierenden Hochschule für Gestaltung Ulm oder in den magischen Spiralbildern des 1926 in Berlin geborenen und 1999 in Düsseldorf verstorbenen Malers und Gestalters Robert Rotar.

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Selbst mal Bauhaus spielen: Das ist möglich im „Studio 2“ der Krefelder Ausstellung.

Ein elegantes Video der slowenischen Künstlerin Jasmina Cibic spielt in den Räumen und Gärten der Krefelder Villen Lange und Esters, die Mies van der Rohe Ende der 1920er-Jahre für betuchte Kundschaft baute. Beide Häuser sind heute Museen im Geist des Bauhaus – ein Umweg dorthin lohnt sich immer. Dort gibt es übrigens auch ein Kunst-Café.

Was, wann und wo?

„Von Albers bis Zukunft – Auf den Spuren des Bauhauses“: bis Januar 2020 im Kaiser Wilhelm Museum Krefeld, Joseph-Beuys-Platz 1. Di.-So 11 bis 17 Uhr. In einem kleinen Studio kann man selbst nach Art von Bauhaus-Studenten aktiv werden. In den Häusern Esters und Lange, Krefeld, Wilhelmshofallee 91-97, geht es zugleich um das Thema „Anders Wohnen“. www.kunstmuseenkrefeld.de

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