Kultur Kunstkritik

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Leben am Kunstpalast: Zwischen dem Nashorn von Johannes Brus, was seit 2002 im Gras liegt, und einer Fiberglas-Skulptur von Tony Cragg blitzt ein gelber Flitzer aus der künftigen Ausstellung über Sportwagen-Design

Kunstpalast Düsseldorf: Auf Walter Opheys Weg der Farben

Das Düsseldorfer Museum heißt jetzt nur noch Kunstpalast. Das klingt frischer, cooler, moderner. Und so ist auch der Stil des neuen Generaldirektors Felix Krämer. Er hat das Haus geöffnet, Trennwände entfernt, Hemmschwellen beseitigt, den Shop und die Kassen ins Foyer geholt. Vier der kraftvoll geschichteten Skulpturen von Tony Cragg markieren bis Februar den Ehrenhof. Und bevor ab Ende September das Design legendärer Sportwagen in einer frechen Schau gefeiert wird („PS: Ich liebe Dich“), präsentiert Krämer nun einen Klassiker der rheinischen Moderne: den Maler Walter Ophey (1882-1930) und seine betörenden Bilder.

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Farbweg: Ein leuchtender Teppich führt durch die Ophey-Ausstellung. Vorn: „Altwasser“, hinten „Herbstphantasie“, jeweils 1912

„Farbe bekennen“ – so hat Krämers Team um die Kuratorin Gunda Luyken die Ausstellung genannt. Der Chef will keine akademische Langeweile. Das sieht man schon am Teppichboden, der in leuchtend farbigen Schwüngen gleichsam tanzend zur Malerei des Mannes führt, dessen Namen auch in Bildungsbürgerkreisen nicht jeder kennt. Krämer selbst wusste nicht einmal, wie er sich ausspricht (Oppei, nicht Offei). Der Wahl-Düsseldorfer Walter Ophey war zwar zu Lebzeiten erfolgreich und hatte betuchte Kunden, er schaffte es aber nicht in den Olymp der Kunstgeschichte. Vielleicht, weil er zu früh an Herzversagen starb, vielleicht, weil er nicht zur richtigen Pariser Clique gehörte, vielleicht, weil er auf dem Felde des Impressionismus, Fauvismus und Expressionismus vielerlei ausprobiert hatte und kein unverwechselbares Werk hinterließ.

„Maler wollte ich werden“

Wie dem auch sei: Die Stadt Düsseldorf konnte Opheys gesamten künstlerischen Nachlass 1954 gegen eine aus heutiger Sicht sehr bescheidene Leibrente von 350 Mark von seiner Witwe Bernhardine (die 1968 starb) erwerben. In der Sammlung Kunstpalast befinden sich seither 170 Gemälde und über 3000 Zeichnungen Opheys: ein wahrer Schatz, der zuletzt 1991 mit einer Ausstellung gewürdigt und nun endlich ganz neu beachtet wird. Dank des Freundeskreises und ihres Vorsitzenden Georg F. Thoma gibt es auch einen Katalog aus dem Wienand-Verlag: prächtig anzusehen und ungewöhnlich spannend zu lesen.

Auch Opheys mit Witz selbst geschriebener Lebenslauf ist da abgedruckt: „Schlechter Schüler war ich. Maler wollte ich werden, so lange ich mich zu erinnern weiß.“ In seiner geliebten Heimatstadt Eupen, die nach dem Ersten Weltkrieg belgisch wurde, zeichnete der Knabe unermüdlich – sogar auf Tischplatten und Gartentüren. Das Gymnasium schaffte er nicht. Aber nach der Mittleren Reife, die damals noch Einjähriges hieß, durfte Walter zunächst das „Figuren- und Landschaftszeichnen“ an der Aachener Hochschule üben, um dann, im Jahr 1900, an die berühmte Düsseldorfer Kunstakademie zu gehen.

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Diese hübsche junge Düsseldorferin ist die künftige Braut des Künstlers Walter Ophey: „Bernhardine Bornemann im Kostüm“, 1906-07.

Das Profil der schönen Bernhardine

Sieben Jahre lang studierte Ophey – sehr gründlich und mit Vergnügen, wie eine Porträtstudie von 1902 zeigt, auf der er einen grimmigen Mann in Nosferatu verwandelt hat. Ein feines, um 1906/07 entstandenes Profilbild einer hübschen Brünetten mit weicher Knotenfrisur hingegen ist von Liebe geprägt: Es handelt sich im Bernhardine Bornemann, genannt Dotty, eine junge Düsseldorfer Turn- und Handarbeitslehrerin, spätere Gattin Walter Opheys und Frau seines Lebens. Zur selben Zeit, gegen Ende des Studiums, verdient der talentierte Maler schon erstes Geld mit der Kunst. Ein Privatsammler kauft für 400 Mark eine nächtliche Landschaft mit Haus am Wasser („An Schubert“). Jetzt, im Jahr 2018, wird das fast romantische Bild, noch im Besitz derselben Familie, zum ersten Mal öffentlich ausgestellt.

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Klein, aber flammend wie ein Feld des Vincent van Gogh: Opheys Sandbruch-Bilder aus den 1910er-Jahren

Ophey kann sich das Reisen leisten. Er verbringt, wie er selbst schreibt, „drei überglückliche Monate“ im italienischen Positano („das wundervollste Nest der Welt“) und lässt seine Farben vom Licht aufhellen. Tupfer an Tupfer setzt er später im Atelier eine große „dekorative Landschaft“ zusammen. Lapidarer Titel: „Am Mittelmeer“. Im Jahr darauf, 1911, wird er in Paris die Pointilisten aus der Nähe sehen und die „fleckige Farbigkeit“, die ihn so fasziniert, auch im heimischen Benrather Schlosspark finden. In flirrenden Bildern hält er seine Impressionen fest. Doch ihn begeistert auch der großzügige, ungestüme Pinselschwung. Als sei es ein Stück des Kollegen van Gogh, so lässt Walter Ophey die Sandbrüche bei Ratingen in flammendem Gelb aufleuchten. Dabei verliert er nie den Sinn für die Linie, wie Zeichnungen aus der Schweiz und die fast abstrakte Komposition „Farbige Steine“ beweisen.

Der Schmerz verbirgt sich

Eine „Herbstphantasie“ von 1912 züngelt goldgelb vor blauem Himmel, wild wellt sich eine „Flusslandschaft mit roter Sonne“ von 1913. Damen lassen sich von Ophey in kühn farbiger Manier porträtieren. Er experimentiert auch mit moderner Sakralkunst. „Da fiel wie ein Kladderadatsch der große Krieg in mein glückliches Malerleben“, schreibt er. Noch bevor er seine Bernhardine ordentlich heiraten kann, wird er 1915 einberufen, kommt aber gleich krank ins Lazarett, wo er Farbkreidezeichnungen macht. Man sieht die Räume, die Möbel, die Figuren, aber man sieht kein Drama, keine Verletzung. Ophey ist eben kein Dix, er huldigt immer der Schönheit.

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In den späten 1920er-Jahren, kurz vor seinem frühen Tod, malte Walter Ophey viele aparte Stillleben, zum Beispiel „... mit Weinflasche“ und „... mit Pfeffermühle“

Allenfalls eine gewisse Skurrilität gestattet er sich. Noch erschüttert vom Tod seines vierjährigen Sohnes malt er Mitte der 1920er-Jahre einige Puppen und Krimskrams-Figuren, die grimassieren und gestikulieren, als seien sie auf groteske Art lebendig geworden. Zugleich entstehen aparte Stillleben in leuchtenden, aber durchscheinenden Farben: zwei schillernde Bücklinge auf dem Teller, eine Kokosnuss mit zwei braunen Bananen. Künstlerisch ist alles bestens: Ophey hat seine Sammler, schafft ein Wandbild für das Planetarium (heute Tonhalle) und erledigt kirchliche Aufträge. Auf Reisen Ende der 1920er-Jahre zeichnet er Wälder, Kühe und Berge, verwischt die sparsamen Kreidelinien mit leichter Hand. Doch es geht ihm nicht gut. Er hat Atem- und Herzbeschwerden. Im Januar 1930 stirbt Walter Ophey in Düsseldorf, noch vor seinem 48. Geburtstag.

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Neue Offenheit: Der Museumsshop ist jetzt gleich vorne im Eingang des Kunstpalastes zu finden. Das Café befindet sich noch im ersten Stock, soll aber in Zukunft im Seitenflügel mit Aussicht eingerichtet werden

Wann und wo?

„Walter Ophey. Farbe bekennen!“ Bis 13. Januar im Kunstpalast Düsseldorf, Ehrenhof 4-5. Di.-So. 11 bis 18 Uhr, Do. bis 21 Uhr. Eintritt: 10 Euro, ab 27. Sept. 14 Euro (inklusive der Sportwagen-Ausstellung). Kinder unter 13 Jahren haben freien Eintritt, Jugendliche bis 17 Jahre zahlen zwei Euro. Ein Katalog erscheint im Wienand Verlag, 200 Seiten, 180 Abbildungen. Museumspreis: 29,80 Euro. Als Edition erscheinen vier Radierungen nach Walter Opheys Originalplatten in einer 20er-Auflage, Preise zwischen 150 und 250 Euro. www.kunstpalast.de

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