Kultur Kunstkritik

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„Surprize“: Die Gewächse des Vorjahres-Stipendiaten Fynn Ribbeck vor Bildern von Arno Beck.

Neue Kopfarbeit in der Düsseldorfer Kunsthalle

So ist das in dieser Zeit. Manchmal fühlt man sich selbst als Teil einer rätselhaften Performance – zum Beispiel, wenn man auch in einem luftig-leeren Ausstellungssaal die Maske tragen muss. Anders als in den Amüsier-Gassen der Altstadt kann ja in der Kunsthalle am Grabbeplatz von Gedränge keine Rede sein. Nur vereinzelte Freunde junger Kunst interessieren sich für die Werke von Akademie-Absolventen, denen die mit Versicherungen handelnde Firma BEST in den letzten zehn Jahren ein Stipendium gegeben hat: „Surprize“ ist der Titel, so wie Überraschung (englisch: surprise) und Preis (prize).

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Besucherinnen im Kinosaal der Kunsthalle vor einem Objekt von Peter Uka und einer Fotoarbeit von Lucia Sotnikova.

Sperrig wie dieser Wortwitz wirkt die ganze Schau – obgleich die Teilnehmer interessante und sehr unterschiedliche Arbeit machen. Aber es fehlt einfach der verbindende Gedanke, die spannende Inszenierung. Im Seitenlichtsaal hängen maschinell entstandene „Stiftplotter“-Zeichnungen des Lüpertz-Schülers Arno Beck beziehungslos hinter den fantastischen Pflanzenfiguren, die Fynn Ribbeck aus Kunststoff näht. Im Kinosaal treffen die surrealen, an den Leipziger Meister Neo Rauch erinnernden Gemälde von Fabian Pfleger auf ein monumentales Grau von Lucia Sotnikova und ein buntes, einer Wagenladung ähnelndes Wandobjekt, das der in Nigeria geborene Kölner Peter Uka „Tide of Trepidation“ genannt hat, Flut der Angst.

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Auf der Empore: Bilderobjekt von Nils Bleibtreu, Video von Moritz Wegwerth.

Harte Arbeit für die Wahrnehmung

Man muss die Zuordnung auf einem Zettelplan raten, individuell erklärt wird nichts. Auf dem Zettel stehen lediglich allgemein-akademische Formulierungen wie: „Alle drei Werke provozieren die Wahrnehmungskategorien.“ Im oberen Saal werden die Kategorien weiter provoziert mit Nils Bleibtreus abstrakten Arbeiten aus Materialien wie Autolack und Knochenleim, einem dunklen Video von Moritz Wegwerth und Silke Albrechts naturalistischem Bild einer Agave inmitten gegenstandsloser Malerei.

Gegenüber in den Räumen des Kunstvereins manifestiert sich die Kopflastigkeit, die leider dem ganzen Haus innewohnt. Unter dem Titel „Spirits and Objects... and How Non-Productive Love Is Sometimes Contained in Them ...“ zeigt Direktorin Eva Birkenstock die verschrobenen Installationen des 1957 in Wien geborenen Josef Strau. Man befindet sich in einem „metaphysischen Lagerort“ mit drei „Kinos“ aus Pappe sowie Stapeln von Kartons, alten Lampen, einem Plüschtiger und allerlei anderem Kram. „Die Hermeneutik der Transzendenz der Zeitlichkeit dieser alternden ... Kunstobjekte hofft auf die Entdeckung der Zeit selbst als Werkzeug zur Erlösung ihrer Objektrealität“, schreibt die Chefin. Das versteht vielleicht, wer Lust hat, die 60 eng mit winzigster Schrift bedruckten Textplakate des Künstlers zu entziffern. Kunst wird hier zur Übung für eine intellektuelle Elite.

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„Metaphysischer Lagerort“: Blick in die Installation von Josef Strau im Kunstverein.

Was, wo und wann?

„Surprize: Die Stipendiat(inn)en des BEST Kunstförderpreises“: bis 1. November in der Kunsthalle Düsseldorf, Grabbeplatz. Im selben Haus zeigt der Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen bis zum 22. November die „Spirits and Objects“ von Josef Strau. Di.-So. 11 bis 18 Uhr. www.kunsthalle.duesseldorf.de

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