Kultur Kunstkritik

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An einen „Vogelschwarm“ erinnern die Kerben, die Ayako Tani mit dem Bunsenbrenner in Glasröhren zauberte

Zerbrechliche neue Kunst im Düsseldorfer Glasmuseum

Kunst aus Glas, wie leicht bricht das ... Wer sich ausgerechnet das fragilste Material aussucht, um Objekte zu schaffen, die keinem anderen Zweck dienen als der Schönheit, muss mit äußerster Geduld und Behutsamkeit vorgehen. So wie die drei Preisträgerinnen der Jutta-Cuny-Franz-Foundation, deren Arbeiten einen Sommer lang in der Glasabteilung des Kunstpalastes vorgestellt werden. Es ist nur eine winzige Schau für Liebhaber, die links neben der großen, leuchtend blauen Bleiglasarbeit „Ago Wan II“ von Ludwig Schaffrath den Eingang finden.

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Mit buntem Glas zeichnen – das gelingt der in London lebenden Koreanerin Su Ju Lee

Technik trifft alten Zauber

Das Werk der Hauptpreisträgerin Evelina Rajca (34), die in Köln lebt und audiovisuelle Medienkunst studiert hat, macht sich zu jeder vollen Stunde bemerkbar. Dann nämlich produziert es für einige Minuten unwiderstehliche, sphärenhaft an- und abschwellende Klänge. Zwei Glasglocken, jeweils befestigt an einem stählernen Träger, drehen sich langsam und werden dabei von einem digital bewegten Klöppel angeschlagen. Die scheue Künstlerin, die partout nicht mit ihrem Werk „smart.ing bodies“ fotografiert werden will, ließ sich von der legendären Glasharmonika des amerikanischen Gründervaters und Erfinders Benjamin Franklin inspirieren. Doch sie überlässt ihre programmierte Komposition der Eigendynamik der Technologie. Eine hochmoderne Installation mit uraltem Zauber ist so entstanden.

Der Geist und der Vogelschwarm

Auch die beiden Förderpreisträgerinnen Ayako Tani und Sun Ju Lee suchen die Magie des ungewöhnlichen Materials. Beide arbeiten im englischen Glas-Zentrum Sunderland, einem Industriekomplex nach dem Strukturwandel. Die Japanerin Ayako Tani zauberte mit dem Bunsenbrenner einen „Vogelschwarm“ in eine Reihe gläserner Röhren. Und sie schrieb aus durchsichtigem Glas das kaligraphische Zeichen für „Geist“. Im Schatten an der Wand wird es erst richtig sichtbar. Ihre koreanische Kollegin Sun Ju Lee ist eigentlich Grafikerin und überträgt ihren zeichnerischen Gestus mit zart geschmolzenen Glasstäbchen auf quadratische Platten. Ein wahres Wunder, dass die hoch empfindlichen Stücke den Transport überstanden haben, meint der Leiter des Glasmuseums, Dedo von Kerssenbrock-Krosigk. Aber ist es nicht gerade die Gefährdung, die eine Erscheinung besonders kostbar macht?

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Diese Glaskunst macht Musik: Ein Kunstfreund lauscht den sphärischen Klängen, die aus dem Objekt „smart.ing bodies“ von Evelina Rajca kommen

Fakten und Zeiten

Der nach einer jung verstorbenen Bildhauerin benannte, mit 10.000 Euro dotierte Jutta-Cuny-Franz-Erinnerungspreis geht in diesem Jahr an Evelina Rajca, jeweils 1500 Euro erhalten die Förderpreisträgerinnen Su Ju Lee und Ayako Tani. Preisverleihung ist am Samstag, 11. Mai, 11 Uhr, im Kunstpalast, Foyer des Sammlungsflügels. Arbeiten aller drei Künstlerinnen sind danach bis 1. September in der Abteilung Glasmuseum zu sehen. Di.-So. 11 bis 18 Uhr, Do. bis 21 Uhr. www.kunstpalast-de

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