Kultur Musik

D_Klaus-Doldinger_(c)Peter Hönnemann

Jazz ist sein Leben: Klaus Doldinger feiert den 80. auf der Bühne der Tonhalle

Düsseldorf gratuliert Klaus Doldinger zum Achtzigsten: „Da braucht es kein Machtwort von meiner Seite“

Klaus Doldinger, das Urgestein des deutschen Jazz, wird am 12. Mai 80. Kein Grund für den dreifachen Vater, sich zurückzuziehen. Mit einer neuen Platte feiert er an zwei Abenden in der Tonhalle mit Gästen wie Udo Lindenberg, Sasha, Nils Wülker und Max Mutzke. Danach geht’s auf ausgedehnte Deutschlandtour. Vorab erinnert Klaus Doldinger, dessen Titelmusik jeden Sonntagabend auf eine neue „Tatort“-Folge einstimmt, an seine Anfänge in Düsseldorf, verrät, warum er immer noch gern live auftritt, und wünscht sich mehr Nachwuchsförderung im Jazz. 

Herr Doldinger, andere würden in Ihrem Alter laut über Ruhestand nachdenken …
„… das gibt es bei uns nicht…“

… Sie stehen nach wie vor auf der Bühne und veröffentlichen Alben. Was ist Ihre Motivation?
„Die Liebe zur Musik und zu meiner Familie. Es gibt viele Gründe. Wenn man so lange unter der Haube ist und eine Lebenspartnerin hat, die das gleiche liebt, wie man selber, dann ist das eine sehr große Unterstützung.“

Wie lange sind Sie schon verheiratet?
„Seit 1960. 56 Jahre.“

Dann feiern Sie in vier Jahren Ihre Diamanthochzeit.
„Ach das sind nur Äußerlichkeiten. Wichtiger ist die Tatsache, dass man ein gemeinsames Leben verbringt und dass andere Menschen daraus hervorgehen, wie unsere drei Kinder und die fünf Enkel. Die Familie spielt eine große Rolle, ebenso wie die gemeinsame Liebe zur Musik und zur Kunst. Das sind alles lebensbejahende, wichtige Elemente, die einen ein Leben lang zusammenhalten können.“

An Ihrem Geburtstag stehen Sie auf der Bühne in der Tonhalle. Wie wichtig ist es Ihnen nicht nur mit Familie und Freunden, sondern auch mit Fans und Kollegen zu feiern?
„Ich stehe einfach gerne auf der Bühne. Natürlich kann man auf seinen Geburtstag auch zuhause anstoßen. Aber ich finde, zusammen mit Weggefährten und Kollegen zu musizieren, eigentlich genauso erstrebenswert. Ich habe die letzten halbrunden und runden Geburtstage immer auf der Bühne stehen dürfen und jetzt habe ich die Chance wieder und nehme sie einfach wahr.“

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Die Gruppe heißt - na klar: "Passport". Ganz rechts: Klaus Doldinger

Ihr Werk umfasst so viele Titel. Auf Ihrem neuen Album „Doldinger“ ist ausschließlich Material aus ihrem umfangreichen Repertoire zu hören, das Sie neu bearbeitet haben. Nach welchen Kriterien haben Sie die Stücke ausgesucht?
„Das frage ich mich auch (lacht). Ich habe ganz bewusst Stücke ausgewählt, die wir noch nicht allzu oft aufgenommen haben. Über die Jahre habe ich immer wieder Passport-Kompositionen zu neuem Leben zu erwecken versucht. Jedes Stück, das man auf der Bühne noch einmal anspielt, hat damit die Chance, wieder neu zu erstrahlen. Bei den Aufnahmen für eine Platte, ist es dann doch etwas anderes. Da sucht man Stücke aus, von denen man glaubt, die liegen der Band ganz besonders und es macht im Kontext mit den anderen Stücken Sinn. Es war nicht ganz leicht, das gebe ich zu. Ich glaube aber, unterm Strich ist uns das gut gelungen.“

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Im Studio - mit Klaus Doldinger (2.v.l.)

Die Kollegen, die Sie am Geburtstag auf der Tonhallen-Bühne besuchen werden, waren zum Teil auch mit Ihnen im Studio. Wie viel Einfluss hatten denn Dominik Miller (Gitarrist bei Sting), Posaunist Nils Landgren oder Helge Schneider auf die Arrangements?
„Aus meiner Erfahrung heraus läuft es am besten, wenn man Stücke vorschlägt und sich abstimmt, was die Gäste machen möchten. Zu allen Stücken habe ich auch Notenmaterial, allerdings keine festgelegten Arrangements. Auf diese Weise haben wir die Möglichkeit, das Stück spielerisch gemeinsam zu entwickeln. Deshalb ist es auch eine Live-Platte im wahrsten Sinne, für die alle Stücke auch live eingespielt wurden. Wenn man die Musik einfach für sich sprechen lässt, ergeben sich die Dinge wirklich spielerisch. Da braucht es kein Machtwort von meiner Seite.“

Das Jahr ist noch recht jung und die Musikwelt hat bereits große Künstler wie David Bowie, Roger Cicero oder jetzt Prince verloren…
„Man hätte bei Roger Cicero nicht erwartet, dass er so jung von uns geht. Man muss mit allem jederzeit rechnen. Das kann ich mit meinen bald 80 Jahren leicht sagen. Da muss man dem lieben Gott dankbar sein, dass er einen noch leben lässt und dass man auch noch in der Lage ist, sich selber musikalisch treu zu bleiben. Das sehe ich als Privileg. Ich habe aber auch daran gearbeitet. Ich war schon in jungen Jahren gesundheitlich gefährdet durch eine schwere Lungenentzündung und in den 1980er Jahren dadurch, dass ich einfach zuviel zu tun hatte. Aber ich denke, man muss daraus lernen und je weiter die Jahre des Lebens fortschreiten, versuchen einen Weg zu beschreiten, der einen nicht gefährdet."

Kennen Sie den Druck, besonders in sehr kreativen Phasen, sich selbst immer wieder zu weiteren Leistungen anzufeuern?
„Nein, auch deshalb, weil meine Frau sehr gesundheitlich orientiert lebt. Sie war diesbezüglich immer eine gute Ratgeberin. Wir sind inzwischen schon so lange verheiratet, dass sich das, was sie sagt und tut im Laufe eines Lebens als vernünftig erwiesen hat.“

Wir müssen natürlich auch über Düsseldorf reden. Stimmt es, dass der Jazz Sie in Düsseldorf gepackt hat, denn Sie haben ja zunächst Klassik studiert?
„Stimmt, ich war am Robert-Schumann-Konservatorium. Damals traf sich in Düsseldorf der so genannte Hot Club. Der kam alle zwei bis drei Wochen im Hinterzimmer des Musikhaus Jörgensen (Anmerkung der Redaktion: An der Berliner Allee befindet sich auch heute noch in alten Räumlichkeiten von Jörgensen ein Musikladen), nur um gemeinsam Schallplatten zu hören. Denn damals gab es noch kaum Schallplatten in den Geschäften. Jazzliebhaber brachten ihre Platten dorthin mit und wir hörten sie uns zusammen an. Einige Kenner der Materie hielten zudem auch Vorträge. Das war damals eine wunderbare Institution. In dem Rahmen lernte ich dann auch Gleichaltrige kennen – wir waren damals so 16/17 – mit denen zusammen ich musizieren konnte. Wir haben sehr schnell beschlossen, gemeinsam eine Band zu gründen. Das waren die Düsseldorfer Feetwarmers. Sehr bald haben wir dann gemeinsam auf der Bühne gestanden. Ein paar Jahre später – 1955 – nahmen wir unsere erste Platte auf und haben Preise gewonnen. Zu der Zeit wuchs mein Interesse am Modern Jazz und weil ich immer so von Oscar Peterson geschwärmt habe, hatte ich bald den Spitznamen Oscar, auch weil es in unserer Band vier Kläuse gab.
Nachdem ich eine Weile herumgetingelt war, wurde mir klar, dass ich kein Musiker werden wollte, der mit Monatsengagements in Night Clubs spielt. So entschied ich mich für ein Studium zum Tonmeister. Parallel dazu hatte ich schon ein Quartett. Siggi Loch, der damals für Philips arbeitete, wollte mit uns zusammen eine Platte produzieren. Damit war er mein erster Produzent und daraus wurde eine lebenslange Freundschaft.“  

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Volle Kanne, Doldinger: Passport, heute, auf der Bühne

Pfingsten steht auch wieder die Jazz-Rally an. Seit 2000 sind Sie Schirmherr. Wie wichtig sind solche Festivals für die Nachwuchsförderung?
„Die Düsseldorfer Jazz-Rally ist eines der wenigen Festivals, durch das Nachwuchskünstler wirklich gefeatured werden. Im Allgemeinen verlassen sich viele Festivalveranstalter immer mehr auf bewährte Namen. Ich bin selbst kein Veranstalter und weiß auch nicht, ob ich den Mut hätte, unbekannte Nachwuchskünstler zu featuren. Ohne nun einzelne Veranstalter zu bewerten und einzuschätzen, muss ich sagen, wenn Veranstalter es dann trotzdem tun, ist ihr Engagement hoch verdient. Ich finde trotzdem, da müsste einfach noch mehr getan werden. Es gibt viele öffentlich geförderte Veranstaltungen im Bereich der Klassik, der Oper oder des Theaters. Meiner Meinung nach kommt der Jazz da einfach zu kurz. Da müssten einfach noch mehr Überlegungen angestellt werden, was in diesem Bereich zu tun ist für den musikalischen Nachwuchs. Was die Kulturpolitik angeht, bin ich deshalb durchaus geneigt, dem einen oder anderen Kulturreferenten zu raten, doch bitte auch ein Auge auf diese Szene zu werfen.“

Das Interview führte Claudia Hötzendorfer

Klaus Doldingers „Still loud -Tour“ live mit Gästen wie Udo Lindenberg, Sasha und Max Mutzke in der Tonhalle: 12. und 13. Mai 2016, Beginn: 20 Uhr. Tickets an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Weitere Infos zur Tour unter www.klaus-doldinger.de/#dates

 

D_Klaus Doldinger 1(c)Peter Hönnemann

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