Theater

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Es fließen die Desinfektionsmittel, Paketband blockiert die Nachbarsitze, alles fühlt sich noch anstrengender an. Auch während der Vorstellung muss der ermahnte Mensch neuerdings die Mund-Nasen-Bedeckung aufbehalten und flach atmen. Nur echte Liebhaber verlassen fürs Theater ihre heimische Komfortzone – und freuen sich umso mehr, wenn sie belohnt werden wie jetzt auf der kleinen Bühne des Düsseldorfer Schauspielhauses. Der fabelhafte Jonas Friedrich Leonhardi macht aus Georg Büchners Erzählung „Lenz“ im Alleingang ein reiches, tiefgründiges, spannendes Drama – with a little help von seinem Regie-Freund Fabian Rosonsky.

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Mit dem Theater in Corona-Zeiten ist es nicht anders als im Leben selbst: Man muss immerzu den Abstand wahren und versucht verzweifelt, sich dennoch bemerkbar zu machen. Auch die Düsseldorfer „Mutter Courage“ zappelt und schreit in ihrer Isolation. Kaum auszuhalten. Sebastian Baumgarten (51), ursprünglich Opernregisseur aus Berlin, hat Brechts Lehrstück vom Seelenfresser Krieg als quälendes Kreiselspiel inszeniert. Die Bühne im Großen Haus dreht sich ununterbrochen wie eine gigantische Spieluhr, auf der Menschen unter Getöse wie irre Automaten agieren.

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Es ist ja nicht alles schlecht an den Corona-Bedingungen. Dass man im Schauspielhaus nicht mehr so dicht beieinander hockt, immer einen freien Platz neben sich hat und die Handtasche abstellen kann, hat durchaus etwas Angenehmes. Viele freuen sich gewiss auch, derzeit keine vierstündigen Inszenierungen durchhalten zu müssen. Da Pausen verboten sind, wird alles knackig kurz gehalten. Als Kilian Land allerdings schon nach einer furiosen Dreiviertelstunde mit Kafkas „Bericht für eine Akademie“ fertig war, fühlte sich das verdutzte Premierenpublikum dann doch etwas unterversorgt. Wenigstens ein Stündchen hatte man erwartet.

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Vergesst Ibsen! Von seinem letzten Drama „Ein Volksfeind“, mit dem der alte norwegische Gesellschaftskritiker vor 140 Jahren gegen die Verlogenheit der bürgerlichen Gesellschaft zu Felde zog, ist im „Volksfeind for Future“ nur so viel übrig, dass Gymnasiasten die Strukturen vergleichen könnten. Während bei Ibsen ein aufrechter Badearzt das verdorbene Wasser in einem Kurort anprangert und dafür gehasst wird, geht es in der Neufassung von Lothar Kittstein um eine kindliche Kämpferin, die den Bau eines E-Auto-Werks verhindern und die Welt radikal verändern will. Der Realitäts-Spürhund Volker Lösch hat die Sache mit jungen Düsseldorfer Umweltaktivist(inn)en ins Szene gesetzt, und das Publikum muss jetzt ganz tapfer sein.

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Die Rechtsfrage ist geklärt: Gemäß einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Februar 2020 dürfen Ärzte auch in Deutschland ungestraft Beihilfe zum Suizid leisten. Theoretisch. Praktisch gibt es immer noch erhebliche moralische Bedenken. Die werden in „Gott“, dem neuen Debattier-Drama des Juristen und Erfolgsautors Ferdinand von Schirach, ausführlich verhandelt. Wie in seinem ersten Stück „Terror“ soll das Publikum am Ende abstimmen. Das sorgt für einen kleinen Spannungskick in der weitgehend stocksteifen Uraufführung am Düsseldorfer Schauspielhaus.

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Schon fünf nach acht. Man könnte jetzt auf dem Sofa liegen und Schnittchen essen. Wir zeigen Einsatz, stehen maskiert im kleinen Foyer des Schauspielhauses und warten auf den Beginn eines „theatralen Rundgangs“ mit Texten des Düsseldorfer Freiheitsdichters Heinrich Heine (1797-1856): „Lieber ein lebendiger Hund als ein toter Löwe!“ Neben geistiger Bereitschaft ist auch eine gewisse körperliche Fitness erforderlich. Denn es geht über steile Treppen und enge Gänge hinauf und hinab durch das labyrinthische Innere hinter der endlich fertigen Fassade des Pfau-Baus. Lohnt sich das? Und ob! Jan Philipp Gloger hat ein Abenteuer voller Überraschungen inszeniert, mit Poesie, Scharfsinn, Sang und Klang und Inspiration.

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So richtig verlockend klingt das ja nicht: „Hyperreal – Eine dystopische Science-Fiction-Komödie“. Pardon? Nur Old-School-Bildungsbürger oder Google wissen, dass Hyperrealität ein Begriff des 2007 verstorbenen französischen Philosophen Jean Baudrillard für eine Welt der beziehungslosen Zeichen ist, und dass die Dystopie im Gegensatz zur Utopie eine verdammt miese Vorstellung von der Zukunft beschwört. Aber keine Bange: Trotz einiger intellektueller Verrenkungen tanzt, singt und lacht das Stück der Regisseurin und Choreografin Constanza Macras, dass es eine Lust ist, und reflektiert dabei unser aller Gegenwart.

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Die Lage ist schon ernst genug. Da braucht man nicht noch ernstes Theater wie Strindbergs „Traumspiel“, dessen Voraufführung am 11. März die letzte Vorstellung vor dem Lock-Down war. So was muss warten, wir wollen jetzt Trost und gute Laune. Und das gibt’s an diesem Wochenende im Ehrenhof gleich sechs Mal beim „Theater! Open! Air!“, dem lustigen Lebenszeichen von sechs Düsseldorfer Bühnen. Nein, von sieben, denn das Junge Schauspiel wird extra gezählt. Ach, es ist eine Wonne, wieder eine Show im nicht-virtuellen Raum zu sehen! Trotz Abstandsregeln und Maskengedöns. Applaus!

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Alle wollen ein sommerliches Lebenszeichen von Rheinoper, Düsseldorfer Schauspielhaus, Tanzhaus NRW, Theater an der Kö, Kom(m)ödchen und dem Düsseldorfer Forum Freies Theater (FFT). Die drei zunächst geplanten Vorstellungen von „Theater! Open! Air!“ am Samstag, 20. Juni, waren nach zwei Stunden schon ausverkauft. Um mehr Zuschauerwünsche erfüllen zu können, gibt es nun drei zusätzliche Vorstellungen am Sonntag, 21. Juni, um 11 Uhr, 13.30 Uhr und 16 Uhr. Die Vorstellungen mit jeweils höchstens 200 Besuchern im Ehrenhof am Kunstpalast dauern jeweils etwa anderthalb Stunden. Einlass ca. 45 Minuten zuvor. Der neue Vorverkauf für die Zusatzvorstellungen startet am Dienstag, 16. Juni, 11 Uhr.

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Corona hin, Corona her – eine Pressekonferenz mit 25 Beteiligten hätte man auch mit Abstand in einem luftigen Foyer veranstalten können. Stattdessen gab es ein keimfrei digitales Meeting auf Zoom. Die Düsseldorfer Theater sind offenbar nachhaltig traumatisiert von der Seuche, die das Spiel im März jäh beendet hat. Unter den herrschenden Bedingungen wollen Oper, Schauspielhaus, Tanzhaus, Theater an der Kö, das Kom(m)ödchen und das Forum Freies Theater (FFT) keine Experimente machen. Aber sie geben dem Publikum ein Lebenszeichen in Form einer Revue unter freiem Himmel: „Theater! Open! Air“ am 20. Juni im Ehrenhof. Der Vorverkauf startet am Dienstag, 9. Juni, um 11 Uhr.

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Man ist ja froh, dass sich irgendetwas rührt. Man möchte nicht gemein sein in diesen Zeiten, und man möchte es unbedingt schön finden, was die Theater und Konzerthäuser jetzt als digitales Notprogramm produzieren. Leider sind die technisch und atmosphärisch eher dünnen Aufnahmen kein Kino und nur mit Geduld und Hingabe zu genießen. Versuchen wir’s mal mit der Tonhalle und dem Düsseldorfer Schauspielhaus.

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Ist es nicht so, dass wir morgens, wenn wir erwachen, kurz denken, alles sei normal? Dann fällt uns ein: Es herrscht ja Corona, die Covid-19-Krise. Das Virus verbreitet sich, die Einrichtungen des öffentlichen Lebens werden nach und nach abgeschaltet, niemand weiß, was uns noch bevorsteht. Die Szenarien aus überforderten italienischen Krankenhäusern wirken wie ein böser Traum, aus dem wir zu erwachen wünschen. Doch er geht weiter. Genau so wie in August Strindbergs „Ein Traumspiel“, dessen für Samstag (14.3.) geplante Premiere im Düsseldorfer Schauspielhaus jetzt wegen der Theaterschließungen ausfällt, und dessen Voraufführung am Mittwoch (11.3.) ich zufällig gesehen habe. Ein geradezu unheimlich passender Stoff ...

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Ob es sinnvoll ist, bereits mit Zweijährigen ins Theater zu gehen? Aber selbstverständlich, glaubt der Leiter des Jungen Schauspiels, Stefan Fischer-Fels. Denn Kinder haben noch keine Konventionen im Kopf und lassen sich vollkommen auf das ein, was auf der Bühne geboten wird. Dass dies gut für die Entwicklung der Kinder ist, findet auch Diakonie-Chef Thorsten Nolting. Deshalb genossen in der vergangenen Woche mehr als 1000 Kita-Kinder der Diakonie ein besonderes Erlebnis. Sie besuchten die Vorstellung „Was die Sonne nachts macht“ im Jungen Schauspiel an der Münsterstraße.

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Es ist ja nicht so, als hätte es noch nie eine hemmungslose Inszenierung von Frank Wedekinds gutem alten Skandalstück „Lulu“ gegeben. Im Gegenteil: Das seltsame, um 1900 entstandene Drama um eine triebgesteuerte Frau, die alle kirre macht, bis Jack the Ripper sie am Ende abmurkst, war ein gefundenes literarisches Fressen für das moderne Theater. Sex & Crime pur, herrlich. Berühmte Regisseure wie Neuenfels, Ciullli, Zadek, Thalheimer griffen gern zu. Lauter Kerle allerdings. Im Düsseldorfer Schauspielhaus hat sich jetzt eine junge Frau mit dem fatalen Weib auseinandergesetzt. Und eine feministisch korrekte Lösung gefunden: Bernadette Sonnenbichler verwandelt das Objekt der Begierde in eine selbstbestimmte Performance-Künstlerin.

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Welche Lieder singt die Erinnerung? Was klingt da in unseren Köpfen? Jeder Mensch hat seinen eigenen inneren Soundtrack – vom Lalelu der Mutter bis zum Chanson mit dem Akkordeon. Aber es gibt auch Songs, die einfach typisch sind für eine Epoche und die wir alle kennen. Yeah, folks! Zum 50jährigen Bestehen des Düsseldorfer Schauspielhauses am Gründgens-Platz präsentieren mehrfach begabte Schauspieler unter Leitung ihres Kollegen André Kaczmarczyk und des fabelhaften Musikers Matt Johan Leenders eine Hitparade, die das Publikum begeistert und beseelt: „I build my time“, ich baue meine Zeit – das ist der literarisch-zarte Titel nach einem Gedicht des Dadaisten Kurt Schwitters.

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