Theater

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Oh nee, „Antigone“? Sophokles? Antike Tragödie in Hölderlins klassischer Übersetzung? Das klingt nach Theater für Bildungsbürger und bleischwerem Lernstoff für Oberschüler. Aber das Junge Schauspiel Düsseldorf hat daraus eine Show gemacht, ein Spiel mit Tanz, Musik und coolen Raps – zur Feier des menschlichen Gewissens, des Muts, der Würde, der Nächstenliebe. Anderthalb Stunden lang lauschten die jungen Zuschauer gebannt und applaudierten dann begeistert dem Team um die niederländische Regisseurin Liesbeth Coltof, die zwar schon 64 ist, aber die Jugend versteht.

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Es gibt kaum große Rollen für Frauen, klagt dieses Stück. Und sorgt zugleich heftig für Abhilfe. Die aufstrebende britische Autorin Penelope Skinner hat „Linda“ geschaffen, ein Drama über eine alternde Managerin und ihre Töchter und Rivalinnen. Die Heldin ist eine Frau, die, wie einst Shakespeares König Lear, ganz irre wird vor Ambition, Enttäuschung und unheiligem Zorn. Allerdings geht es um den Wahnsinn der alltäglichen Gegenwart, mit banalen, vertrauten Konflikten. Hauptdarstellerin Claudia Hübbecker sorgt bei der deutschen Erstaufführung im Kleinen D’haus dafür, dass Lindas Leid dem Publikum richtig schön auf die Nerven geht. Sie spielt sich die Seele aus dem Leib.

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Da ist er wieder, dieser Zauber: das blaue und das rote Licht, der falsche Mond, der uns betört, die Figuren, die sich zu Wort und Musik wie kunstvolle Marionetten bewegen. Es ist eigentlich egal, was Robert Wilson (78), der elegante Theatermagier aus Texas, in Szene setzt: Seine Bewunderer lieben es. Ich auch. Aber nach dem wie gewohnt tosenden Applaus für seine Shortversion von Rudyard Kiplings „Dschungelbuch“ muss man doch ehrlich sagen, Mr. Wilson hat schon größere Werke vollbracht.

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Nun, meine Damen und Herren, das müssen Sie einsehen: Auf Dauer kann sich das Düsseldorfer Schauspielhaus, keck D’haus genannt, nicht auf seine alten Bildungsbürger verlassen. Die sterben bald aus, neues Publikum muss her. Und so lässt Generalintendant Wilfried Schulz zwischen den herkömmlichen Premieren allerlei experimentelle Formate ausprobieren. Zum Beispiel die monatliche Lecture-Performance, eine schräge Art von Vorlesung unter dem Titel „Embracing Realities“ (Realitäten umarmen), kombiniert mit dem „Safe Open Fun Space“, dem sicheren offenen Spaßraum.

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Kinder, da war noch was los, als das neue Düsseldorfer Schauspielhaus 1970 mit „Dantons Tod“ eröffnet wurde! Krawall vor der Tür, Polizeischutz für die Premierengäste. „Schmeißt die fetten Bonzen raus!“ schrien die Demonstranten. Heute kümmern sich die Kids ums Weltklima und nehmen das bürgerliche Theater gar nicht wahr. Sie würden es kaum finden inmitten der Baustelle auf dem Gründgens-Platz, wo Büchners Danton erneut starb – am halb sanierten Ort. Ein nostalgisch gestimmtes Seniorenpublikum betrachtete wohlwollend ein junges, sich verausgabendes Ensemble bei qualvollen Leibesübungen unter der Regie von Armin Petras.

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„Hamburch, meine Perle“ – diese Hymne haben sie beim HSV gerade abgeschafft. Bernhard Paul poliert die Perle in Düsseldorf wieder auf. Mit einem Balanceakt zwischen Klischee und Klasse. Rotzfrech und sentimental. Rock und rotierenden Menschen und Kegeln und Bechern.

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Sonne? Mein Gegenüber blinzelt irritiert in das überraschend intensive Licht dieses Aprilnachmittags. Er kommt aus dem fensterlosen Bühnenraum des Central, dem Langzeitausweichquartier des Düsseldorfer Schauspielhauses. Vier Stunden Vormittagsprobe liegen hinter ihm, die nächste folgt um 18 Uhr. Coriolan, Shakespeares Alterswerk, hat am 18. April Premiere. André Kaczmarczyk wird die Titelfigur spielen, den aufstrebenden Feldherrn Caius Martius. Eine Rolle, die sich zu den vielen anderen gesellt, die der 33-Jährige aktuell mit all seinen Sinnen zusammenhalten muss. „Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wie viele Produktionen ich parallel mache“, sagt er und rührt im Cappuccino. Gefühlt ist er in so gut wie jeder Aufführung zu sehen.

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Mit dem ganz eigenen Blick auf die Beziehung zwischen Mann und Frau kommt der Caveman nach Düsseldorf zurück. Der Broadway-Klassiker ist vom 5. bis zum 7. April im Club des Capitol Theaters Düsseldorf zu sehen.

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Mit der Novemberrevolution wurde 1918 das Kriegsende, das Wahlrecht und der gesetzliche Acht-Stunden-Tag erreicht. Die Theaterperformance „November Revolution in Düsseldorf“ erinnert am Samstag (29.9.) und Sonntag (30.9.) als lebendiges Denkmal an die Ereignisse in Düsseldorf und den hundertsten Geburtstag.

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Der Festivalkurator Stefan Schmidtke wird Programmdirektor des Festivals Theater der Welt 2020 in Düsseldorf. Darauf haben sich das Internationale Theaterinstitut (ITI) und das Düsseldorfer Schauspielhaus verständigt. Seine Arbeit beginnt in wenigen Tagen.

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(Der Berichterstatter kommt von links auf die Bühne und stolpert über ein aufgeweichtes Reclam-Heft, das auf dem Boden liegt)
„Man muss vor diesem Wilfried Schulz warnen. Gewiss, er ist nicht groß an Gestalt und schaut auf den ersten Blick intellektuell drein. Abgehoben und durchgeistigt, irgendwie, wenn Sie mich fragen. Doch lassen Sie sich nicht täuschen, er ist ein gemeingefährlicher Mann. Schauen Sie sich dieses verschmitzte Schmunzeln an! Mit dem wird das nichts mit dem populistischen Säurebad für Anstand und Werte und Demokratie. Der springt glatt mitten rein ins ätzende Vollbad und holt alle drei da raus.“

(Der Leser schaut stirnrunzelnd auf. Er hat sein Tablet in eine Zeitung eingeschlagen und legt gerade eine virtuelle Bildschirm-Patience, während er so tut, als würde er den Leitartikel studieren)
„Nun machen Sie aber mal einen Punkt. Wieso springen sie hier so auf und ab? Beruhigen Sie sich doch erst einmal. Sie machen immer entschieden zu viel Alarm da, mit diesem…äh, in dieser Gazette…Sie sollten ihre Mitte finden, ihr Central.“

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Ihr selbstgestecktes Ziel hat das Kuratorium „Schauspielhaus2020“ mit ihrer Kampagne „Schauspielhaus2020 – Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürger für ihr Theater“ erreicht: 5.964.983 Euro wurden bis zum 22. März gespendet. Damit konnte die Hälfte der rund 12 Millionen Euro Kosten für die Modernisierung und Sanierung der öffentlichen Bereiche des Schauspielhauses durch Spenden gesammelt werden.

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Das Schauspielhaus nennt sich D’haus – und lockt für den Dezember mit drei Premieren. Da geht es um Komisches und um Sehnsucht. Um bürgerliche Doppelmoral. Und um den Nervenzusammenbruch von Eltern, die für ihre Kinder nur das Beste wollen.

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Eine Premiere feiert das Schauspielhaus Düsseldorf am Freitag, 10. November nicht mit einem Stück, sondern für ein bestimmtes Publikum. Denn blinde und sehbehinderte Menschen sind eingeladen die Inszenierung der Bürgerbühne „Verlorene Lieder“ zu erleben.

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Ein grenzenloser Ort der Möglichkeiten – das kann das Theater sein. Aber man muss hingehen. Und mitdenken. Das Schauspielhaus lädt dazu jetzt tausend Düsseldorfer Schüler aus den Klassen 6 bis 9 ein und will sie zu „Theater.Entdeckern“ machen. Die Expedition Bühne ist auf knapp zwei Jahre angelegt. Wenn alles gut geht, halten weder die Lehrer*innen noch die Theaterleute den Kompass, sondern das junge Publikum. Und besonders wichtig: Gefragt sind nicht nur Milchbubis, denen die Eltern ihren Seitenscheitel mit einem Hunderter ziehen, sondern – shocking – auch Hauptschüler.

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