Theater

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Die Lage ist schon ernst genug. Da braucht man nicht noch ernstes Theater wie Strindbergs „Traumspiel“, dessen Voraufführung am 11. März die letzte Vorstellung vor dem Lock-Down war. So was muss warten, wir wollen jetzt Trost und gute Laune. Und das gibt’s an diesem Wochenende im Ehrenhof gleich sechs Mal beim „Theater! Open! Air!“, dem lustigen Lebenszeichen von sechs Düsseldorfer Bühnen. Nein, von sieben, denn das Junge Schauspiel wird extra gezählt. Ach, es ist eine Wonne, wieder eine Show im nicht-virtuellen Raum zu sehen! Trotz Abstandsregeln und Maskengedöns. Applaus!

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Alle wollen ein sommerliches Lebenszeichen von Rheinoper, Düsseldorfer Schauspielhaus, Tanzhaus NRW, Theater an der Kö, Kom(m)ödchen und dem Düsseldorfer Forum Freies Theater (FFT). Die drei zunächst geplanten Vorstellungen von „Theater! Open! Air!“ am Samstag, 20. Juni, waren nach zwei Stunden schon ausverkauft. Um mehr Zuschauerwünsche erfüllen zu können, gibt es nun drei zusätzliche Vorstellungen am Sonntag, 21. Juni, um 11 Uhr, 13.30 Uhr und 16 Uhr. Die Vorstellungen mit jeweils höchstens 200 Besuchern im Ehrenhof am Kunstpalast dauern jeweils etwa anderthalb Stunden. Einlass ca. 45 Minuten zuvor. Der neue Vorverkauf für die Zusatzvorstellungen startet am Dienstag, 16. Juni, 11 Uhr.

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Corona hin, Corona her – eine Pressekonferenz mit 25 Beteiligten hätte man auch mit Abstand in einem luftigen Foyer veranstalten können. Stattdessen gab es ein keimfrei digitales Meeting auf Zoom. Die Düsseldorfer Theater sind offenbar nachhaltig traumatisiert von der Seuche, die das Spiel im März jäh beendet hat. Unter den herrschenden Bedingungen wollen Oper, Schauspielhaus, Tanzhaus, Theater an der Kö, das Kom(m)ödchen und das Forum Freies Theater (FFT) keine Experimente machen. Aber sie geben dem Publikum ein Lebenszeichen in Form einer Revue unter freiem Himmel: „Theater! Open! Air“ am 20. Juni im Ehrenhof. Der Vorverkauf startet am Dienstag, 9. Juni, um 11 Uhr.

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Man ist ja froh, dass sich irgendetwas rührt. Man möchte nicht gemein sein in diesen Zeiten, und man möchte es unbedingt schön finden, was die Theater und Konzerthäuser jetzt als digitales Notprogramm produzieren. Leider sind die technisch und atmosphärisch eher dünnen Aufnahmen kein Kino und nur mit Geduld und Hingabe zu genießen. Versuchen wir’s mal mit der Tonhalle und dem Düsseldorfer Schauspielhaus.

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Ist es nicht so, dass wir morgens, wenn wir erwachen, kurz denken, alles sei normal? Dann fällt uns ein: Es herrscht ja Corona, die Covid-19-Krise. Das Virus verbreitet sich, die Einrichtungen des öffentlichen Lebens werden nach und nach abgeschaltet, niemand weiß, was uns noch bevorsteht. Die Szenarien aus überforderten italienischen Krankenhäusern wirken wie ein böser Traum, aus dem wir zu erwachen wünschen. Doch er geht weiter. Genau so wie in August Strindbergs „Ein Traumspiel“, dessen für Samstag (14.3.) geplante Premiere im Düsseldorfer Schauspielhaus jetzt wegen der Theaterschließungen ausfällt, und dessen Voraufführung am Mittwoch (11.3.) ich zufällig gesehen habe. Ein geradezu unheimlich passender Stoff ...

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Ob es sinnvoll ist, bereits mit Zweijährigen ins Theater zu gehen? Aber selbstverständlich, glaubt der Leiter des Jungen Schauspiels, Stefan Fischer-Fels. Denn Kinder haben noch keine Konventionen im Kopf und lassen sich vollkommen auf das ein, was auf der Bühne geboten wird. Dass dies gut für die Entwicklung der Kinder ist, findet auch Diakonie-Chef Thorsten Nolting. Deshalb genossen in der vergangenen Woche mehr als 1000 Kita-Kinder der Diakonie ein besonderes Erlebnis. Sie besuchten die Vorstellung „Was die Sonne nachts macht“ im Jungen Schauspiel an der Münsterstraße.

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Es ist ja nicht so, als hätte es noch nie eine hemmungslose Inszenierung von Frank Wedekinds gutem alten Skandalstück „Lulu“ gegeben. Im Gegenteil: Das seltsame, um 1900 entstandene Drama um eine triebgesteuerte Frau, die alle kirre macht, bis Jack the Ripper sie am Ende abmurkst, war ein gefundenes literarisches Fressen für das moderne Theater. Sex & Crime pur, herrlich. Berühmte Regisseure wie Neuenfels, Ciullli, Zadek, Thalheimer griffen gern zu. Lauter Kerle allerdings. Im Düsseldorfer Schauspielhaus hat sich jetzt eine junge Frau mit dem fatalen Weib auseinandergesetzt. Und eine feministisch korrekte Lösung gefunden: Bernadette Sonnenbichler verwandelt das Objekt der Begierde in eine selbstbestimmte Performance-Künstlerin.

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Welche Lieder singt die Erinnerung? Was klingt da in unseren Köpfen? Jeder Mensch hat seinen eigenen inneren Soundtrack – vom Lalelu der Mutter bis zum Chanson mit dem Akkordeon. Aber es gibt auch Songs, die einfach typisch sind für eine Epoche und die wir alle kennen. Yeah, folks! Zum 50jährigen Bestehen des Düsseldorfer Schauspielhauses am Gründgens-Platz präsentieren mehrfach begabte Schauspieler unter Leitung ihres Kollegen André Kaczmarczyk und des fabelhaften Musikers Matt Johan Leenders eine Hitparade, die das Publikum begeistert und beseelt: „I build my time“, ich baue meine Zeit – das ist der literarisch-zarte Titel nach einem Gedicht des Dadaisten Kurt Schwitters.

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Laienspiel kann eine Geduldsprobe sein: Zu langatmig, zu ungeformt, nur toll für Angehörige. Die Bürgerbühne des Düsseldorfer Schauspielhauses funktioniert  anders. Sie wird von Profis geleitet, ihr Chef Christof Seeger-Zurmühlen ist ein erfahrener Theatermann. Unterstützt von der dramaturgisch ausgebildeten Autorin Juliane Hendes und der Bühnenbildnerin Kirsten Dephoff verwandelte er jetzt die Aufregungen und Ambitionen seines Amateur-Ensembles in ein konzentriertes Stück, das die Zuschauer packt und am Ende auf die eigene Familiengeschichte verweist: „Blick zurück nach vorn“ im Kleinen Haus.

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Häppchen gab’s zum Glück genug. Immer neue Platten mit raffinierten kleinen Köstlichkeiten schleppten die neue Theatergastronomin Veronika Schillings und ihr Team ins Foyer-Gewimmel. Tapfer lächelnd. Die heftig plaudernden Herrschaften stürzten sich darauf und bekamen auch noch freien Wein oder ein Sprudelwasser. Schließlich galt es, zwischen Festakt und Premiere im überhitzten Saal wieder zu Kräften zu kommen. 50 Jahre Schauspielhaus – ein ebenso prickelndes wie anstrengendes gesellschaftliches Ereignis. Die große Party hat begonnen.

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Es war nicht anders zu erwarten: Auch zur Jubiläumsfeier 50 Jahre nach der Eröffnung am 16. Januar 1970 bleibt das Düsseldorfer Schauspielhaus ein Unvollendetes. Der Kö-Bogen II mitsamt dem Gründgens-Platz wird erst im Herbst fertig sein, und wie der Gutachterstreit um die immer noch nicht gleichmäßig gefärbten Alu-Teile der geschwungenen Theaterfassade ausgeht, das weiß noch niemand. Der Düsseldorfer Stararchitekt Christoph Ingenhoven, Baumeister des Gesamtkomplexes, besteht auf einer perfekten Oberfläche: „Amorphe Formen vertragen keine Farbunterschiede.“ Das Haus an sich ist fast fertig, dicht und von innen ziemlich schön, wie man jetzt schon sehen kann.

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Dieses Mordsdrama will eigentlich keiner mehr sehen. „Heinrich VI.“ – das sind drei ausgewachsene Tragödien mit je fünf Akten, die der junge William Shakespeare und sein Team zwischen 1589 und 1592 für das Showgeschäft ihrer Zeit schufen. Wer das historische Game of Thrones heutzutage an einem Abend spielen will, muss den Riesenstoff beherzt straffen und umgestalten. Für das Düsseldorfer Schauspielhaus hat das der belgische Autor, Performer und intellektuelle Spaßvogel Tom Lanoye besorgt. Sein Spektakel um „Henry VI & Margaretha di Napoli“ in der Regie von David Bösch ist der neueste Erfolg des Düsseldorfer Schauspielhauses, D’haus genannt. Es gab Standing Ovations.

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Der Titel klingt vertraut: „Die Entdeckung des Himmels“. War ja mal ein Bestseller in den frühen 90er-Jahren. Aber, Hand aufs Herz, wer hat den Roman des niederländischen Schriftstellers Harry Mulisch (1927-2010) schon so richtig ordentlich durchgelesen? Sind schließlich 865 Seiten mit einer ziemlich krausen Geschichte über Vorsehung, Sex, Tod und die Auflösung des Pakts zwischen Gott und den Menschen. „Da fragt man sich, wie das gehen soll auf der Bühne“, scherzte vor der deutschen Erstaufführung im Düsseldorfer Schauspielhaus der Dramaturg Robert Koall. Und die Antwort ist: mit wunderbarer Leichtigkeit, in der Regie des ehemaligen Burgtheater-Intendanten Matthias Hartmann.

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Oh nee, „Antigone“? Sophokles? Antike Tragödie in Hölderlins klassischer Übersetzung? Das klingt nach Theater für Bildungsbürger und bleischwerem Lernstoff für Oberschüler. Aber das Junge Schauspiel Düsseldorf hat daraus eine Show gemacht, ein Spiel mit Tanz, Musik und coolen Raps – zur Feier des menschlichen Gewissens, des Muts, der Würde, der Nächstenliebe. Anderthalb Stunden lang lauschten die jungen Zuschauer gebannt und applaudierten dann begeistert dem Team um die niederländische Regisseurin Liesbeth Coltof, die zwar schon 64 ist, aber die Jugend versteht.

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Es gibt kaum große Rollen für Frauen, klagt dieses Stück. Und sorgt zugleich heftig für Abhilfe. Die aufstrebende britische Autorin Penelope Skinner hat „Linda“ geschaffen, ein Drama über eine alternde Managerin und ihre Töchter und Rivalinnen. Die Heldin ist eine Frau, die, wie einst Shakespeares König Lear, ganz irre wird vor Ambition, Enttäuschung und unheiligem Zorn. Allerdings geht es um den Wahnsinn der alltäglichen Gegenwart, mit banalen, vertrauten Konflikten. Hauptdarstellerin Claudia Hübbecker sorgt bei der deutschen Erstaufführung im Kleinen D’haus dafür, dass Lindas Leid dem Publikum richtig schön auf die Nerven geht. Sie spielt sich die Seele aus dem Leib.

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