Theater

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Es ist ja nicht so, als hätte es noch nie eine hemmungslose Inszenierung von Frank Wedekinds gutem alten Skandalstück „Lulu“ gegeben. Im Gegenteil: Das seltsame, um 1900 entstandene Drama um eine triebgesteuerte Frau, die alle kirre macht, bis Jack the Ripper sie am Ende abmurkst, war ein gefundenes literarisches Fressen für das moderne Theater. Sex & Crime pur, herrlich. Berühmte Regisseure wie Neuenfels, Ciullli, Zadek, Thalheimer griffen gern zu. Lauter Kerle allerdings. Im Düsseldorfer Schauspielhaus hat sich jetzt eine junge Frau mit dem fatalen Weib auseinandergesetzt. Und eine feministisch korrekte Lösung gefunden: Bernadette Sonnenbichler verwandelt das Objekt der Begierde in eine selbstbestimmte Performance-Künstlerin.

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Welche Lieder singt die Erinnerung? Was klingt da in unseren Köpfen? Jeder Mensch hat seinen eigenen inneren Soundtrack – vom Lalelu der Mutter bis zum Chanson mit dem Akkordeon. Aber es gibt auch Songs, die einfach typisch sind für eine Epoche und die wir alle kennen. Yeah, folks! Zum 50jährigen Bestehen des Düsseldorfer Schauspielhauses am Gründgens-Platz präsentieren mehrfach begabte Schauspieler unter Leitung ihres Kollegen André Kaczmarczyk und des fabelhaften Musikers Matt Johan Leenders eine Hitparade, die das Publikum begeistert und beseelt: „I build my time“, ich baue meine Zeit – das ist der literarisch-zarte Titel nach einem Gedicht des Dadaisten Kurt Schwitters.

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Laienspiel kann eine Geduldsprobe sein: Zu langatmig, zu ungeformt, nur toll für Angehörige. Die Bürgerbühne des Düsseldorfer Schauspielhauses funktioniert  anders. Sie wird von Profis geleitet, ihr Chef Christof Seeger-Zurmühlen ist ein erfahrener Theatermann. Unterstützt von der dramaturgisch ausgebildeten Autorin Juliane Hendes und der Bühnenbildnerin Kirsten Dephoff verwandelte er jetzt die Aufregungen und Ambitionen seines Amateur-Ensembles in ein konzentriertes Stück, das die Zuschauer packt und am Ende auf die eigene Familiengeschichte verweist: „Blick zurück nach vorn“ im Kleinen Haus.

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Häppchen gab’s zum Glück genug. Immer neue Platten mit raffinierten kleinen Köstlichkeiten schleppten die neue Theatergastronomin Veronika Schillings und ihr Team ins Foyer-Gewimmel. Tapfer lächelnd. Die heftig plaudernden Herrschaften stürzten sich darauf und bekamen auch noch freien Wein oder ein Sprudelwasser. Schließlich galt es, zwischen Festakt und Premiere im überhitzten Saal wieder zu Kräften zu kommen. 50 Jahre Schauspielhaus – ein ebenso prickelndes wie anstrengendes gesellschaftliches Ereignis. Die große Party hat begonnen.

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Es war nicht anders zu erwarten: Auch zur Jubiläumsfeier 50 Jahre nach der Eröffnung am 16. Januar 1970 bleibt das Düsseldorfer Schauspielhaus ein Unvollendetes. Der Kö-Bogen II mitsamt dem Gründgens-Platz wird erst im Herbst fertig sein, und wie der Gutachterstreit um die immer noch nicht gleichmäßig gefärbten Alu-Teile der geschwungenen Theaterfassade ausgeht, das weiß noch niemand. Der Düsseldorfer Stararchitekt Christoph Ingenhoven, Baumeister des Gesamtkomplexes, besteht auf einer perfekten Oberfläche: „Amorphe Formen vertragen keine Farbunterschiede.“ Das Haus an sich ist fast fertig, dicht und von innen ziemlich schön, wie man jetzt schon sehen kann.

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Dieses Mordsdrama will eigentlich keiner mehr sehen. „Heinrich VI.“ – das sind drei ausgewachsene Tragödien mit je fünf Akten, die der junge William Shakespeare und sein Team zwischen 1589 und 1592 für das Showgeschäft ihrer Zeit schufen. Wer das historische Game of Thrones heutzutage an einem Abend spielen will, muss den Riesenstoff beherzt straffen und umgestalten. Für das Düsseldorfer Schauspielhaus hat das der belgische Autor, Performer und intellektuelle Spaßvogel Tom Lanoye besorgt. Sein Spektakel um „Henry VI & Margaretha di Napoli“ in der Regie von David Bösch ist der neueste Erfolg des Düsseldorfer Schauspielhauses, D’haus genannt. Es gab Standing Ovations.

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Der Titel klingt vertraut: „Die Entdeckung des Himmels“. War ja mal ein Bestseller in den frühen 90er-Jahren. Aber, Hand aufs Herz, wer hat den Roman des niederländischen Schriftstellers Harry Mulisch (1927-2010) schon so richtig ordentlich durchgelesen? Sind schließlich 865 Seiten mit einer ziemlich krausen Geschichte über Vorsehung, Sex, Tod und die Auflösung des Pakts zwischen Gott und den Menschen. „Da fragt man sich, wie das gehen soll auf der Bühne“, scherzte vor der deutschen Erstaufführung im Düsseldorfer Schauspielhaus der Dramaturg Robert Koall. Und die Antwort ist: mit wunderbarer Leichtigkeit, in der Regie des ehemaligen Burgtheater-Intendanten Matthias Hartmann.

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Oh nee, „Antigone“? Sophokles? Antike Tragödie in Hölderlins klassischer Übersetzung? Das klingt nach Theater für Bildungsbürger und bleischwerem Lernstoff für Oberschüler. Aber das Junge Schauspiel Düsseldorf hat daraus eine Show gemacht, ein Spiel mit Tanz, Musik und coolen Raps – zur Feier des menschlichen Gewissens, des Muts, der Würde, der Nächstenliebe. Anderthalb Stunden lang lauschten die jungen Zuschauer gebannt und applaudierten dann begeistert dem Team um die niederländische Regisseurin Liesbeth Coltof, die zwar schon 64 ist, aber die Jugend versteht.

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Es gibt kaum große Rollen für Frauen, klagt dieses Stück. Und sorgt zugleich heftig für Abhilfe. Die aufstrebende britische Autorin Penelope Skinner hat „Linda“ geschaffen, ein Drama über eine alternde Managerin und ihre Töchter und Rivalinnen. Die Heldin ist eine Frau, die, wie einst Shakespeares König Lear, ganz irre wird vor Ambition, Enttäuschung und unheiligem Zorn. Allerdings geht es um den Wahnsinn der alltäglichen Gegenwart, mit banalen, vertrauten Konflikten. Hauptdarstellerin Claudia Hübbecker sorgt bei der deutschen Erstaufführung im Kleinen D’haus dafür, dass Lindas Leid dem Publikum richtig schön auf die Nerven geht. Sie spielt sich die Seele aus dem Leib.

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Da ist er wieder, dieser Zauber: das blaue und das rote Licht, der falsche Mond, der uns betört, die Figuren, die sich zu Wort und Musik wie kunstvolle Marionetten bewegen. Es ist eigentlich egal, was Robert Wilson (78), der elegante Theatermagier aus Texas, in Szene setzt: Seine Bewunderer lieben es. Ich auch. Aber nach dem wie gewohnt tosenden Applaus für seine Shortversion von Rudyard Kiplings „Dschungelbuch“ muss man doch ehrlich sagen, Mr. Wilson hat schon größere Werke vollbracht.

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Nun, meine Damen und Herren, das müssen Sie einsehen: Auf Dauer kann sich das Düsseldorfer Schauspielhaus, keck D’haus genannt, nicht auf seine alten Bildungsbürger verlassen. Die sterben bald aus, neues Publikum muss her. Und so lässt Generalintendant Wilfried Schulz zwischen den herkömmlichen Premieren allerlei experimentelle Formate ausprobieren. Zum Beispiel die monatliche Lecture-Performance, eine schräge Art von Vorlesung unter dem Titel „Embracing Realities“ (Realitäten umarmen), kombiniert mit dem „Safe Open Fun Space“, dem sicheren offenen Spaßraum.

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Kinder, da war noch was los, als das neue Düsseldorfer Schauspielhaus 1970 mit „Dantons Tod“ eröffnet wurde! Krawall vor der Tür, Polizeischutz für die Premierengäste. „Schmeißt die fetten Bonzen raus!“ schrien die Demonstranten. Heute kümmern sich die Kids ums Weltklima und nehmen das bürgerliche Theater gar nicht wahr. Sie würden es kaum finden inmitten der Baustelle auf dem Gründgens-Platz, wo Büchners Danton erneut starb – am halb sanierten Ort. Ein nostalgisch gestimmtes Seniorenpublikum betrachtete wohlwollend ein junges, sich verausgabendes Ensemble bei qualvollen Leibesübungen unter der Regie von Armin Petras.

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„Hamburch, meine Perle“ – diese Hymne haben sie beim HSV gerade abgeschafft. Bernhard Paul poliert die Perle in Düsseldorf wieder auf. Mit einem Balanceakt zwischen Klischee und Klasse. Rotzfrech und sentimental. Rock und rotierenden Menschen und Kegeln und Bechern.

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Sonne? Mein Gegenüber blinzelt irritiert in das überraschend intensive Licht dieses Aprilnachmittags. Er kommt aus dem fensterlosen Bühnenraum des Central, dem Langzeitausweichquartier des Düsseldorfer Schauspielhauses. Vier Stunden Vormittagsprobe liegen hinter ihm, die nächste folgt um 18 Uhr. Coriolan, Shakespeares Alterswerk, hat am 18. April Premiere. André Kaczmarczyk wird die Titelfigur spielen, den aufstrebenden Feldherrn Caius Martius. Eine Rolle, die sich zu den vielen anderen gesellt, die der 33-Jährige aktuell mit all seinen Sinnen zusammenhalten muss. „Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wie viele Produktionen ich parallel mache“, sagt er und rührt im Cappuccino. Gefühlt ist er in so gut wie jeder Aufführung zu sehen.

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Mit dem ganz eigenen Blick auf die Beziehung zwischen Mann und Frau kommt der Caveman nach Düsseldorf zurück. Der Broadway-Klassiker ist vom 5. bis zum 7. April im Club des Capitol Theaters Düsseldorf zu sehen.

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