Kultur Theater

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Die Parteien sprechen sich für ein Schauspielhaus am heutigen Platz aus.

Düsseldorf: Der Vierakter der Parteien zum Düsseldorfer Schauspielhaus

Die Diskussion über „Sein oder nicht Sein“ des Gebäudes für das Düsseldorfer Schauspielhaus bewegt neben den Bürgern auch die Düsseldorfer Parteien. Sie sprechen sich für einen Verbleib des Sprechtheaters am Gustaf-Gründgens-Platz aus.

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Das Schauspielhaus muss saniert und erhalten werden, meint Markus Raub, SPD

SPD: Bürgeranleihe soll zur Sanierung beitragen

Die heftigen Diskussionen zur Zukunft des Schauspielhauses bewertet der SPD-Fraktionsvorsitzende Markus Raub positiv: „Die vielen Wortmeldungen und Kommentare in der letzten Woche lassen nur einen Schluss zu: Die Düsseldorfer*innen wollen ein saniertes und strahlendes Schauspielhaus am Gustav-Gründgens-Platz. Und das ist gut so. Jetzt gilt es, gemeinsam dafür zu sorgen, dass Klarheit über den baulichen Zustand und eine ausreichende Finanzierung sichergestellt werden können.“ Niemand könne zurzeit seriös sagen, welche konkreten baulichen Einzelmaßnahmen im Detail notwendig sind und welche Summe dazu letztendlich aufgebracht werden muss, um diesen Wunsch der Düsseldorfer*innen sicherzustellen. „Vor dem Hintergrund der vor uns liegenden gewaltigen Investitionen in den Schulbau, die Bäder und die dringend notwendige Sanierung weiterer städtischer Gebäude ist dies eine Rechnung mit vielen Unbekannten, die durch bloße Umschichtungen im Haushalt kaum zu stemmen sein wird“, so Markus Raub weiter. „Deshalb kann sich die SPD-Fraktion gut vorstellen, eine Bürger*innenanleihe für die Sanierung des Schauspielhauses aufzulegen, die allen, denen das Haus am Herzen liegt die Möglichkeit gibt, sich finanziell an der Sanierung zu beteiligen. Dies wäre eine gute Wertanlage in die Zukunft unserer Stadt und zugleich eine vertrauensvolle Kapitalanlagemöglichkeit für die Bürger*innen in Düsseldorf. “

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Das Schauspielhaus gehört zur Stadt, sagt Philipp Tacer, SPD

Philipp Tacer, Mitglied im Kulturausschuss und Aufsichtsrat des Schauspielhauses, sieht hierin eine große Chance für die Kultur in Düsseldorf: „Das Schauspielhaus gehört in das Zentrum unserer Stadt und kann nach seiner Sanierung sowohl baulich als auch kulturell wieder in die Mitte der Stadtgesellschaft rücken. Auch dank der künstlerischen und partizipativen Philosophie von Intendant Wilfried Schulz und seinem Team haben wir eine große Chance, wieder breitere Schichten der Stadtgesellschaft an das Schauspielhaus zu binden. Eine Anleihe, an der sich viele Menschen beteiligen, kann neben ihrer sinnvollen Finanzierungsfunktion auch dazu beitragen, dass das Schauspielhaus buchstäblich eine Bühne der Düsseldorfer Bürger*innen ist.“

CDU-Ratsfraktion: Düsseldorfer Schauspielhauses erhalten!

Der Fraktionsvorsitzende Rüdiger Gutt kritisiert den Rathaus-Chef: „Der OB hat eine völlig abwegige Diskussion losgetreten. Anscheinend hat ihn der Jubel um die Tour de France übermütig werden lassen.“ Es sei ein typisches Geisel-Verhalten: „Der OB wirft vorsätzlich einen Stein ins Wasser und löst eine Empörungswelle aus. Dann spielt er den Erstaunten, der den Unmut nicht verstehen kann“, sagt Gutt.
„Wer berät den OB eigentlich?“

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Rüdiger Gutt, CDU, kritisiert, dass die Diskussion überhaupt stattfindet

Für Rüdiger Gutt steht fest: „Das Stadtoberhaupt hat den Bezug zu unserer Stadt verloren. Geisel lebt in einer Blase. Anders kann ich mir seine absurde Frage, ob Düsseldorf das Schauspielhaus noch braucht, nicht erklären. Völlig daneben ist sein Vorschlag mit dem Kongresszentrum. Wer berät den OB eigentlich?“
Zur Finanzierung der notwendigen Sanierungskosten meint Gutt: „Der Rat muss notfalls Umschichtungen im Haushalt vornehmen. Dann ist die Aufgabe zu stemmen.“
Düsseldorfer Wahrzeichen
Auch Bürgermeister Friedrich G. Conzen, Vorsitzender im Kulturausschuss, sieht keinen Anlass, das Theaterdenkmal in Frage zu stellen: „Die CDU steht uneingeschränkt zum Schauspielhaus. Für uns sind weder Gebäude noch Standort verhandelbar. Der geschwungene Bau ist ein Düsseldorfer Architektur-Wahrzeichen und festes Ensemblemitglied im Stadtkern – zusammen mit Kö-Bogen, Dreischeibenhochhaus und dem geplanten Ingenhoven-Tal. Es ist gut und richtig, dass auch die Kultur hier ihren Sitz hat.“
Resolution im Rat geplant
Die CDU-Fraktion plant eine Resolution im Rat zum Erhalt des Schauspielhauses: „Wir werden auf die anderen Fraktionen zugehen, um politisch ein Zeichen zu setzen“, so Gutt und Conzen.
Der kulturpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Thomas Sternberg, schiebt nach:
„Ein selbstherrlicher Düsseldorfer Oberbürgermeister spekuliert wild über den Abriss des Schauspielhauses Düsseldorf und die Landesregierung widerspricht ihm mit keinem Wort. Dieser Drama nimmt langsam bizarre Züge an. Das Schauspielhaus ist durch die Kofinanzierung des Landes eigentlich ein Staatstheater und mit viel Geld des Landes schon einmal renoviert worden. 

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Das Schauspielhaus muss als Gesamtprojekt geplant werden, meint Clara Gerlach, GRÜNE

GRÜNE fordern Transparenz und professionelle Steuerung

„Das Schauspielhaus Düsseldorf hat mit seinem Bau 1970 Aufsehen erregt und neue Maßstäbe gesetzt. Zusammen mit dem Dreischeibenhaus bildet es ein architektonisches Scharnier in der City. Als intellektueller Hotspot sorgt es seitdem für Aufmerksamkeit über die Stadtgrenzen hinaus - mit dem neuen Intendanten Schulz einmal mehr. Eine umfassende Sanierung ist erstrebenswert, vor allem im Hinblick auf die Fertigstellung des Kö-Bogen II und das fünfzigjährige Jubiläum 2020. Deshalb hat sich die GRÜNE Ratsfraktion gestern einstimmig für die Nutzung als Theaterstätte an diesem Ort und für die Sanierung des Baus von Bernhard Pfau ausgesprochen“, erklärt Norbert Czerwinski, Sprecher der GRÜNEN Ratsfraktion.
Zusätzlich fordern die GRÜNEN eine professionelle Projektsteuerung für das Gesamtprojekt. Clara Gerlach, kulturpolitische Sprecherin der Fraktion: „In den letzten Jahrzehnten wurde das Haus immer nur scheibchenweise angepackt. Auch die rostende Fassade war lange bekannt, wurde aber von den CDU-Oberbürgermeistern immer wieder auf die lange Bank geschoben. Jetzt brauchen wir eine umfassende Steuerung, auch um die Kostenentwicklung von Anfang an im Griff zu haben“.
Die entsprechenden Fragen zur Analyse des Gebäudes, zu Maßnahmen und deren Kosten haben die GRÜNEN im Vorfeld der Beratungen im nächsten Kulturausschuss an die Verwaltung gesandt.

FDP: Gesucht sind wirtschaftlich vernünftige Vorschläge

Auch Manfred Neuenhaus (FDP) lehnt Überlegungen zum Abriss des Schauspielhausgebäudes ab. Das Schauspielhaus sei in einem guten Zustand, die Sanierung der Fassade stehe in absehbarer Zeit an. Es sei "wirtschaftlich vernünftig", das jetzt zu machen. Gefragt sei aber nicht die Politik: "Der Oberbürgermeister muss jetzt einen Vorschlag machen, der auch trägt."

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Manfred Neuenhaus, FDP, lehnt den Abriss ab

Die Diskussion über „Sein oder nicht Sein“ des Gebäudes für das Düsseldorfer Schauspielhaus bewegt neben den Bürgern auch die Düsseldorfer Parteien. Sie sprechen sich für einen Verbleib des Sprechtheaters am Gustaf-Gründgens-Platz aus.

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(Der Leser schaut stirnrunzelnd auf. Er hat sein Tablet in eine Zeitung eingeschlagen und legt gerade eine virtuelle Bildschirm-Patience, während er so tut, als würde er den Leitartikel studieren)
„Nun machen Sie aber mal einen Punkt. Wieso springen sie hier so auf und ab? Beruhigen Sie sich doch erst einmal. Sie machen immer entschieden zu viel Alarm da, mit diesem…äh, in dieser Gazette…Sie sollten ihre Mitte finden, ihr Central.“

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