Kultur Theater

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Wilfried Schulz, Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses, beobachtete sehr genau, wie am Samstag (8.9.) das Publikum der Saisoneröffnung auf die Spielszenen der neuen Schauspielstücke reagierten.

Düsseldorf Schauspielhaus: Kleine Szene zur großen Saisoneröffnung im Central

(Der Berichterstatter kommt von links auf die Bühne und stolpert über ein aufgeweichtes Reclam-Heft, das auf dem Boden liegt)
„Man muss vor diesem Wilfried Schulz warnen. Gewiss, er ist nicht groß an Gestalt und schaut auf den ersten Blick intellektuell drein. Abgehoben und durchgeistigt, irgendwie, wenn Sie mich fragen. Doch lassen Sie sich nicht täuschen, er ist ein gemeingefährlicher Mann. Schauen Sie sich dieses verschmitzte Schmunzeln an! Mit dem wird das nichts mit dem populistischen Säurebad für Anstand und Werte und Demokratie. Der springt glatt mitten rein ins ätzende Vollbad und holt alle drei da raus.“

(Der Leser schaut stirnrunzelnd auf. Er hat sein Tablet in eine Zeitung eingeschlagen und legt gerade eine virtuelle Bildschirm-Patience, während er so tut, als würde er den Leitartikel studieren)
„Nun machen Sie aber mal einen Punkt. Wieso springen sie hier so auf und ab? Beruhigen Sie sich doch erst einmal. Sie machen immer entschieden zu viel Alarm da, mit diesem…äh, in dieser Gazette…Sie sollten ihre Mitte finden, ihr Central.“

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Sie moderierten die Saisonvorschau im Düsseldorfer Central: Jonas Friedrich Leonhardi und Minna Wündrich.

Berichterstatter | „Sie könnten ruhig ein wenig dankbarer sein. Ohne mich wüssten sie nicht von den Ungeheuerlichkeiten, die sich am Samstag (8.9.) im Central zugetragen haben. Viele hundert Menschen haben sieben Euro gezahlt für ein Häppchentheater, einen Blick in die kommende Schauspielhaussaison. Eben war es noch 20 Uhr – und beim nächsten Blick auf die Uhr standen die Zeiger bei 21.35 Uhr. Dieser Schulz ist Zeitdieb, ein gemeingefährlicher. Und er bringt den Leuten das kritische Denken bei. 32 Premieren sind allein im nächsten Jahr geplant. Und mit Räuber Hotzenplotz will er demnächst (11.11.2018) zum Mond fliegen. Es ziemt sich nicht für einen Intendanten, sich der Düsseldorfer Schwerkraft zu entziehen. Und dann haben sie auch gelesen und gesungen und getanzt – die ganze Nacht hindurch.

Leser | „Hatten sie nicht kürzlich darauf hingewiesen, dass das Düsseldorfer Schauspielhaus mit 225.900 Zuschauern in der vergangenen Saison so gut besucht war wie seit 20 Jahren nicht? Wer Erfolg hat, hat Recht.“

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Intendant Wilfried Schulz, Regisseur Sönke Wortmann, der Vicky Baums "Menschen im Hotel" auf die Bühne des originalen Düsseldorfer Schauspielhauses bringt.

Berichterstatter | „Na und? Vermutlich war nichts los in ihren digitalen Medien. Ja, Sie können ihr Tablet ruhig offen auf den Tisch legen. Und das Fernsehen zeigt auch bloß Wiederholungen. Vermutlich hat Schulz deshalb diesen Filmregisseur Sönke Wortmann verpflichtet – für Vicky Baum „Menschen im Hotel“. Premiere ist bereits am 14. September – im, im richtigen Schauspielhaus. Bühne zwischen Baustellen, hahaha, wie soll das gehen? Dann folgt am 15. September Kafkas „Das Schloss“ und vermutlich werden alle Theatergäste, die da hingehen, verschwinden. Denn Kafka hat ja noch nicht einmal einen Schluss für „Das Schloss“ geschrieben. In Ödön von Horváths „Jugend ohne Gott“ zeichnen die Darsteller des Jungen Schauspielhauses den aktuellen Hass- und Hetze-Herbst in einem Krimi nach – Premiere am 13. September.“

Leser (notiert die Termine in seinem Tablet) | „Langsam, langsam, man kommt ja gar nicht mit. Zwischendrin muss das Publikum doch auch mal nach Hause – wenigstens um für die nächste Premiere das Frackhemd zu wechseln."

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Stress für Schauspieler Torben Kessler (Kringelein in "Menschen im Hotel"): Hinter ihm stehen sein Regisseur und der Intendant.

Berichterstatter | "Ach, sagen Sie mal, wie naiv sind Sie eigentlich? Bei diesem Intendanten müssen Sie Turnschuhe tragen statt Lackschuhe. Ansonsten kommen Sie überhaupt nicht mit: 22. September – Premiere von Eva und Adam – nackte Tatsachen über Frauenund Männer. „Like me“ – das Junge Schauspielhaus über Kindheit und Erwachsenwerden – Premiere 18. September. „Momentum“ – ein Stück der niederländischen Autorin Lot Vekemans über ein Politikerpaar, Premiere am 12. Oktober. „Abiball“ – über das Finale einer Schulzeit – Premiere am 19. Oktober. Und so geht das im November und Dezember weiter. Wenn Schulz so weitermacht, muss der Düsseldorfer Karneval in diesem Jahr ausfallen, weil keiner Zeit hat, da auch noch hinzugehen."

Leser | "Angesichts mancher Pointen wäre das nicht das Schlimmste."

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Was macht "Scham" mit Menschen? Der Frage geht das junge Schauspiel in "Like me" nach.

Berichterstatter (nach Luft schnappend) | "Und dann diese Preise. Für 14 Euro kommt man schon überall rein. Premieren ab 24 Euro. Junges Schauspiel: 10 Euro für Erwachsene, 6 Euro für Kinder und Jugendliche. Die Theaterkarte gilt als Fahrkarte für Bus und Bahn. Und Gruppenermäßigungen gibt es auch noch."  

Leser | "Hm, das klingt interessant. Wo gibt es alle Informationen?"

Berichterstatter (resignierend) | www.dhaus.de

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Autor Lutz Hübner schrieb das Stück "Abiball", rechts: die moderierende Schauspielerin Minna Wündrich. 

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