Kultur Theater

D_TheaterEntdecker_20171020

Suchen tausend Theater.Entdecker: Der Leiter Junges Schauspiel am Schauspielhaus, Stefan Fischer-Fels (mitte) und die Theaterpädagogen Martn Soofipour (l.) und Thiemo Hackel.

Düsseldorf: Schulen können sich für Pilotprojekt Theater.Entdecker bewerben

Ein grenzenloser Ort der Möglichkeiten – das kann das Theater sein. Aber man muss hingehen. Und mitdenken. Das Schauspielhaus lädt dazu jetzt tausend Düsseldorfer Schüler aus den Klassen 6 bis 9 ein und will sie zu „Theater.Entdeckern“ machen. Die Expedition Bühne ist auf knapp zwei Jahre angelegt. Wenn alles gut geht, halten weder die Lehrer*innen noch die Theaterleute den Kompass, sondern das junge Publikum. Und besonders wichtig: Gefragt sind nicht nur Milchbubis, denen die Eltern ihren Seitenscheitel mit einem Hunderter ziehen, sondern – shocking – auch Hauptschüler.

Damit liegt die Latte hoch. Zumal und das sagte der Leiter des Jungen Schauspielhauses, Stefan Fischer-Fels, am Freitag durchaus selbstkritisch, die Bande zwischen Schulen und Schauspiel in den vergangenen Jahren brüchig geworden sind. „Schulen werden mit vielem befrachtet; aber auch bei uns wechselten häufig die Ansprechpartner.“

Busse als Ausreden

Und dann kam ausgerechnet Stadtdirektor Burkhard Hintzsche mit der vorwitzigen Frage an die Schulleitungen: „Warum gehen ihre Schulklassen eigentlich nicht mehr ins Theater?“ An dieser Stelle vermerkt das Skript ein verlegenes Hüsteln der Düsseldorfer Spitzenpädagogen. Die wohlfeile erste Antwort ließ Hintzsche nicht gelten: „Die Stadt genehmigt uns keine Busse, um zum an der Münsterstraße 446 weit nördlich gelegenen Jungen Schauspiel zu kommen.“ (An der Wand blitzt die rote Ausredendetektor-Lampe hektisch, es ist ein unangenehmer Sirenenton zu höhen).

D_Hintzsche_Schulz_20171020

Stadtdirektor Burkhard Hintzsche (l.) stellte die richtigen Fragen. Generalintendant Wilfried Schulz definiert Theater als "Lebensmittel". 

Also packen jetzt die „Theater.Entdecker“ ihren Rucksack. Hinein kommen drei Theaterbesuche zwischen dem 1., Dezember 2017 und September 2019, mit theaterpädagogischer Nachbereitung. Die Kids sollen Erfahrungen und nicht irgendwo bott und breitbeinig hockend Text über sich ergehen lassen. Hinzu kommen eine Rallye zur Erkundung des Arbeitsplatzes „Theater“ und ein „Theater.Entdecker“-Kongress am Ende der Pilotphase im September 2019. Macht alles zusammen zwölf Euro.
Das folgt wohl dem alten Spruch, was nichts kostet, ist nichts. 66 Düsseldorfer Schulen haben aber bis heute schon einen „Theater.Fieber-Vertrag“ abgeschlossen. Als Kooperationspartner des Schauspielhaues bekommen sie ohne Prüfung und Gedöns Freikarten für all jene, die sich ansonsten kein Ticket leisten könnten.

Das junge Publikum begeistern

Flugs unterstützen die Schulleitungen die Entdeckungsreise. Bei der Pressekonferenz waren die Leiterin des Gymnasiums Schmiedestraße, Dr. Antonietta Zeoli, und der Joseph-Beuys-Gesamtschule, Regine Brochhagen-Klein als Zeuginnen geladen.
Haben die Kids zwischen Pubertät, Schulstress und Chill Out überhaupt Bock auf Bühne? Schauspielhaus-Generalintendant Wilfried Schulz schaute über seine runden Brillengläser hinweg: „In der Jugend habe ich eine Chance, Menschen fürs Theater zu begeistern. Für mich ist das ein Lebensmittel. Und in der Jugend gibt es noch die Ausprägung zum Bildungsbürger. Hier müssen wir ansetzen.“

Bis zum 15. November bewerben

Interessierte müssen wissen: Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 15. November. Wer als Schule mitmachen will, lädt ein Bewerbungsformular von der Homepage des Düsseldorfer Schauspielhauses herunter: www.dhaus.de/theater-schule-und-co/downloads/  Nach dem 15.11. wird ausgewählt und benachrichtigt.

Zurück zur Rubrik Theater

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Theater

D_Bikoe_Dschungel_3_20102019

Da ist er wieder, dieser Zauber: das blaue und das rote Licht, der falsche Mond, der uns betört, die Figuren, die sich zu Wort und Musik wie kunstvolle Marionetten bewegen. Es ist eigentlich egal, was Robert Wilson (78), der elegante Theatermagier aus Texas, in Szene setzt: Seine Bewunderer lieben es. Ich auch. Aber nach dem wie gewohnt tosenden Applaus für seine Shortversion von Rudyard Kiplings „Dschungelbuch“ muss man doch ehrlich sagen, Mr. Wilson hat schon größere Werke vollbracht.

D_FunSpace_BlauRot_20191012

Nun, meine Damen und Herren, das müssen Sie einsehen: Auf Dauer kann sich das Düsseldorfer Schauspielhaus, keck D’haus genannt, nicht auf seine alten Bildungsbürger verlassen. Die sterben bald aus, neues Publikum muss her. Und so lässt Generalintendant Wilfried Schulz zwischen den herkömmlichen Premieren allerlei experimentelle Formate ausprobieren. Zum Beispiel die monatliche Lecture-Performance, eine schräge Art von Vorlesung unter dem Titel „Embracing Realities“ (Realitäten umarmen), kombiniert mit dem „Safe Open Fun Space“, dem sicheren offenen Spaßraum.

D_Danton_Blut_20092019

Kinder, da war noch was los, als das neue Düsseldorfer Schauspielhaus 1970 mit „Dantons Tod“ eröffnet wurde! Krawall vor der Tür, Polizeischutz für die Premierengäste. „Schmeißt die fetten Bonzen raus!“ schrien die Demonstranten. Heute kümmern sich die Kids ums Weltklima und nehmen das bürgerliche Theater gar nicht wahr. Sie würden es kaum finden inmitten der Baustelle auf dem Gründgens-Platz, wo Büchners Danton erneut starb – am halb sanierten Ort. Ein nostalgisch gestimmtes Seniorenpublikum betrachtete wohlwollend ein junges, sich verausgabendes Ensemble bei qualvollen Leibesübungen unter der Regie von Armin Petras.

report-D: Social Media / RSS

Bildergalerien von report-D