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Stefan Engstfeld versammelte mit einer überzeugenden Bewerbungsrede den Düsseldorfer Kreisverband der Grünen hinter sich - als Oberbürgermeister-Kandidat. 

Düsseldorf Grüne: Stefan Engstfeld ist neuer OB-Kandidat | Analyse

Die Düsseldorfer Grünen präsentieren stolz: den Wunschkandidaten mit dem Wunschergebnis. Stefan Engstfeld (50) ist es am Dienstagabend mit seiner Bewerbungsrede gelungen, den grünen Kreisverband komplett hinter sich zu versammeln. Knapp 96 Prozent Ja-Stimmen einzusammeln, in einer von Natur aus diskussionsfreudigen Partei ist das ein starkes Signal. Kreisvorstand und Ehefrau haben es bestmöglich vorbereitet.

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Grüne Krönungsmesse an der Herzogstraße in Düsseldorf.

Mit einer starken Rede überzeugte Stefan Engstfeld die eigenen Parteifreunde. Nun müssen die Düsseldorfer Wähler für einen grünen Oberbürgermeister gewonnen werden. Thomas Geisel hat den ersten ernsthaften Gegenkandidaten bekommen. Die Düsseldorfer CDU schweigt sich bislang über ihr Personalangebot für Düsseldorf aus. Sie kommt im Rennen um den Düsseldorfer OB-Kandidaten zu spät. Die FDP klebt an der Umweltspur, während IHK und Handwerkskammer die Einrichtung und Bestätigung per Ratsentscheid längst akzeptiert haben.

Mitglieder-Wachstum

Die Vorbereitung | Der Grüne Kreisvorstand hatte sich auf drei Seiten für Stefan Engstfeld ausgesprochen. Der Kandidat hatte auf weiteren drei Seiten sein Bewerbungsschreiben samt Lebenslauf versandt. Letzteres macht deshalb Sinn, weil unter den 865 Düsseldorfer Grünen zahlreiche neue Parteimitglieder sind. Dies spiegelt den Bundestrend wieder, wo die Grünen in den vergangenen zwei Jahren von 60.000 auf rund 95.000 Parteimitglieder zulegten. Bei der Kür des OB-Kandidaten für Düsseldorf wollte der Kreisvorstand deshalb nichts dem Zufall überlassen. Dies gelang. Es gab keine Gegenkandidaten. Die Mitgliederversammlung war eine Krönungsmesse.

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Gleichklang in Reihe eins: Stefan Engstfeld und Ehefrau Kerstin mit identischer Körpersprache. 

Der Faktor Jäckel | Die langjährige Pressesprecherin von Oberbürgermeister Thomas Geisel ist im Streit ausgeschieden. Nun begleitet sie ihren Ehemann Stefan Engstfeld. Das hat für ihn zwei enorme Vorteile: Er hat die Kommunikationsexpertin nicht angestellt, sondern angeheiratet. Und zudem kennt Jäckel aus eigner Erfahrung sämtliche Mechanismen und Reflexe des Geisel-Teams. Es wäre naiv zu glauben, sie habe an der Bewerbungsrede nicht entscheidet mitgeschrieben.
Stefan Engstfeld | Die Umstände und Berater sind das eine. Das andere sind die eigene Person und das eigene Können. Und hier verkörpert der gebürtige Duisburger Stefan Engstfeld per Lebenslauf: Ich bin ein grüner Düsseldorfer. Hinzu kam eine frei vorgetragene Bewerbungsrede, die den Klimawandel mit dem Niedrigwasser im Rhein und dem mit jenseits von 40 Grad heißesten, jemals in Düsseldorf gemessenen Tag am 25. Juli 2019 auf die Stadt herunterbrach.

Tschüss, Auto!

Mit Mobilität und Wohnen sprach Engstfeld die Knackpunkte des Düsseldorfer Lebens an. Bei der Mobilität verabschiedete er sich vom Auto als Hauptverkehrsträger und erzählte von Fahrradspuren mitten auf der Straße in Barcelona und den handwerklichen Fehlern der derzeitigen Düsseldorfer Stadtspitze bei der Einrichtung der dritten Umweltspur ab dem Werstener Kreuz.
Beim Thema Wohnen sprach sich Engstfeld klar dagegen aus, eine „energetische Sanierung mit Wärmedämmung und verbesserter Energiebilanz“ gegen preiswerten Wohnraum auszuspielen. Derzeit nutzten Investoren die energetische Sanierung, um langjährige Mieter zu vertreiben und Mieten deutlich zu erhöhen. Dieses Ausspielen gegeneinander müsse aufhören.

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Grünes Dreigestirm: (vl.) Parteisprecherin Mirja Cordes, Stefan Engsfeld, Parteisprecherin Paula Elsholz.

Seine Rede insgesamt enthielt den richtigen Mix von Fakten und Gefühl. Von Amtsinhaber Thomas Geisel setzte sich Engstfeld klar ab. Er werde weniger hektisch handeln und mehr zuhören. Brückenbau und Respekt vor anderen, demokratische Positionen statt ständiger Alleingänge – das versprach Stefan Engstfeld.

Klare Kante gegen Rechts

Zugleich rief er alle Düsseldorfer dazu auf, dem Rechtspopulismus zu widerstehen. Die Stadt sei tolerant und weltoffenen und werde dies auch bleiben. Gegen Rechtsradikale, Rassisten und Antisemiten müsse man zu Felde ziehen, auch wenn von denen nur 20 protestierten. Engstfeld: „Dann müssen auf der Gegenseite mindestens 50 stehn.“

Düsseldorf Politikstil | Hier markierte Stefan Engstfeld den deutlichen Unterschied zu Thomas Geisel. Er werde den Menschen zuhören anstatt von Termin zu Termin zu hetzen. Er werde andere demokratische Meinungen respektieren und versuchen den Ausgleich zu finden, sagte Engstfeld.

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