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Das Zusatzschild „NS-Wirtschaftsführer /1933-1945 NSDAP“ unter dem Straßennamen war im Rahmen einer Protestaktion angebracht worden, musste aber wieder entfernt werden

Hans-Günther Sohl Straße: Schweres Thema zu später Stunde im Düsseldorfer Rat

Der Haushalt für 2017 war am Donnerstag (15.12.) in der Ratssitzung der Stadt Düsseldorf verabschiedet worden, als nach 20 Uhr noch ein schweres Thema auf der Tagesordnung stand: Die Umbenennung der Hans-Günther Sohl Straße.

Name mit Nazi-Vergangenheit

Die Bezirksvertretungen in Düsseldorf sind zuständig, wenn es um die Namensgebung für neu gebaute Straßen geht. So vergab die BV 2 vor 25 Jahren für eine neue Straße in Flingern-Nord den Namen Hans-Günther Sohl  und ging damit auf den Vorschlag der Firma Thyssen ein, die auch maßgeblich den Bau der Straße betrieben hatte.

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Im Rahmen einer Gedenkfeier hefteten im November 2015 Mitglieder der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten den Zusatz „NS-Wirtschaftsführer /1933-1945 NSDAP“ unter das Straßenschild. Die Zusatzschilder mussten am Ende einer 30-minütigen Gedenkfeier auf Anweisung der Polizei wieder abgenommen werden.

Doch mit den Jahren regte sich Widerstand gegen den Straßennamen, denn Sohl war NSDAP-Mitglied (1933 bis 1945) und Wehrwirtschaftsführer des NS-Regimes. Er arbeitete in leitender Funktion für die Friedrich Krupp AG und die Vereinigten Stahlwerke. Beide Konzerne beschäftigten Zwangsarbeiter, vornehmlich aus der Sowjetunion. Als Rüstungsmanager war er für den Einsatz von Fremdarbeitern aus den Konzentrationslagern verantwortlich. Befremdlich für die Lage der Straße empfanden Kritiker auch die unmittelbare Nähe zu dem ehemaligen Außenlager des KZ Buchenwald „Berta“.

Antrag auf Namensänderung

Auf Antrag der SPD und der Grünen erstellte die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf ein Gutachten zur Person Hans- Günther Sohl, das aber zu keiner abschließenden Empfehlung kam. So musste eine politische Entscheidung her und die BV 2 beschloss in ihrer September-Sitzung, den Rat und die Verwaltung der Landeshauptstadt Düsseldorf aufzufordern, die Hans-Günther-Sohl-Straße umzubenennen.

Trotz der späten Stunde wurde die Umbenennung der Straße in der Ratssitzung leidenschaftlich diskutiert. Rüdiger Gutt machte für die CDU-Fraktion klar, dass jedes Mitglied bei der Abstimmung für sich entscheiden würde. Die CDU kritisierte aber eher die Kosten, die mit einer Umbenennung entstehen, als die Person Hans-Günther Sohl zu hinterfragen. SPD, Grüne, FDP und LINKE vertraten die Meinung, dass unbedingt ein neuer Name vergeben werden müsse. Die Nazi-Vergangenheit von Sohl verlange dies und da seien organisatorische Folgen eines neuen Straßennamen zweitrangig.

Mehrheit stimmte dafür

So entschied der Rat mit Mehrheit gegen die Stimmen der CDU, einzig Ratsherr Pavel Madzirov schloss sich den Sohl-Kritikern an, für eine Umbenennung der Straße. Einen Vorschlag für einen neuen Namen gibt es schon: Luise Rainer Straße. Die gebürtige Düsseldorferin war eine deutsche Schauspielerin jüdischer Herkunft. Sie ist bis heute die einzige deutsche Schauspielerin, die einen Oscar gewinnen konnte. 1985 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. 

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