Politik Stadtteile

D_Hamm_Saal_20170305

Zur ersten Bürgeranhörung über den neuen Bebaungsplan der Stadt kamen weniger Anwohner als vermutet

Düsseldorf Hamm setzt alles auf Anfang: 150 Bürger lehnen Planvorlage ab

Der matte Blick am Ende einer langen Diskussion zeigte Hilfslosigkeit. Ganz kurz nur blitzte sie auf. Dann hatte Ruth Orzessek-Kruppa ihre Gesichtszüge wieder unter Kontrolle. Soeben war der Leiterin des Planungsamtes der Bebauungsplan Nr. 5174/016 unter den Händen zerbröselt. Alles Kappes in Kappes Hamm.

D_Hamm_Plaamt_201703

Düsseldorfs Planungsamtsleiterin Ruth Orzessek-Kruppa

Dabei hätte es ihr inoffizielles Gesellenstück in Düsseldorf werden sollen. Seit mehr als drei Jahren versucht die Stadtplanerin, Eigentümerinteressen und den Bau von 300 Wohnungen und Einfamilienhäusern in Düsseldorf-Hamm so unter eine Planung zu bringen, dass sich möglichst viele darin wiederfinden. Das Ergebnis bei einer ersten Bürgeranhörung mit und 150 Gästen am Mittwoch: „Diesen Plan wollen wir nicht. Dann regeln wir lieber gar nichts.“

Zurück zum Stand von 2013

An diesem Punkt war Düsseldorf Hamm bereits 2013. Ein Großteil der Grundstücke ist als Gartenbauland ausgewiesen. Es darf landwirtschaftlich genutzt, aber nicht bebaut werden. Dagegen wandten sich damals die Vertreter von 18 Gartenbaubetrieben. Über kurz oder lang würden viele ihre Betriebe schließen, weil sie nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben seien. Sie schilderten Hamm als bäuerliche Kulisse nahe der großen Stadt. Zugleich träumten die Landbesitzer davon, auf ihrem Grund Einfamilienhäuser bauen zu dürfen –für die eigenen Kinder. Oder gleich ein Mehrfamilienhaus – als Sicherheit fürs eigene Alter.

D_Hamm_Handy_20170405

Ein Handy-Foto von der Präsentation

Die Stadt startete ein langwieriges Dialogverfahren. 229 Eigentümer, 18 Gartenbaubetriebe, langjährige Anwohner – alle wurden einbezogen und durften sich äußern. Beidseits der Straße Hinter der Böck entstanden auf dem Papier Gebilde, die von weitem so aussehen wie Bauernhöfe. Je näher man kommt, desto kleinteiliger werden die Strukturen. Tatsächlich gruppieren sich Einfamilienhäuser rings um Stichstraßen. Eine große Grünfläche sollte an ein altes Feld erinnern. Hinzu kommt ein Block mit Wohnungen 300 Wohneinheiten sind geplant.

Ein Dialogverfahren - mit einem Sieger

Diesen Siegerentwurf aus dem Dialogverfahren bezeichnen die Anwohner damals bereits als Kompromiss. Mehrfach forderten sie ein Verkehrskonzept ein – denn schon heute ist Parkraum in Hamm knapp. Und wenn die 40-Tonner für die Gartenbaubetriebe anrollen, werden die viel zu engen Gassen für viel zu viel Verkehr schier undurchdringbar. So empfinden es die Anwohner.

D_Hamm_Skepsis20170405

Skeptische Blicke - vielen Anwohnern fehlt ein schlüssiges Verkehrskonzept

Dass Ruth Orzessek-Kruppa am Mittwoch mit keiner Silbe auf den fatalen Verkehrslage in Hamm einging; dass sie einen im Umgang mit Bürgern augenscheinlich völlig unerfahren Jung-Planer ausgerechnet in der Verkehrsfrage ins Feuer schickte, war extrem ungeschickt. So gesehen darf sich die Planungsamtsleiterin, die sich extrem intensiv für die Überplanung von Hamm eingesetzt hat, nicht wundern, wenn ihr Haus allen Kredit verspielt hat.

Mehr Platz für die Awista

Düsseldorfs amtliche Stadtplaner rückten mit einem Plan an, auf dem sie den gerade noch tolerierten Kompromiss in zahlreichen Punkten verändert hatten. So braucht die Awista mehr Platz zum Wenden ihrer Müllfahrzeuge. Das grüne Feld mutierte zu einem Flickenteppich, durch den sich ein Fuß- und Radweg schlängeln soll. Zum Verkehr ein dröger Theorie-Vortrag mit der Quintessenz, laut Hochrechnungen könne Hamm den Verkehr von 900 weiteren Fahrzeugen aufnehmen. Lauter Protest aus dem Saal. Die Planer müssen zugeben, dass sie ihre Aussage auf Formel-Berechnungen stützen – ohne Ortstermin.

D_Hamm_Diskutant_20170305

Zum Teil heftige Diskussionen mit den Stadtplanern

Dann entdecken immer mehr Besucher, dass die Verwaltung entweder mit ungenauen oder mit veralteten Plänen arbeitet: „Diese Häuser da stehen exakt in meinem Vorgarten und in dem meines Nachbarn“, schimpft ein Zuhörer. Die Wut beim Bürger steigt: „Mit sowas hier anzukommen, ist eine Missachtung der Bürger.“
Ab diesem Zeitpunkt helfen keine vermittelnden Worte mehr. Der Vorschlag der Stadtplaner gilt als abgeschmettert. Ohne Verkehrskonzept tauge es gar nichts, heißt es. 300 neue Wohneinheiten in Ein- und Mehrfamilienhäusern sei viel zu viel – heißt es außerdem. Und Bauträger sollten am liebsten völlig ferngehalten werden, fordern Bürger.

Bürger-Lob und –Protest

Noch bis zum 28. April 2017 können Anwohner Lob und Tadel zu den Hammer Plänen beim Planungsamt, Brinckmannstraße 5,40225 Düsseldorf, loswerden

Zurück zur Rubrik Stadtteile

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Stadtteile

D_Garath_Apfel_11052019

Den Tag der Städtebauförderung hat die Stadt Düsseldorf in diesem Jahr mit einem besonderen Projekt verbunden. Am Samstag (11.5.) wurde auf dem Nikolaus-Groß-Platz in Garath den Bewohnern im Viertel vorgestellt, was sich beim Projekt Garath 2.0 tut. Aus dem Projekt heraus kam der Vorschlag, den vier Garather Vierteln neue Namen zu geben. Ideen dazu werden noch bis zum 30. Juni gesammelt. Zum ersten Mal hatte am Samstag die neue Anlaufstelle für Jugendliche die „Gestaltbar“ geöffnet und vermittelte Eindrücke, was dort ab Sommer möglich ist.

D_Wersten_Ballon_05052019

Die Werbegemeinschaft Wersten hat für die Kinder im Stadtteil 30 Notinseln eingerichtet, bei denen es Unterstützung im Notfall gibt, wenn sie unterwegs sind und Hilfe brauchen, Angst haben oder nicht alleine weiter wissen. Damit diese Notinseln im Ernstfall gefunden werden, werden sie einmal im Jahr bei der Werstenrallye erkundet. Am Freitag (3.5.) schwärmten über 100 Kinder mit ihren Begleitern aus und hatten viel Spaß dabei, den Notfall spielerisch zu üben.

D_Muehlenviertel_Vogel_11102016

Wo boomt Düsseldorf? In Benrath. Genauer: In der Paulsmühle, was von Fremden als „Benrath-Ost“ bezeichnet wird. Gestern war dort eine öde Thyssen-Kruppsche Industriebrache. Jetzt entstehen in dem Viertel mehr als 1500 neue Wohnungen, 4000 Schülerinnen und Schüler lernen am just eröffneten Albrecht Dürer Berufskolleg. Das macht den Nachbarn nicht nur Freude, sondern auch Angst. Wohin mit all den neuen Mitmenschen? Wo bleibt all der Autoverkehr? Wie sieht es mit der Sozialstruktur im Viertel aus? Damit beschäftigte sich ein Forum der Bürgerinitiative „Lebenswerte Paulsmühle“ am Dienstagabend (9.4.). Rund 80 Zuhörer kamen ins Bürgerhaus an der Telleringstraße.

report-D: Social Media / RSS

Bildergalerien von report-D