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Zur ersten Bürgeranhörung über den neuen Bebaungsplan der Stadt kamen weniger Anwohner als vermutet

Düsseldorf Hamm setzt alles auf Anfang: 150 Bürger lehnen Planvorlage ab

Der matte Blick am Ende einer langen Diskussion zeigte Hilfslosigkeit. Ganz kurz nur blitzte sie auf. Dann hatte Ruth Orzessek-Kruppa ihre Gesichtszüge wieder unter Kontrolle. Soeben war der Leiterin des Planungsamtes der Bebauungsplan Nr. 5174/016 unter den Händen zerbröselt. Alles Kappes in Kappes Hamm.

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Düsseldorfs Planungsamtsleiterin Ruth Orzessek-Kruppa

Dabei hätte es ihr inoffizielles Gesellenstück in Düsseldorf werden sollen. Seit mehr als drei Jahren versucht die Stadtplanerin, Eigentümerinteressen und den Bau von 300 Wohnungen und Einfamilienhäusern in Düsseldorf-Hamm so unter eine Planung zu bringen, dass sich möglichst viele darin wiederfinden. Das Ergebnis bei einer ersten Bürgeranhörung mit und 150 Gästen am Mittwoch: „Diesen Plan wollen wir nicht. Dann regeln wir lieber gar nichts.“

Zurück zum Stand von 2013

An diesem Punkt war Düsseldorf Hamm bereits 2013. Ein Großteil der Grundstücke ist als Gartenbauland ausgewiesen. Es darf landwirtschaftlich genutzt, aber nicht bebaut werden. Dagegen wandten sich damals die Vertreter von 18 Gartenbaubetrieben. Über kurz oder lang würden viele ihre Betriebe schließen, weil sie nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben seien. Sie schilderten Hamm als bäuerliche Kulisse nahe der großen Stadt. Zugleich träumten die Landbesitzer davon, auf ihrem Grund Einfamilienhäuser bauen zu dürfen –für die eigenen Kinder. Oder gleich ein Mehrfamilienhaus – als Sicherheit fürs eigene Alter.

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Ein Handy-Foto von der Präsentation

Die Stadt startete ein langwieriges Dialogverfahren. 229 Eigentümer, 18 Gartenbaubetriebe, langjährige Anwohner – alle wurden einbezogen und durften sich äußern. Beidseits der Straße Hinter der Böck entstanden auf dem Papier Gebilde, die von weitem so aussehen wie Bauernhöfe. Je näher man kommt, desto kleinteiliger werden die Strukturen. Tatsächlich gruppieren sich Einfamilienhäuser rings um Stichstraßen. Eine große Grünfläche sollte an ein altes Feld erinnern. Hinzu kommt ein Block mit Wohnungen 300 Wohneinheiten sind geplant.

Ein Dialogverfahren - mit einem Sieger

Diesen Siegerentwurf aus dem Dialogverfahren bezeichnen die Anwohner damals bereits als Kompromiss. Mehrfach forderten sie ein Verkehrskonzept ein – denn schon heute ist Parkraum in Hamm knapp. Und wenn die 40-Tonner für die Gartenbaubetriebe anrollen, werden die viel zu engen Gassen für viel zu viel Verkehr schier undurchdringbar. So empfinden es die Anwohner.

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Skeptische Blicke - vielen Anwohnern fehlt ein schlüssiges Verkehrskonzept

Dass Ruth Orzessek-Kruppa am Mittwoch mit keiner Silbe auf den fatalen Verkehrslage in Hamm einging; dass sie einen im Umgang mit Bürgern augenscheinlich völlig unerfahren Jung-Planer ausgerechnet in der Verkehrsfrage ins Feuer schickte, war extrem ungeschickt. So gesehen darf sich die Planungsamtsleiterin, die sich extrem intensiv für die Überplanung von Hamm eingesetzt hat, nicht wundern, wenn ihr Haus allen Kredit verspielt hat.

Mehr Platz für die Awista

Düsseldorfs amtliche Stadtplaner rückten mit einem Plan an, auf dem sie den gerade noch tolerierten Kompromiss in zahlreichen Punkten verändert hatten. So braucht die Awista mehr Platz zum Wenden ihrer Müllfahrzeuge. Das grüne Feld mutierte zu einem Flickenteppich, durch den sich ein Fuß- und Radweg schlängeln soll. Zum Verkehr ein dröger Theorie-Vortrag mit der Quintessenz, laut Hochrechnungen könne Hamm den Verkehr von 900 weiteren Fahrzeugen aufnehmen. Lauter Protest aus dem Saal. Die Planer müssen zugeben, dass sie ihre Aussage auf Formel-Berechnungen stützen – ohne Ortstermin.

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Zum Teil heftige Diskussionen mit den Stadtplanern

Dann entdecken immer mehr Besucher, dass die Verwaltung entweder mit ungenauen oder mit veralteten Plänen arbeitet: „Diese Häuser da stehen exakt in meinem Vorgarten und in dem meines Nachbarn“, schimpft ein Zuhörer. Die Wut beim Bürger steigt: „Mit sowas hier anzukommen, ist eine Missachtung der Bürger.“
Ab diesem Zeitpunkt helfen keine vermittelnden Worte mehr. Der Vorschlag der Stadtplaner gilt als abgeschmettert. Ohne Verkehrskonzept tauge es gar nichts, heißt es. 300 neue Wohneinheiten in Ein- und Mehrfamilienhäusern sei viel zu viel – heißt es außerdem. Und Bauträger sollten am liebsten völlig ferngehalten werden, fordern Bürger.

Bürger-Lob und –Protest

Noch bis zum 28. April 2017 können Anwohner Lob und Tadel zu den Hammer Plänen beim Planungsamt, Brinckmannstraße 5,40225 Düsseldorf, loswerden

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