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Klaus Klar und Frank Bsirske sind auf einer Wellenlänge, wenn es um die Zufriedenheit der Mitarbeiter geht

Düsseldorf: Gewerkschaftschef sucht Tarifkämpfer

Wie können Arbeitnehmer davon überzeugt werden, dass gerechte Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen erkämpft werden müssen? Im Rahmen der ver.di-Aktionswoche „Gute Arbeit – Guter Lohn – Tarifverträge zahlen sich aus“ war Gewerkschaftschef Frank Bsirske am Freitag (24.6.) in Düsseldorf bei der Rheinbahn als Vorzeigebetrieb und bei Firmen, in denen der faire Umgang mit den Mitarbeitern noch verbesserungswürdig ist.

"Dafür sind die Gewerkschaften ja da"

Der Aussage, dass Tarifverträge für bessere Bezahlung sorgen, stimmten fast zwei Drittel der Arbeitnehmer einer Umfrage von TNS Infratest zu, die ver.di zum Thema „Anwendung und Wirkung von Tarifverträgen“ in Auftrag gegeben hatte. Allerdings führt das nicht zu einem Mitgliederanstieg. Etwa zwei Millionen Mitglieder hat Ver.di, aber die Zahl stagniert seit 2014, trotz erfolgreicher Arbeitskämpfe. Sorgen machen Frank Bsirske die Arbeitnehmer, die sich auf die Verhandlungen der Gewerkschaften verlassen, aber selber nicht bereit sind der Gewerkschaft beizutreten. „Dafür sind die ja da“ wird als Argument der Verweigerer angeführt. Die Lohnerhöhungen werden gerne mitgenommen, aber sich dafür am Arbeitskampf zu beteiligen, lehnen immer noch viele Menschen ab.

Aktionswoche

Der Besuch in Düsseldorf zur Aktionswoche ist ein Versuch in Gesprächen mit den Arbeitnehmer zu überzeugen. Nicht nur er, sondern auch Gewerkschaftssekretäre und ver.di Mitarbeiter waren in rund 1000 Betrieben und die Tarifbindung war eines der wichtigsten Themen. Der Trend, sich aus Tarifverträgen zu verabschieden ist bei Unternehmen ungebrochen. Etwa 59 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Westdeutschland in Betrieben mit Tarifbindung, im Osten sind es nur 49 Prozent. Vor zwanzig Jahren waren die Zahlen noch deutlich höher. Selbst Firmen mit Tarifabschlüssen nutzen oft die Gründung von Tochtergesellschaften als Mittel, die Tarifbindung zu umgehen.

Rheinbahn ist ein Vorzeigebetrieb

Bei der Rheinbahn ist der Grad der Organisation sehr hoch und auch bei den Auszubildenden steht die Mitgliedschaft bei ver.di hoch im Kurs. Obwohl er zur Arbeitsgeberseite gehört, ist der Arbeitsdirektor der Rheinbahn Klaus Klar stolz auf diesen Umstand. Er vertritt den klaren Standpunkt, dass die Zufriedenheit der Mitarbeiter ein wichtiger Punkt ist. Davon profitieren beide Seiten und er kann zahlreiche Maßnahmen benennen, bei denen er für die „Rheinbahner“ eine Frage der Ehre ist auch spontan für Sondereinsätze zur Verfügung zu stehen. Allerdings gibt er auch zu, dass in den Tochterunternehmen andere Tarife gezahlt werden.

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Pressegespräch im Straßenbahnwaggon: Frank Bsirske und Klaus Klar

Auf seiner Reise durch Düsseldorf machte Frank Bsirske auch Station bei AVIAPartner am Flughafen, der I.S.O. Security GmbH und den LVR-Kliniken, um die Vorteile der gewerkschaftlichen Organisation mit den Mitarbeitern zu diskutieren.

Rentenkampagne startet im September

Nach der erfolgreichen Einführung des Mindestlohns werden alle Gewerkschaften im Herbst gemeinsam eine neue Rentenkampagne starten. Sie sehen den Kurswechsel in der Rentenpolitik als unbedingt erforderlich an, da die jungen Menschen, die heute ihre Arbeit beginnen mit ihrer künftigen Rente voraussichtlich unter Hartz-IV-Niveau liegen werden.

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