Wirtschaft Gewerkschaften

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Kämpfen derzeit in den Uni-Kliniken um Geld und Anerkennung: mehrere Hundert Beschäftigte, die vom Arbeitgeber in neue Gesellschaften verfrachtet wurden, um ihnen geringere Löhne zahlen zu können

Düsseldorf zum 1. Mai: Redner Augstein fordert mehr Einmischung der Gewerkschaften

Ein Marsch, viele Transparente und laut gerufene Parolen: das Mai-Ritual ist gekommen. Zum 1. Mai schlagen die Gewerkschaften aus. So ist es Tradition und seit dem Streik der Arbeiter 1886 in den Chicagoer McCormick-Werken um einen Acht-Stunden-Tag mit dem Blut und dem Leben vieler erstritten worden. Und dann kommt einer daher und klagt: Weil die Gewerkschaften viel zu kompromissbereit seien, liefe in Deutschland eine große Umwälzpumpe, die den von vielen erwirtschafteten Reichtum jenen wegnehme und einigen wenigen in den Schlund spüle. Der DGB Düsseldorf hatte zum 1. Mai 2017 einen Klartext-Redner auf die Bühne gerufen.

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Verleger und Publizist Jakob Augstein geißelte die aus seiner Sicht zu braven, zu kompromissbereiten Gewerkschaften

Thomas Jakob Augstein, geboren am 28. Juli 1967 in Hamburg, Inhaber und bis vor kurzem Herausgeber und Chefredakteur der links-liberalen Wochenzeitung „Der Freitag“. Scharf kritisierte er die Gewerkschaften dafür, dass sie sich in den vergangenen Jahren kein politisches Mandat genommen hätten.

Die Reichen werden reicher...

Deshalb habe sich die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland weiter geöffnet als jemals zuvor. Augstein zitierte die neuste OECD-Studie. Danach besitzen zehn Prozent der Deutschen 60 Prozent des Vermögens. Zwanzig Jahre zuvor seien es 45 Prozent des Vermögens gewesen. Topmanager verdienten das 200-fache eines normalen Beschäftigten; zu D-Mark-Zeiten lagen die Managergehälter „gerade mal“ beim 20-fachen.
Die Politik und die Medien seien zu schwach, um diese Schieflage zu korrigieren. Augstein machte dies an einer Gesetzesinitiative deutlich, über die derzeit diskutiert wird. Danach sollen die Gehälter von Top-Managern nur bis zu einer Höhe von 500.000 Euro pro Jahr als Betriebsausgaben von der Steuer absetzbar sein. „Dies ist ein erster Ansatz, aber ein sehr schwacher. Dann werden die Unternehmen eben auf den Rest Steuern zahlen“, sagte Augstein. Deshalb komme es ganz entscheidend auf die Gewerkschaften an.

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Mehr als 600 Mai-Demonstranten trotztem dem nasskalten Arbeitgeber-Wetter

Angesichts der enormen Ungleichverteilung sei es normal, dass in den vergangenen beiden Jahren so viel gestreikt wurde wie niemals zuvor. Zwischen 2005 und 2015 habe sich die Zahl der Streiks mehr als verdreifacht. Bei der Dienstleistungsgewerkschaft verdi machte Augstein am ehesten die Bereitschaft aus, korrigierend einzugreifen. Als erste unter den Gewerkschaften wolle verdi nicht bloß über die Lohnhöhe, sondern auch über die Verteilung und Struktur sprechen. Demgegenüber geißelte Augstein die IG Metall, die zwar bei Volkswagen in Wolfsburg den größten Einfluss einer Gewerkschaft auf ein Unternehmen habe, aber exorbitante Managergehälter und eine Winterheizung für den Koi-Karpfenteich des Ex-Vorstandsvorsitzenden Winterkorn zulasse.

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Punktet mit Mut und ausderndem Netzwerken für den DGB in Düsseldorf: Sigrid Wolf 

Zum Abschluss seiner 20-minütigen Rede beschwor Augstein die Solidarität und ermunterte alle Gewerkschaften, sich wesentlich stärker als bisher in die Politik und in Verteilungsfragen einzumischen.

Durch den Mai-Regen

Nach einem rund einstündigen Marsch vom DGB-Gewerkschaftshaus zum Johannes Rau-Platz hatte die Düsseldorfer DGB-Chefin Sigrid Wolf mit ihrer Begrüßung die Liste der Redner eröffnet. Erst zwei Tage zuvor hatten die Gewerkschaften zusammen mit zahlreichen Düsseldorfern an derselben Stelle gegen eine Wahlkampfveranstaltung der AfD gekämpft. „Zusammen haben wir gezeigt, dass in Düsseldorf kein Platz ist für Rassismus und Hass-Parolen“, rief Wolf, die alle an den Gegendemonstrationen Beteiligten zu einem Gemeinschaftsfoto auf die Bühne rief.

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Lautstark gegen Rechtspopulisten: Oberbürgermeister Thomas Geisel

Auch OB Thomas Geisel erteilte Rechtspopulisten in seinem Grußwort eine klare Absage. Ob bei Trump in den USA, in den Niederlanden oder bei Marie Le Pen in Frankreich gäben diese Demagogen nur vor, sich für die kleinen Leute einzusetzen. Stattdessen würden, wie das Beispiel USA zeige, den Reichen die Steuern erlassen und Einzelinteressen bedient.

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Lautstark gegen Geisel: verdis NRW-Vize Frank Bethke

Nach seinem sehr kämpferischen Grußwort verabschiedete sich Geisel flink von der Bühne. Denn der nachfolgende Redner, verdi-NRW-Vize Frank Bethge, ging Geisel zwei Mal direkt an. Er kritisierte scharf den unter „Verwaltung 2020“ geplanten Stellenabbau in der Düsseldorfer Verwaltung. Und er wies im Zusammenhang mit den erfolgreichen verdi-Klagen gegen verkaufsoffene Sonntage Geisel Schimpfwort von der „Prozesshanselei“ scharf zurück. Die Dienstleistungsgewerkschaft arbeite am runden Tisch von NRW-Wirtschaftsminister Gerald Duin, SPD, mit, die Rahmenbedingungen für Ladenöffnungszeiten neu zu definieren.

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Breitestmögliches Bündnis gegen Rechtspopulisten und Rassisten: Kirchen, Gewerkschaften, Künstler, politische Parteien, Bürger-Bündnisse und Düsseldorf stellt sich quer, DSSQ

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