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Düsseldorf-Urdenbach, Kammerathsfeldstraße: Die Stadtsparkasse lässt gesprengten Geldautomaten aus der Wand ziehen. 

Düsseldorf, Geldautomaten und eine Stadtsparkasse auf Kundenflucht: Bares wird Rares

Drei gesprengte Geldautomaten innerhalb von zehn Tagen hat die Stadtsparkasse Düsseldorf dazu genutzt, ihre Dienstleistungen für Privatkunden weiter einzuschränken. Jeder fünfte Geldautomaten-Standort der Stadtsparkasse innerhalb Düsseldorfs wurde kurzerhand ausgeknipst. „Die Sorge um das Leben von Menschen lässt uns keine Alternativen“, ließ sich Sparkassenchefin Karin-Brigitte Göbel zitieren. Dabei gibt es zahlreiche Unternehmen wie beispielsweise Ratiodata aus Münster oder BDT Banken- & Datentechnik aus Oyten, die Geldausgabeautomaten gegen Gasangriffe nachrüsten. Das kostet 2000 bis 3000 Euro pro Gerät, werben diese, nach einfacher Internetrecherche gefundenen Unternehmen. Der Automat müsse nicht einmal ausgetauscht werden.

Dass die Stadtsparkasse mit ihrer Reaktion auf Geldautomatenangriffe allein dasteht, machte unter anderem Christian Feldbinder deutlich, der Sprecher der Volksbank Düsseldorf-Neuss. Dort ist kein Abbau von Geldautomaten geplant, wie er auf Nachfrage der Rheinischen Post erklärte; man halte die Sicherheitstechnik „jederzeit auf dem neusten Stand“.

Austausch zwischen Banken und Polizei

Die entsprechende Sonderkommission „EK Heat“ beim Landeskriminalamt Düsseldorf hat eine regelmäßige Kommunikation mit Geldinstituten organisiert. Dort konnte man beispielweise in den vergangenen Monaten erfahren, dass Gasdetektoren eingeleitetes Gas vorzeitig entzünden oder über kontrollierte Kanäle aus Geldautomaten abführen; dass Sprengmatten die Auswirkungen von Explosionen auf Gebäude stark dämmen. Und dass Farbkartuschen, deren Inhalt Geldscheine einfärbt, nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein scheinen. Eine LKA-Sprecherin: „Eingefärbtes Geld ist schwerer abzusetzen, behält aber seinen Wert.“

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Abbau von Geldautomaten alternativlos: Stadtsparkassenchefin Karin-Brigitte Göbel.

Kenner der Düsseldorfer Stadtsparkasse vermuten denn auch einen ganz anderen Beweggrund hinter dem Verzicht auf Geldautomaten. Das Privatkundengeschäft, ursprünglich Markenkern der Stadtsparkasse, macht viel Arbeit und bringt wenig Rendite. Bis 2019 läuft deshalb ein umfangreiches, im Jahr 2015 gestartetes Rationalisierungsprogramm. 18 Stadtsparkassenfilialen wurden oder werden geschlossen (siehe Liste am Ende des Textes), 70 Arbeitsplätze entfallen. Am nächsten Rationalisierungsprogramm, das angeblich ein Vielfaches an Bankarbeitsplätzen zur Disposition stellen wird, arbeiten die Stadtsparkassen Controller bereits, wie Bankkreise munkeln.

Kosten kürzen, Kundenwege verlängern

Ursprünglich sollten Selbstbedienungszentren als Filialersatz fungieren. So zumindest wurden sie schmackhaft gemacht. Nun dienen die Automaten-Überfälle offenbar dazu, Betriebskosten zu verkürzen und in den dünn erschlossenen Außenstadtteilen von Düsseldorf die Laufwege der Stadtsparkassen-Kunden erheblich zu verlängern. Betroffen sind häufig alte Menschen mit Rollator, Anwohner ohne Auto und PC - all jene also, die die von Privatkundenvorständen beschworene Digitalisierung nicht mitmachen können oder wollen. Das nutzt ihnen bei der Stadtsparkasse Düsseldorf nichts – Bares wird dort Rares, wie erst vor kurzem noch Anwohner von Düsseldorf-Hellerhof im OB-Dialog mit Thomas Geisel beklagten.

1000 neue Wohnungen und viele tausend Berufsschüler ignoriert

Ob das Sparen zu Lasten der Privatkunden aufgeht, darf bezweifelt werden. Denn die Stadtsparkasse Düsseldorf handelt wenig weitsichtig. So wurde auf Nachfrage erklärt, für den gesprengten Geldautomaten an der Stadtsparkassen-Eissporthalle in der Paulsmühle (Benrath-Ost) werde es keinen Ersatz geben. Schließlich werde die Eissporthalle nur bis 2019 durch eine Stadtsparkassen-Stiftung finanziert – sprich ein kompletter Rückzug der Stadtsparkasse ist nur noch eine Frage der Zeit. Dass sich gleich nebenan die Baukräne drehen, um 1000 neue Wohnungen zu bauen und der Neubau des Berufskollegs gegenüber schon bald mehrere tausend weitere Kunden ins das Viertel bringen wird, scheint dem Vorstand der Stadtsparkasse herzlich egal zu sein.

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Vorstand rafft, Verwaltungsrat Geisel rennt: Karnevalswagen im Jahr 2016.

Ob Deutsche Bank, Commerzbank und eben die Stadtsparkasse Düsseldorf – alle dünnen ihr Filialnetz und nun eben auch die Geldautomaten aus. Nur noch auf Webseite erinnert die Stadtsparkasse Düsseldorf an deren Ursprung als Institut des öffentlichen Rechts. Der Verwaltungsrat – mit Oberbürgermeister Thomas Geisel an der Spitze und 14 Sparkassen-Beaufsichtigern - könnte den Vorstand der Stadtsparkasse an die Wurzeln des eigenen Geschäfts erinnern. Die nächste Gelegenheit dazu ist an diesem Freitag, dem Dreizehnten. Dann ist die nächste Sitzung des Verwaltungsrats.

Knapsen am Kunden

Das laufende Rationalisierungsprogramm der Stadtsparkasse Düsseldorf:
2016 wurden Filialen Hansaplatz, Hansaallee und Mörsenbroich geschlossen. Die Niederlassungen am Handweiser und am Seestern wurden zu reinen Automatenstandorten.
2017 wurden die Filialen Universität, Haeselerstraße, Lorettostraße und Medienhafen zu Automatenfilialen ohne Mitarbeiter.
2018 folgen die Standorte Rochusmarkt, Flughafen und Binterimstraße.
2019 werden die Filialen Hellerhof und Himmelgeist schließen. Die Niederlassungen Golzheim, Lohausen, Erkrather Straße und Wehrhahn sollen zu Automatenfilialen werden.

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